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Liebesgrüße aus Moskau: der erste Speed- und der zweite Boulderweltcup 2019

15.04.2019, 12:37 Uhr

Am vergangenen Wochenende wurde in Moskau nicht nur an den Boulder-Blöcken um Weltcup-Medaillen gerungen. Auch die Sprinter unter den Kletterern gaben sich beim ersten Speed-Weltcup ein rasantes Stelldichein und Alma Bestvater bescherte uns einen neuen deutschen Rekord!

Bei James Bond wissen wir ja wie es läuft. Beim Weltcup in Moskau schickt Shauna Liebesgrüße via Instagram und die Fälle (in dem Falle Boulderprobleme) sind von allen zu lösen.

Insgesamt neun Kletterer und Klettererinnen schickte der Alpenverein in die russische Hauptstadt. An der Speedwand startete fast das komplette Fokusteam: Alma Bestvater (DAV Weimar), Alex Megos (DAV Erlangen), Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main) und Yannick Flohé (DAV Aachen). Einzig Hannah Meul (DAV Rheinland-Köln) lief nicht die Speedwand hoch. Ergänzt wurde des Team von Philipp Martin (DAV Allgäu-Kempten). Im Bouldern gingen zusätzlich Leonie Lochner (DAV München-Oberland), Afra Hönig (DAV Landshut) und Kim Marschner (DAV Schwäbisch Gmünd) an die Griffe.

 

Auftakt für die "Sekundenzähler"

Freitag, der 12.04., stand ganz im Zeichen der Sekunden und Millisekunden: Moskau war gewiß eine würdige Auftaktveranstaltung für den diesjährigen Speed-Weltcup, denn schließlich ist Russland quasi der Geburtsort des Kletterns auf Zeit und hat dort eine lange Tradition. Anno dazumal in den Achtzigern waren selbst die deutschen Überheroen Wolfgang Güllich und Kurt Albert für den Deutschen Alpenverein in Russland am Start, um Geschwindigkeitsrekorde zu brechen. Der ganz wesentliche Unterschied zu damals: Seit 2005 gibt es eine weltweit genormte Speedwand: Immer derselbe Griff auf 15 Metern Wandhöhe in einem immer gleichen Setting an die Wand geschraubt. Das erlaubt vergleichbare Zeiten! Die Hochburgen des Speedkletterns liegen im nahen und fernen Osten – und in Frankreich.

 

Neuer deutscher Speed-Rekord für Alma Bestvater!

Dank Olympic Combined schießen nun auch bei uns die Speedwände wie Pilze aus dem Boden und lassen die Zeiten der deutschen Athleten und Athletinnen schrumpfen. Der deutsche Rekord wurde von Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main) aufgestellt und liegt bei 7,079 Sekunden. Die schnellste deutsche Damen war Alma Bestvater (DAV Weimar) in Villars im Jahr 2018 – mit 10,64 Sekunden. Bis jetzt! In Moskau verbesserte Alma ihren eigenen Rekord auf 10,431 Sekunden! Bei den deutschen Herren schnitt Rekordhalter Jan Hojer mit Platz 36 erwartungsgemäß am besten ab. 

 

Wenngleich die Top-Ten gerade bei den Herren sehr stark von Osteuropäern geprägt war, gewann letztendlich mit Bassa Mawem ein Franzose. Er bewältigte die Strecke in 5,73 Sekunden. Bei den Damen war die Chinesin YiLing Song mit 7,38 Sekunden die Schnellste.

 

Quäl Dich durch die Quali – Drei Deutsche im Halbfinale!

Sie ist gefürchtet und berüchtigt: die Qualifikation eines jeden Boulderweltcups. Eine schier unüberschaubare Anzahl von Kletterern und Klettererinnen muss durch die fünf Quali-Boulder. Und das heißt erstmal Nerven bewahren in der Isolationszone, in der Mann und Frau mitunter einige Stunden totzuschlagen hat. Und je nach Startplatz sind die Klettergriffe nach einiger Zeit auch nicht unbedingt besser in Schuss als zu Beginn, wenn noch keine 200 Kletterer vor einem mit schwitzigen Händen auf die Strukturen eingewerkt haben. Sprich: die Boulderprobleme legen tendentiell an Schwierigkeit zu. Aber Wettkampfklettern ist nun mal zuvorderst ein Mindgame, denn eine adäquate körperliche Fitness ist ohnehin für jede Starterin und jeden Starter obligatorisch. Da kann man noch so viele Einarmige ziehen können: Wenn einem vor lauter Druck die Ohren sausen, dann sind die vier Minuten Kletterzeit schneller um, als man in den Magnesiabeutel greifen kann.

 

Wohl dem, der wie die Slovenin Janja Garnbret, die Gewinnerin von Meiringen, einfach mal alle fünf Qualiboulder flasht, also im ersten Versuch klettert – besser geht es nicht! Und klarer kann man seine Dominanz nicht demonstrieren. Der Tscheche Adam Ondra hingegen, der Gewinner am letzten Wochenende in Meiringen, rutschte als 19ter gerade noch so ins Halbfinale. Jan Hojer zeigte mit vier Tops, wo der Hammer hängt und zog als Dritter in die nächste Runde. Alex Megos war als 13. ebenso solide ins Halbfinale geklettert, wie auch Afra Hönig (Sektion Landshut), die als 17. ins Halbfinale einzog – eine erstklassige Leistung! Alma Bestvater fehlten ein Top und eine Zone, um ihren Teamkameraden in der nächsten Runde Gesellschaft leisten zu können. Auch Yannick Flohé verpasste das Semifinale mit Rang 23 sehr knapp, denn er hatte leider ein paar Versuche zuviel für die drei Tops und fünf Zonen auf seinem Laufzettel.

 

Afra Hönig erneut sehr gut in Form!

Das Halbfinale entpuppte sich dann bei den Damen als deutlich zu hart: Die Japanerin Futaba Ito kam sogar ohne ein einziges Top ins Finale, ihr reichten drei Zonen. Oft genug ist das Routesetting genau auf den Punkt – das konnte man von dieser Runde leider nicht behaupten. Von den jeweils zwanzig Halbfinalistinnen müssen vierzehn ausgesiebt werden, um dann die besten sechs im Finale klettern zu lassen. Große Namen wie Petra Klingler (AUT), immerhin die Weltmeisterin von 2016, mußten sich von dem zu harten Boulderset geschlagen geben. Afra Hönig erreichte mit Platz 14 wieder ein starkes Ergebnis.

 

Bei den Herren war Adam Ondra im Halbfinale mit vier Tops der klare Sieger. Alle anderen Finalisten kletterten lediglich zwei Boulder. Alex Megos und Jan Hojer belegten die sehr guten Plätze 15 und 12.

 

Shauna Coxsey ist zurück!

Das Damenfinale versprach viel Spannung. Die Britin Shauna Coxsey, die nach langer Verletzungszeit erst wieder in Meiringen auf der Weltbühne erschien, war aus dem Halbfinale als Beste hervorgegangen. Ein klares Zeichen an ihre Konkurrentinnen, dass ihre lange Abwesenheit vom Weltcup-Zirkus nicht dazu angetan ist, sie von der Favoritenliste zu streichen. Janja Garnbret aus Slovenien hatte sich als 2. ins Finale gebouldert und ließ dort dann aber auch gar nichts mehr anbrennen: Vier geflashte Tops – von vier! Da konnte ihr auch Shauna Coxsey nicht das Wasser reichen und musste aufgrund von mehr Versuchen mit Silber Vorlieb nehmen. Dritte wurde die elegant aufkletternde Französin Fanny Gibert. Waren die Semifinal-Boulder viel zu hart, war es in der Runde der letzten Sechs wohl eines der kürzesten Finale der Weltcup-Geschichte, da die wenigsten die vollen vier Minuten benötigten, um die Boulder in Grund und Boden zu klettern.

 

Der zweite Weltcup-Sieg für Adam Ondra?

Da waren die Probleme der Herren wesentlich widerspenstiger. Viele setzten ihre Wetten auf Adam Ondra, den Sieger vom letzten Wochenende in Meiringen. Er hätte den Sieg auch wieder klarmachen können, wenn er den letzten Boulder in entsprechend wenigen Versuchen hätte klettern können. Hätte, hätte, Fahrradkette: Es heißt hopp oder top, womit der dauergrinsende Jernej Kruder aus Slovenien an dem Tag am besten zurechtkam: Er war als 6. des Halbfinales gerade noch ins Finale gerutscht, starte ergo als Erster und kletterte als Einziger den besagten Boulder, den Adam Ondra hätte schaffen müssen. Und das dazu auch noch im Flash! Alle Sport-Experten daheim am Bildschirm wähnten sich deshalb mit ihrer Vermutung auf der absolut sicheren Seite, dass "der Adam, wenn er an der Reihe ist, den Boulder gewiß auch flasht und seinen zweiten Weltcup-Sieg einheimst. Prost!" Aber nichts da, Jernej gewann vor Ondra und dem Japaner Yoshiyuki Ogata.

 

Weiter geht's in zwei Wochen in Chongqing in China. Auch hier werden wieder Medaillen für Speed und Bouldern vergeben.

 

Ergebnisse Speed Damen

  1. YiLing SONG,CHN
  2. Anouck Jaubert, FRA
  3. Iuliia, Kaplina, RUS

48. Alma Bestvater

 

Alle Ergebnisse der Damen.

 

Ergebnisse Speed Herren

  1. Bassa Mawem, FRA
  2. Vladislav Deulin, RUS
  3. Aspar, Jaelolo, INA

36. Jan Hojer
52. Yannick Flohé
84. Alex Megos
90. Philipp Martin

 

Alle Ergebnisse der Herren.

 

Ergebnisse Bouldern Herren

  1.  Jernej Kruder, SLO
  2.  Adam Ondra, CZE
  3. Yushiyuki Ogata, JPN   

12. Jan Hojer
15. Alex Megos
23. Yannick Flohé
61. Kim Marschner
65. Philipp Martin

 

Alle Ergebnisse der Herren.

 

 

Ergebnisse Bouldern Damen

  1.  Janja Garnbret, SLO
  2. Shauna Coxsey, GBR
  3. Fanny Gibert, FRA

14. Afra Hönig
39. Alma Bestvater
45. Hannah Meul
57. Leonie Lochner

 

Alle Ergebnisse der Damen.

 

 

 

 

Das deutsche Team wird ausgestattet von Edelrid.

 

Moskau: 2. Boulder- und 1. Speedweltcup

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Am kommenden Wochenende machen nicht nur die Boulderinnen und Boulderer Station in Moskau: Auch die "Sprinter des Kletterns" werden an der Speedwand zeigen, was es heißt, Vollgas zu geben. Die Meldeliste verzeichnet insbesondere beim Speed einen Anstieg der Teilnehmenden: Wer bei den Olympischen Spielen 2020 dabei sein will, muss auch im Speed bestehen. Darum findet man nun auch internationale Top-Boulderer unter den Sportlerinnen und Sportlern, die früher die Speedwand nicht einmal im Vorbeigehen angesehen haben.