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Auftakt der Deutschen Jugendcup Serie auf der Freizeitmesse Nürnberg

Anspruchsvolle Boulder und blutende Finger beim ersten DJC Bouldern bei der Freizeit Messe in Nürnberg.

03.03.2020, 09:00 Uhr

Der erste deutsche Jugendcup des Jahres 2020 ging am vergangenen Samstag auf der Freizeitmesse in Nürnberg über die Bühne.

Emilia Merz (Jugend B weiblich), Florian Schweiger (Jugend B männlich), Luise Svensson (Jugend A weiblich) und Thorben Perry Bloem (Jugend A männlich) holen sich den Tagessieg.

 

Der erste deutsche Jugendcup (DJC) des Jahres 2020 war für den DAV-Delegierten Ricardo Schumann „eine super Veranstaltung.“ Er fand im Rahmen der Freizeit-Messe in Nürnberg an der DAV-Wettkampfwand statt. „Messe ist immer geil: Ein viel größeres Publikum, viel mehr Aufmerksamkeit“, sagt Schumann. Ein Wettkampf bei einer Messe erfordere zwar von allen immer mehr Disziplin, aber die Nachwuchsathleten seien professionell mit der Situation umgegangen. Knapp 140 junge Kletterer aus ganz Deutschland hatten sich für den ersten Jugendcup im Bouldern qualifiziert.

Die deutsche Jugendmeisterschaft wird als Overall-Wettbewerb ausgetragen: Bei insgesamt sechs Cups – zwei im Bouldern, zwei im Lead und zwei im Speed – geht es in zwei Altersklassen (Jugend B und Jugend A) darum, möglichst viele Punkte zu sammeln. Alle drei Disziplinen müssen eingebracht werden, die Athletinnen und Athleten mit den meisten Punkten dürfen sich dann über den Titelgewinn freuen.

Für die Nachwuchselite ging es beim ersten DJC des Jahres schon in der Quali gleich zur Sache. Die unter Chefroutenbauer Dirk Uhlig geschraubten Probleme fragten ein breites Spektrum ab. „Es musste alles abgeliefert werden, um ins Finale der besten Zehn zu kommen“, sagt Schumann. Alle Neigungen, alle Styles waren zu finden: Koordinative, aber auch kräftige Boulder, Weiterleiter, Plattenprobleme. Old-School und New-School. „Es war sehr abwechslungsreich geschraubt“, lobt der DAV-Delegierte.

Nur die „vollkommensten Kletterer“ durften nach einer Pause im Finale um den Tagessieg kämpfen. Mit möglichst wenigen Versuchen mussten dort möglichst viele der vier anspruchsvollen Boulder getoppt werden. Mit Leistenproblemen, Dynos, Weiterleiter, einer Wackelplatte und einem physischen New-School-Boulder wurden die Jungs konfrontiert. „Auch wenn es ein Nachwuchswettkampf ist, muss man richtig was draufhaben, um sich durchzusetzen. Da ist wie bei den Erwachsenen physisch und psychisch alles gefragt. Ein deutscher Jugendcup ist kein Kindergarten mehr“, meint Schumann.

Bei den Mädels waren entweder die Boulder einen Tick zu hart geschraubt oder die Routenbauer hatten das Niveau etwas überschätzt. Zumindest gelang es keiner Finalistin bei der Jugend B, ein Problem zu toppen. Dafür gab es viele blutende Finger, die den GFK-Volumen geschuldet waren. Der New-School-Boulder an den großen Volumen mit Schulterzug sah genauso wenig ein Top wie der Old-School-Boulder, bei dem die Mädels an der blanken Wand antreten mussten. Schon vier Zonen reichten für den Tagessieg, eine Zone für Platz 2. Bei der Jugend A weiblich gelangen nur drei Starterinnen ein Top, die sich dann auch am Ende des langen und anstrengenden Wettkampftages über eine Medaille freuen konnten. Bei den Jungs sah es deutlich besser aus – zumindest hatten alle Finalboulder mindestens ein Top.

 

Weibliche Jugend B

Emilia Merz (DAV Rheinland-Köln), Dritte nach der Quali, war die einzige Finalistin, die sich in den vier Problemen die Zone und damit den Tagessieg holen konnte. Die 14-Jährige hatte schon im Vorjahr den DJC Bouldern in Bexbach gewonnen und war beim DJC Lead in Kempten Zweite geworden. Anna Maria Apel (DAV München-Oberland) erreichte im vierten Boulder im ersten Versuch die Zone und wurde damit Zweite. Die bayerische Jugendmeisterin 2020 feierte damit ihren bislang größten Erfolg. Julanda Peter (DAV Kaiserslautern) holten sich auch im vierten Boulder die Zone – allerdings im zweiten Versuch. Sie gewann Bronze. Im vergangenen Jahr stand die 14-Jährige schon einmal bei einem DJC auf dem Treppchen: In München gewann sie beim Lead Silber.

 

Männliche Jugend B

Florian Schweiger (DAV Ringsee) war der einzige Finalist seiner Altersklasse, der alle vier Finalboulder toppen konnte und sich damit verdient den Tagessieg holte. Für den 14-Jährigen ist es nicht die erste Medaille, er gewann im Vorjahr bereits den DJC Bouldern in Bexbach, wurde Zweiter beim DJC Speed in Duisburg, Dritter beim DJC Speed in Kempten und belegte im Gesamtranking den zweiten Platz. Zweiter in Nürnberg wurde Jakob Schiefer (DAV Schwaben) mit drei Tops in sieben Versuchen. Er feierte damit den bislang größten Erfolg in seiner noch jungen Karriere. Bronze gewann Finn Altemöller (DAV Rheinland-Köln) mit drei Tops in 13 Gos. Beim DJC Lead in Kempten 2019 holte sich der 14-jährige aus Frechen bereits Gold.

 

Weibliche Jugend A

Bei der weiblichen Jugend A wurde zumindest ein Boulder, der vierte, von drei Finalistinnen getoppt. Luise Svensson (DAV Hamburg und Niederelbe), die Sechste nach der Quali, brauchte dafür vier Versuche. Sie war aber die Einzige unter den drei Mädels, die in einem anderen Boulder noch den Zonengriff hielt und sich damit den Tagessieg holte. Schon im Vorjahr stand die 15-jährige Hamburgerin bei einigen DJCs auf dem Treppchen – damals allerdings noch bei der Jugend B. Beim European Youth Cup Bouldern in Sofia wurde sie Siebte. Anna Lechner (DAV München-Oberland) flashte den vierten Boulder und gewann Silber. Die 16-Jährige machte im vergangenen Jahr vor allem mit ihren guten Ergebnissen beim Speed auf sich aufmerksam: Bei der Deutschen Meisterschaft wurde sie bei den Damen Vierte, beim DJC Speed in Duisburg Dritte und bei der Bayerischen Meisterschaft Speed bei den Damen Zweite. Nuria Brockfeld (DAV Osnabrück) brauchte in Nürnberg drei Gos, um den vierten Boulder zu toppen und holte sich Bronze. Die 16-Jährige Speedexpertin hatte schon 2019 auch international eine sehr erfolgreiche Saison: Sie war die Europäische Jugendmeisterin beim Speed der Jugend B, holte sich bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Arco Silber beim Speed und stand beim European Youth Cup Speed in Imst auf dem Treppchen – dort gewann sie Bronze. Außerdem gewann sie die beiden DJCs Speed in Kempten und Duisburg und ist die Deutsche Jugendmeisterin bei der Jugend B.

 

Männliche Jugend A

Thorben Perry Bloem (DAV Braunschweig), der nach der Quali noch auf dem zweiten Platz lag, blieb im Finale cool und holte sich die vier Tops in neun Versuchen und damit den Tagessieg. Der deutsche Jugendmeister 2019 bei der Jugend B machte im vergangenen Jahr vor allem mit guten internationalen Platzierungen beim Bouldern und Speed auf sich aufmerksam. So wurde er bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Arco beim Bouldern Vierter und beim Speed Neunter. Der Erste nach der Quali, Leander Carmanns (DAV Rheinland-Köln), konnte zwar auch alle Boulder klettern, brauchte dafür aber zwei Versuche mehr als Thorben und gewann Silber. Der 15-Jährige gewann im Vorjahr den DJC Bouldern in Braunschweig und wurde in Bexbach Zweiter. Beim European Youth Cup Bouldern in Graz wurde er Dritter. Dritter in Nürnberg wurde Moritz Uhlmann (DAV München-Oberland) mit zwei Tops in fünf Versuchen. Der amtierende bayerische Jugendmeister Bouldern bei der Jugend B stand bei einem DJC schon einmal ganz oben auf dem Treppchen: Das war 2018 beim Lead in Frankenthal.

„Für uns war der erste deutsche Jugendcup in jeder Hinsicht ein Erfolg“, bilanziert Ricardo Schumann. „Er war genau das, was wir brauchen. Er war ein Gradmesser für den aktuelle Trainingsstand.“ Bei den Mädchen gebe es noch Potenzial nach oben, meint Schumann. „Da fehlt es noch an Physis, an Ausdauer und Maximalkraft.“ Um daran zu arbeiten, haben die Mädels nun sechs Wochen Zeit: Dann geht der nächste DJC Bouldern in Mannheim über die Bühne.

 

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Text: Gudrun Regelein für kletterszene.com