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Urs Stöcker – von der Quantenphysik zum Nationaltrainer

11.06.2018, 11:01 Uhr

Seit gut einem Jahr arbeitet der 42-jährige Urs Stöcker als Trainer des Nationalkaders mit den größten Klettertalenten Deutschlands. Und das, obwohl der Schweizer aus dem Kanton Graubünden ursprünglich einen ganz anderen Weg eingeschlagen hatte. 2003 schloss er nämlich sein Diplomstudium als Quantenphysiker ab. Die Leidenschaft für Sport und Klettern im Besonderen führte ihn schließlich in eine ganz andere Richtung: er ließ sich zum Trainer für Leistungssport ausbilden.


Nach mehreren Jahren als Nationaltrainer der Eilte Eis- und Sportklettern beim Schweizer Alpen-Club kam er schließlich im Frühjahr 2017 zum Deutschen Alpenverein. Seitdem begleitet er die Athletinnen und Athleten des DAV Nationalkaders auf Wettkämpfen, leitet und organisiert Trainings, und versucht dabei ein Umfeld zu schaffen, in dem die Kader-Mitglieder lernen, sich weiterentwickeln und über sich hinauswachsen können. Stöckers großes Ziel: Das Team auf Olympia 2020 vorbereiten: „Das ist ein unglaublich schönes Ziel und gleichzeitig eine sehr große Herausforderung für alle.“

 

Die wichtigste Eigenschaft eines Trainers: Neugier

Dabei ist die Arbeit nicht damit getan, die Kletterer stärker zu machen oder ihre Fähigkeiten auszubauen. „Ein Trainer muss Trends erkennen oder gar selbst mitprägen“, sagt Stöcker. „Das erfordert ein hohes Maß an Neugier und Interesse.“ Auch ein gewisses Organisationstalent sollte ein Bundestrainer mitbringen. „Das beginnt schon mit der Koordination der Anfahrt des Teams“, erklärt Stöcker. Dann muss in Absprache mit Co-Trainern und Betreuern ein Zeitplan für den Wettkampf erstellt werden, die Athleten müssen in die spezifischen Abläufe eingewiesen werden.

 

Motivieren und Evaluieren

Zu den wichtigsten Aufgaben eines Trainers gehört aber das Coaching und die Leistungsanalyse der Sportler. Um die Athleten optimal auf einen Wettkampf vorzubereiten, ist viel Einfühlungsvermögen notwendig. „Die Hauptaufgabe eines Trainers ist es, Motivation und Vertrauen auszustrahlen“, so der Bundestrainer. „Er muss stets positiv bleiben, aber trotzdem ehrlich mit den Athleten und sich selbst sein. Das bedingt eine hohe Reflexionsfähigkeit.“ Nur so kann ein Vertrauensverhältnis zwischen Sportler und Trainer entstehen. Und das ist wichtig, damit die Athleten mit der richtigen Einstellung an einen Wettkampf herantreten.

 

Leben für den Sport

Damit eine Athletin oder ein Athlet beim Wettkampf gut abschneidet, ist nicht nur Kraft oder Ausdauer von Bedeutung. „Gerade im Spitzensportbereich spielt der Kopf eine sehr große Rolle“, sagt Stöcker. Fokussiert agieren, und gleichzeitig flexibel in den Lösungen bleiben. Aktiviert sein aber nicht zu energisch. Oder einfacher gesagt: „Man muss wollen, aber nicht versuchen, Dinge mit der Brechstange zu erzwingen.“

Dass auch der Trainer mit dem Kopf voll dabei sein muss, versteht sich von selbst. Und das erfüllt Urs Stöcker definitiv, denn ihm bedeutet Klettern alles. „Wenn ich aufstehe, denke ich ans Klettern, und wenn ich ins Bett gehe auch.“ Neben dem Training versucht er auch selbst einmal die Woche klettern zu gehen – je nach Möglichkeit in der Halle oder am Fels. Dann allerdings ganz ohne einen Gedanken an die eigene Leistung zu verschwenden. „ich muss mir ja nichts beweisen“, sagt er.

 

Schnell gefragt: 6 Antworten von Urs Stöcker

  • Halle oder Fels?
    Beides toll
     
  • Sloper oder Leisten?
    Leisten
     
  • Pizza oder Salat?
    Salat
     
  • Laufen oder Couch?
    Laufen
     
  • Auto oder Rad?
    Auto
     
  • Abendgarderobe oder Kletterhose?
    Je nach Anlass

 

Ein ausführliches Portrait über Urs Stöcker und seine Leidenschaft als Kletter-Trainer sowie ehemaliger Spitzenbergsteiger lest ihr ab Mitte Juli in DAV Panorama Heft 4.

 

Friederike „Fritze“ Kops

Die Bundestrainerin in Portrait

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Neben Urs Stöcker und Maxi Klaus ist Friederike Kops eine der Bundestrainerinnen des DAV Kletterkaders. Als Lehrerin und begeisterte Sportlerin bringt sie die besten Voraussetzungen für diese Aufgabe mit sich – nämlich Empathie und die Liebe zum Sport.

Christopher „Chrissmo“ Smolkovic

Der Chef-Physio im Portrait

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Christopher Smolkovic ist einer von denen, die bei Wettkämpfen im Hintergrund mitwirken. Als Physiotherapeut betreut der 33-jährige Wahlkölner mittlerweile seit sieben Jahren den deutschen Kletter- und Bouldernationalkader. Zusammen mit einem medizinischen Team aus Ärzten und Physios reist er mit den Sportlern zu Wettkämpfen rund um die Welt, behandelt sie bei Verletzungen und sorgt für entspannte Muskeln und gesunde SportlerInnnen. Mittlerweile ist „Chrissmo“, wie er von allen genannt wird, ein fester Bestandteil des DAV-Wettkampfteams und auch für die Athleten nicht mehr wegzudenken.