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Interview mit Alma Bestvater

01.04.2019, 10:38 Uhr

Für Alma Bestvater war die vergangene Saison ihre bislang beste: Zweimal schaffte sie es bei einem Boulder-Worldcup ins Finale. Und bewies damit eindrucksvoll, dass sie die derzeit beste deutsche Boulderin ist. Derzeit steckt Alma, neben Hannah Meul eine der beiden Damen im Olympia-Fokusteam, aber viel Zeit und Energie in die beiden anderen Kletterdisziplinen Lead und Speed. Denn das große Ziel der 23-Jährigen in diesem Jahr ist, die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele in Tokio zu schaffen.

Alma, wie lange kletterst du schon und wie bist du zum Klettern gekommen?

Ich klettere seit zehn oder elf Jahren. Ich bin über meine Schule zum Klettern gekommen: Wir haben damals einen Kletterausflug in den Thüringer Wald gemacht und ich fand das voll cool. Danach bin ich in eine DAV-Klettergruppe gegangen, um weitermachen zu können.

 

Hast du eine Lieblingskletterdisziplin? Wo liegen deine Stärken?

Das ist auf jeden Fall das Bouldern. Meine Stärke sind eher die kräftigen Boulder – an Leisten fühle ich mich meisten ganz wohl.

 

Wie kamst du zum Wettkampfklettern?

Über meine damalige DAV-Jugendgruppe. Die fuhr immer zu den regionalen Wettkämpfen oder auch zu den Landesmeisterschaften. Vor zehn Jahren, also mit 12, nahm ich an meinem ersten Wettkampf teil: Das war bei der Thüringer Landesmeisterschaft, damals Jugend C. Den Wettkampf habe ich damals gleich gewonnen und dann war ich natürlich angefixt. Und außerdem hat es mir einfach Spaß gemacht, mit der Gruppe unterwegs zu sein.

 

Bist du auch am Fels unterwegs? Und hast du einen Lieblingssport und was war deine wichtigste Begehung?

Früher war ich vor allem Seilklettern, in den letzten Jahren dann eigentlich nur noch bouldern. Einen richtigen Lieblingsort habe ich aber nicht: Ich mag Fontainebleau sehr gerne, das Tessin und die Rocklands. Durch die Wettkämpfe ist meine Zeit für den Fels eben sehr begrenzt, ich habe deshalb auch noch nie etwas länger projektiert – das Längste waren zwei oder drei Tage. Wenn ich Zeit für den Fels finde, dann mag ich die nicht nur an einem einzigen Boulder verbringen, sondern möglichst viel von dem Gebiet sehen. Trotzdem sind die schönsten Begehungen dann immer die, wo man etwas investieren muss und nicht einfach hochspaziert. Aktuell fällt mir da meine Begehung von „Les Beaux Quartiers“ (fb 8a) in Fontainbleau ein. Obwohl ich nach nicht einmal einer Stunde alle Einzelzüge konnte, brauchte ich dann noch einmal zwei Tage und um die 50 Versuche, um endlich durchzukommen. So was bleibt dann natürlich mehr im Gedächtnis - vor allem wenn es erst am letzten Tag vom Trip klappt.

 

Hast oder hattest du ein Vorbild?

Gerade als ich anfing, bei den nationalen Jugendcups mitzumachen, war Jule Wurm total erfolgreich und gewann so ziemlich alles. Sie war für mich damals schon ein Vorbild.

 

 

Stichwort Olympia: Was kommt dir als Erstes in den Sinn?

Das Zusammentreffen vieler verschiedener Athleten und Sportarten: Das stelle ich mir total interessant und spannend vor.

 

Road to Tokyo: Wie trainierst du? Und wie wichtig ist der Kopf dabei?

Ich trainiere momentan ziemlich intensiv die Disziplinen, in denen ich noch nicht so viel Erfahrung habe. Beim Lead und Speed habe ich größeres Potential, mich noch zu verbessern. Gleichzeitig muss ich aber darauf achten, dass ich mein momentanes Boulderniveau behalte, denn beim Bouldern kann ich mir die meisten Punkte holen. Der Kopf ist sicher entscheidend, denn das wird eine superlange Saison - und es wird ganz sicher sehr anstrengend werden, immer die Motivation zu behalten.

 

Hast du eine Lieblingsmusik, die du auch beim Trainieren hörst? Und hast du – unabhängig vom Klettern - einen Lieblingsfilm?

Also beim Trainieren höre ich nie Musik. Bei Wettkämpfen wollte ich jetzt damit anfangen, muss mir dafür aber erst noch etwas heraussuchen. Lieblingsfilm? Habe ich, das ist „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni. Das ist eine Tragikomödie, die zum Teil in einem Konzentrationslager spielt. Ich mag diesen Film, weil er es schafft, trotz der tragischen Ereignisse Lebensfreude zu vermitteln.

 

Wie stimmst du dich auf den Wettkampf ein? Hast du ein Ritual, bevor du an die Wand gehst?

Ich habe eine ganz feste Aufwärmroutine: Ich beginne mit Yoga und Stretching, bringe den Kreislauf in Schwung, mobilisiere die Gelenke und wärme mich dann gründlich an der Wand auf. Das Ganze dauert ziemlich lange. Ein bestimmtes Ritual vor dem Start habe ich aber nicht.

 

Wie gehst du mit Niederlagen um?

Das ist ein bisschen schwierig - ich denke, das Beste ist, einfach weiterzumachen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nach einer Reihe schlechter Wettkämpfe dann der beste kommt. Deswegen: einfach weitertrainieren.

 

Deine Ziele für 2019?

Die Quali für Tokio zu schaffen.

 

Und in zehn Jahren: Halle oder Fels?

Fels – hoffentlich. Nach so vielen Wettkämpfen ist es ja dann auch mal gut.

 

Du studierst momentan. Hast du auch schon mal daran gedacht, von deinem Sport - als Profikletterin - zu leben?

Zumindest könnte ich mir das vorstellen. Aber es wäre trotzdem wichtig, daneben noch etwas zu haben. Also in den Trainingspausen beschäftigt zu sein. Das muss kein Job sein, das könnte beispielsweise auch das Lesen von Büchern sein.

 

Interview: Gudrun Regelein