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Interview mit Alexander Megos

01.04.2019, 11:19 Uhr

Es war der 24. März 2013, als der Name Alexander Megos in der Kletterwelt schlagartig bekannt wurde. An diesem Tag gelang dem damals 19-Jährigen mit „Estado Critico“ die weltweit erste Onsight-Begehung einer Route im Schwierigkeitsgrad 9a. Der Franke ist inzwischen vor allem für sehr schnelle Wiederholungen von extrem schweren Felskletterrouten bekannt. Aber Alex ist auch ein sehr erfolgreicher Wettkampfkletterer: Er gewann 2009 und 2010 den Jugend-Europameistertitel und wurde ein Jahr später Jugend-Vizeweltmeister. Nach einer mehrjährigen Pause startet er wieder bei internationalen Wettkämpfen - natürlich erfolgreich. Der erklärte Leadkletterer wurde 2017 Vizeeuropameister im Bouldern, im vergangenen Jahr gewann er seinen ersten Lead-Weltcup in Briancon. Für den DAV zählt Alexander Megos zu den Anwärtern für die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 – für Alex würde die Teilnahme ein Highlight bedeuten, sagt er.

Alex, wie lange kletterst du schon und wie bist du zum Klettern gekommen?

klettere jetzt schon seit ungefähr 20 Jahren. Mein Vater hat mich zum Klettern mitgenommen, als ich noch ein Kind war: Wir waren viel in der Fränkischen unterwegs, aber haben auch gemeinsam Mehrseillängentouren gemacht.

 

Hast du eine Lieblingskletterdisziplin? Wo liegen deine Stärken?

jeden Fall das Seilklettern. Stärken? Habe ich überhaupt Stärken (lacht)? Wahrscheinlich eine ziemlich gute Finger- und Körperkraft.

 

Wie kamst du zum Wettkampfklettern?

Das waren – glaube ich – die Erlanger Stadtmeisterschaften.2002 oder 2003 war das damals. Vor gut zehn Jahren, 2008, habe ich dann mit Deutschlandcups angefangen.

 

Du bist ja auch ziemlich oft am Fels unterwegs: Hast du einen Lieblingsspot und was war deine wichtigste Begehung?

Ab und an bin ich schon auch mal draußen klettern (lacht). Einen Lieblingsspot habe ich aber nicht, es gibt einfach zu viele gute Felsen. Die Begehung, für die ich immer noch am bekanntesten bin, war der On-Sight von „Estado Critico“ (9a) in Siurana 2013. Die hat mir unglaublich viel ermöglicht, Türen geöffnet. Emotional waren die Begehung von „Action Directe" und meine Erstbegehung „Perfecto Mundo" für mich persönlich sicher wichtiger.

 

Hast oder hattest du ein Vorbild?

Mein absolutes Vorbild ist Alma Bestvater. Die zieht locker drei Einarmige, das würde ich auch gerne schaffen.

 

Stichwort Olympia: Was kommt dir als Erstes in den Sinn?

Sushi – und Wettkampfklettern. Und der Umweltschutz, der ist mir wirklich wichtig. Ich bin Kletterer und für mich spielt die Natur eine große Rolle – und damit auch die Frage, wie sich dieser Sport mit dem größten Sportevent überhaupt vereinbaren lässt. Ich bin mir sicher, dass wir alle in Zukunft umdenken müssen und anfangen müssen, mehr auf unseren Planeten zu achten - wenn wir noch länger was von ihm haben wollen.

 

Road to Tokyo: Wie trainierst du? Und wie wichtig ist der Kopf dabei?

Na ja, ich trainiere verstärkt meine Schwächen, also versuche, dort besser zu werden: Speed und Doppel-Dynos, um im Wettkampf nicht mehr so schlecht auszuschauen wären schon mal ein Anfang. Angeblich sind die Boulder beim Worldcup ja nicht sonderlich schwer, aber es ist leicht, Fehler zu machen. Der Kopf ist schon relativ wichtig, du brauchst im richtigen Moment nicht nur physische Stärke, sondern musst auch mental stark sein, um es auf den Punkt bringen zu können.

 

Hast du eine Lieblingsmusik, die du beim Trainieren hörst?

Taylor Swift und noch mal Taylor Swift

 

Wie stimmst du dich auf den Wettkampf ein? Hast du ein Ritual, bevor du an die Wand gehst?

Ich trinke Tee, wärme mich am Fingerboard auf. Ich achte aber darauf, dass meine Finger kühl bleiben, das heißt, je heißer es ist, umso weniger wärme ich sie auf. Ein Ritual habe ich nicht. Also ich singe innerlich Taylor Swift, dann gehe ich an die Wand. Wenn ich einen Strick dabei habe, geht’s meistens gut.

 

Wie gehst du mit Niederlagen um?

Ich setzte mich in eine Ecke und weine (lacht). Nee, also je weniger man sich von einer Niederlage beeinflussen lässt, umso besser. Ich habe vor einem Wettkampf selber keine große Erwartungshaltung an mich, sage mir nicht, dass ich gewinnen muss. Bislang hat das gut funktioniert. Und wenn es mich richtig aufregt, gehe ich laufen, um mich abzureagieren. Es gibt eben Tage, da regt einen alles auf – und an anderen bleibt man dann cool. Je mehr man es allerdings schafft, cool zu bleiben, desto besser läuft es meistens - zumindest bei mir.

 

Deine Ziele für 2019?

In diesem Jahr möchte ich eine 9c klettern – und mich für die Olympischen Sommerspiele qualifizieren. Und eine Speedzeit unter zehn Sekunden schaffen.

 

Und in zehn Jahren: Halle oder Fels?

Ganz klar am Fels. Oder vielleicht ja auch im Fitnessstudio ;-).

 

Du bist Profikletterer: wie lange glaubst du, dass du noch von deinem Sport leben kannst?

Schwer klettern kann ich wahrscheinlich noch die kommenden zehn Jahre. Und danach? Werde ich vermutlich im Outdoor-Bereich arbeiten.

 

Interview: Gudrun Regelein