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Im Reich der Mitte, Teil 1: zweiter Speed- und dritter Boulderweltcup 2019

29.04.2019, 12:37 Uhr

Am vergangenen Wochenende wurden im chinesischen Chongqing die nächsten Medaillen im Speed und Bouldern vergeben. Das Deutsche Team stellte gleich zwei Rekorde auf – und ein Athlet freute sich über die beste Weltcup-Platzierung seines Lebens!

Insgesamt acht Kletterer und Klettererinnen nahm der Alpenverein mit auf seine China-Reise. An der Speedwand starteten diesmal nur Alma Bestvater (DAV Weimar) und Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main), der Rest des Olympia-Fokusteams – Alex Megos (DAV Erlangen), Yannick Flohé (DAV Aachen) und Hannah Meul (DAV Rheinland-Köln) – wollte sich auf das Bouldern konzentrieren. Zudem gingen noch Afra Hönig (DAV Landshut), Kim Marschner (DAV Schwäbisch Gmünd) und Max Kleesattel (DAV Schwäbisch Gmünd) im Bouldern an die Griffe.

 

Deutsches Team bricht zwei Rekorde

Das Speed-Training der Deutschen Mannschaft zahlte sich erneut aus! Nachdem Alma Bestvater bereits in Moskau den deutschen Rekord nach unten korrigiert hatte, brach sie in Chongqing erneut ihre Bestleistung: Mit 9.955 Sekunden ist sie die erste Deutsche Frau, die unter 10 Sekunden die genormte Speedwand emporfliegt! Am Ende landete sie auf Platz 34. Den zweiten Rekord brach Jan Hojer. Auch er hielt bisher die deutsche Bestleistung im Speed, nun konnte er sie erneut verbessern: Mit 6.763 knackte er die magische Grenze von sieben Sekunden und belegte damit den 27. Platz.

 

Platz 27 und 34 stellen für sich genommen noch keine große Leistung dar. Im Kontext der Olympia-Qualifikation werden sie aber durchaus relevant: Beim Qualifizierungsevent im französischen Toulouse bilden die beiden besten Ergebnisse eines Athleten in jeder Disziplin die Grundlage für die Einladung zum Event. Während in den Disziplinen Lead und Bouldern klar die westlichen Nationen dominieren und hier auch die meisten künftigen Olympioniken zu erwarten sind, straucheln viele potenzielle Olympia-Kandidaten in der Hochgeschwindigkeitsdisziplin. Sie haben sich auf Lead und Bouldern spezialisiert, hier sind sie Weltklasse, hier sind sie auch in den Weltcups auf dem Podium oder ganz nahe dran. Im Speed hingegen belegen die Spezialisten aus Russland, Iran oder Indonesien die fordersten Plätzen. Kletterstars aus Lead oder Bouldern findet man dort nur sehr selten. So auch in Chongqing: Vor Jan Hojer liegen nur zwei weitere Generalisten mit echter Olympia-Perspektive: Kokoro Fujii (JPN), auf Platz 24 und Manuel Cornu (FRA) als 26. Für die Olympia-Qualifikation geht es also nicht unbedingt um einen Spitzenplatz, sondern darum, vor den Mitbewerbern um ein Olympia-Ticket zu sein. Und das ist sowohl Alma Bestvater als auch Jan Hojer gelungen.

 

Die Finalplatzierungen des Speed-Rennens machten Russland, China, Iran und Indonesien weitgehend unter sich aus. Mit Alfian Muhammad gewann ein Indonesier, der Weltrekordhalter Reza Alipourshena (IRI) landete auf Platz 5. Bei den Damen war es erneut die Chinesin YiLing Song, die am Ende auf dem obersten Podiumsplatz lag – und mit 7.101 Sekunden auch einen neuen Weltrekord aufstellte.

 

Qualifikation – Zwei Deutsche im Halbfinale!

Erneut war es eine harte Herren-Qualfikation, in der nicht gepatzt werden durfte: In Gruppe A benötigten die 10 Athleten, die in die nächste Runde einziehen wollten, mindestens vier Tops und eine Zone, wobei am Ende die Top-Versuche den Ausschlag gaben. Jan Hojer konnte alle Boulder klettern und zog auf Platz vier in das Halbfinale ein. Ähnlich lief es in Gruppe B, wobei hier noch mehr Boulder geflasht (beim ersten Mal geklettert) wurden. Bis einschließlich Platz vier brauchte man alle Tops und immerhin vier Flashs. Yannick Flohé, der die Speedwand diesmal ausließ, um sich ganz auf das Bouldern zu konzentrieren, konnte bis Platz 7 klettern. Auch ihn sah das Publikum im Halbfinale bouldern. Pech hatte Alex Megos, er verpasste das Halbfinale um nur zwei Plätze.

 

Bei den Damen der Gruppe A entschied sich alles an vier Bouldern – das fünfte Problem konnte keine der Teilnehmerinnen lösen. Afra Hönig landete in dieser Gruppe auf Platz 17 und verpasste so leider die nächste Runde. In Gruppe B hatte Alma Bestvater ähnlich Pech wie Alex Megos: Nach einem Traumstart mit drei gekletterten Bouldern konnte sie die letzten beiden nicht mehr toppen und erreichte auch nicht die Zonenwertung. Schade, mit nur einer Zonenwertung mehr wäre sie in das Halbfinale eingezogen.

 

 

Halbfinale - Yannick Flohé auf dem Weg zu neuer Bestform

Die Runde der Besten 20 tat sich mit den vier Boulderproblemen extrem schwer: Um eine Runde weiter zu kommen reichte bereits ein Top und zwei Zonen. Boulder Nummer zwei sah überhaupt keine Begehungen, was sehr ungewöhnlich ist. Einmal mehr zeigt sich, wie schwer es bei der aktuellen Leistungsdichte für die Routenschrauber ist, die enge Linie zwischen "zu hart" und "zu leicht" zu finden.

 

Bei den Deutschen Herren war es am Ende Yannick Flohé, der sich besonders freute: Der erst 19-Jährige konnte mit Platz 10 das beste Ergebnis seiner bisherigen Weltcup-Karriere verbuchen. Jan Hojer landete auf Platz 12. Das Finale mussten sich aber beide leider von der Tribühne aus ansehen.

 

Herrenfinale: Alte und neue Gesichter

Die Abwesenheit des neuen Bouldersterns Adam Ondra (CZE) und Patzer von Jernej Kruder (SLO) in der Qualifikation eröffnete anderen Kletterern neue Chancen. Und so sahen sich am Ende die Stars aus Japan Fujii Kokoro und Tomoa Narasaki sowie der Russe Aleksey Rubtsov mit weiteren Finalisten konfrontiert, die man nicht in jeder Endrunde trifft: Sascha Lehmann (SUI) und Anze Pehark (SLO), zum Beispiel.

 

Am Ende lachte weder ein Rookie noch ein Boulder-Superstar vom obersten Podestplatz: Manuel Cornu war der glückliche Gewinner von Chongqing, mit seiner ersten Goldmedaille bei einem Weltcup!
 

 

Damenfinale: Janja Garbret ist nicht zu schlagen

Auch beim dritten Boulderweltcup der Saison ließ Janja Garnbret (SLO) nichts anbrennen: Sie kletterte in allen Runden an der Spitze und holte sich am Ende auch verdient die nächste Goldmedaille. Zweite wurde die Japanerin Akyio Noguchi, die im vorherigen Wettbewerb in Moskau nicht an den Start ging. Auch Jessica Pilz (AUT) schaffte diesmal den Sprung auf einen Podiumsplatz und wurde Dritte.

 

Schauna Coxsey (GBR), die in den letzten beiden Boulderweltcups bereits auf Podiumsplätzen stand, ließ die Station in Chongqing aus und bereitete sich auf die künftigen Wettbewerbe vor. Diese Form des Taktierens werden wir im Hinblick auf die Olympia-Qualfikation verstärkt sehen: Wer in einer Disziplin genug vordere Plätze gesammelt hat, tut gut daran, sich verstärkt auf andere, schwächere Disziplinen vorzubereiten. Für Shauna ist das auf jeden Fall Speed, aber auch Lead.

 

Ausblick: China, Teil 2

Der Wettkampf-Zirkus bleibt nur erstmal in China, bereits am nächsten Wochenende trifft sich die Speed- und Boulder-Weltauswahl in Wujiang wieder.

 

Ergebnisse Speed Damen

  1. YiLing Song, CHN
  2. Aleksandra Rudzinska, POL
  3. Iuliia, Kaplina, RUS

34. Alma Bestvater

 

Alle Ergebnisse der Damen.

 

Ergebnisse Speed Herren

  1. Alfian Muhammad, INA
  2. Kostiantyn Pavlenko, UKR
  3. Sergey Rukin, RUS

27. Jan Hojer

 

Alle Ergebnisse der Herren.

 

Ergebnisse Bouldern Herren

  1. Manuel Cornu, FRA
  2. Tomoa Narasaki, JPN
  3. Anze Peharc, SLO   

10. Yannick Flohé
12. Jan Hojer
23. Alex Megos
35. Max Kleesattel
61. Kim Marschner
 

Alle Ergebnisse der Herren.

 

 

Ergebnisse Bouldern Damen

  1. Janja Garnbret, SLO
  2. Akiyo Noguchi, JPN
  3. Jessica Pilz, AUT

25. Alma Bestvater
33. Afra Hönig
51. Hannah Meul

 

Alle Ergebnisse der Damen.

 

 

 

 

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Offizieller Ausrüster der Deutschen Nationalmannschaft Klettern ist unser Partner EDELRID, der die Kader seit 2019 mit einer eigens mit den Athletinnen und Athleten gestalteten Wettkampfbekleidung ausstattet.

 

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