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Hannah Meul

14.09.2018, 10:21 Uhr

Im Oktober startet Hannah Meul als einzige deutsche Athletin bei den Youth Olympic Games in Buenos Aires erstmals unter den olympischen Ringen. Eine besondere Erfahrung für die 17-jährige Schülerin aus Frechen, deren Reise nach Argentinien mit ihrer Qualifikation bei der Jugend-WM in Innsbruck 2017 begonnen hat. Seitdem bereitet sie sich konsequent auf ihr persönliches Highlight im Wettkampfkalender 2018 vor.


Qualifikationstag beim Boulder-Weltcup im Münchner Olympiastadion: Hannah ist erst am Tag zuvor von der Jugend-WM in Moskau direkt nach München geflogen. Die lange Reise und die Wettkämpfe in den drei Disziplinen Bouldern, Lead und Speed stecken ihr noch in den Knochen. In der Isolation wärmt sie sich auf, zunächst wie immer mit einer halbstündigen Yoga-Einheit. Sie konzentriert sich bewusst auf die Atmung und hört in ihren Körper. Erst danach startet sie mit dem richtigen Aufwärmen an der Wand. Eigentlich fühlt sie sich gut, auch in den schwierigeren Aufwärm-Bouldern. Doch kurz vor dem Start macht sich Nervosität breit: „Ich habe mir plötzlich nicht mehr so viel zugetraut und konnte dann in den Quali-Bouldern leider nicht mehr zeigen, was ich kann.“, berichtet sie danach. „Ich war einfach zu aufgeregt und noch erschöpft von der Jugend-WM.“

Nach dem Wettkampf-Marathon aus Jugend-WM und Boulder-Weltcup gönnt sie ihrem Körper eine kleine Pause: Eine Woche Urlaub mit ihrer Familie in der Toskana. Eine Woche Abschalten vom Wettkampfzirkus, mit ein bisschen Yoga und einfach mal Nichtstun – gar nicht so leicht für Hannah: „Im Moment bin ich im Kopf voll dabei und kann mir gar nicht vorstellen, eine Woche nicht zu klettern.“

 

Fit für die Youth Olympic Games

Doch sie will fit sein für das noch anstehende Saison-Highlight: Für die Youth Olympic Games im Oktober, wo im Combined Format alle drei Disziplinen gefragt sind.

Und auch, wenn sie in diesem Jahr noch auf keinem Wettkampf im neuen Format gestartet ist, fühlt sie sich gut vorbereitet und ist sehr zufrieden mit ihrer bisherigen Saison: Beim Boulder-Weltcup in Vail (USA) kletterte sie ins Halbfinale und wurde 10. Bei den European Youth Cups holte sie bei der Jugend A jeweils eine Silbermedaille im Lead in Uster (SUI) und im Bouldern in Soure (POR) sowie einmal Bronze im Bouldern in Sofia (BUL). Vor allem Vail war für Hannah ein Saison-Höhepunkt: „Da war ich wirklich voll bei mir und habe mich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lassen, obwohl ich wusste, dass ich den letzten Boulder toppen muss, um ins Halbfinale zu kommen.“

 


Foto: DAV/Klaus Listl

 

Den Kopf im Griff

Der Kopf kommt Hannah manchmal in die Quere, auch wenn sie die Nervosität heute schon besser im Griff hat als in den Jahren zuvor. Doch es gibt immer wieder Tage, wo es vor lauter Adrenalin schwierig ist, den Fokus zu behalten – so wie in München. Danach hilft es dann nur, nach vorne zu schauen: „Nach einem Tief versuche ich, nicht an die schlechten Wettkämpfe, sondern an die guten zu denken. Sonst bringt mich das nicht weiter.“ Und wenn der Kalender mal zu voll wird, lässt sie auch einzelne Wettkämpfe bewusst aus, um wieder an Konzentration zu gewinnen. Denn das Reisen ist zwar schön, strengt aber auch an: „Nach Vail sind wir insgesamt rund 35 Stunden geflogen, weil wir jeden Flug verpasst haben. Ich hatte eine Woche lang Jetlag, musste danach wieder in die Schule und die DM Bouldern stand auch auf dem Plan. Da fällt es dann schon schwer, 100 Prozent zu geben.“

 

„Ich könnte mir kein besseres Team vorstellen“

Doch trotz der Reisestrapazen ist sie unheimlich gerne mit dem Nationalkader unterwegs: „Wir sind wie eine Familie und ich könnte mir kein besseres Team vorstellen. Neben dem Klettern haben wir sehr viel Spaß miteinander. Wenn es da untereinander noch Konkurrenz gäbe, dann wäre das sehr anstrengend.“ Und so gut wie der Teamzusammenhalt ist auch die Zusammenarbeit mit ihrer Schule: Nächstes Jahr im Mai wird sie am Erzbischöflichen Berufskolleg Köln ihr Fachabitur im Sozial- und Gesundheitswesen machen, um danach vielleicht eine Ausbildung zur Erzieherin zu starten. Für die Wettkämpfe wird sie freigestellt, und wenn sie Klausuren verpasst, dann kann sie dafür auch Hausarbeiten schreiben – natürlich immer vorausgesetzt, die schulischen Ergebnisse stimmen. Und das tun sie bislang.

 

Die letzten Energiereserven mobilisieren

Und wie sieht es aus mit Hannahs Zielen für Buenos Aires? „Konkrete Ziele wie Platzierungen setze ich mir eigentlich nie, sonst mache ich mir zu viel Druck.“ Und der ist angesichts des international stark angestiegenen Niveaus ohnehin schon sehr hoch. „Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben. Bei so einem Event mobilisiert man die letzten Energiereserven. Und wenn ich dann im Lead falle, wenn ich völlig gepumpt bin, beim Bouldern bis zur letzten Sekunde Vollgas geben kann und auch im Speed keinen Fehler mache, dann bin ich absolut zufrieden – egal, wie weit vorne ich lande.“

 

Hannah Luisa Meul

Alter: 17 Jahre
Wohnort: Frechen
Ausbildung: Schülerin

Erfolge Wettkampf 2017:
2. Platz bei der Jugend-EM im Combined in Saint-Etienne
1. Platz bei der DM Lead in Hilden
1. Platz beim EYC Bouldern in Sofia
5. Platz bei der WM Jugend A Bouldern in Innsbruck
12. Platz beim Boulder-Weltcup in Meiringen
Deutsche Jugendmeisterin Jugend A

 

Erfolge Wettkampf 2018:
3. Platz beim EYC Bouldern in Sofia
2. Platz beim EYC Lead in Uster
2. Platz beim EYC Bouldern in Soure
10. Platz beim Boulder-Weltcup in Vail

 

EDELRID ist offizieller Ausstatter der Deutschen Nationalmannschaft Klettern und damit auch von Hannah Meul. Sie klettert bei den Youth Olympic Games 2018 in Buenos Aires in der neuen Bekleidung, die ab 2019 der gesamte Kader erhält. Die neue Bekleidungskollektion wurde von den Athletinnen und Athleten, EDELRID und dem DAV gemeinsam designt und produziert.

 

Hannah Meul: Auf dem Weg nach Tokyo

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(Auszug aus dem Beitrag "Auf dem Weg nach Tokyo" in Panorama 4/2018)   Sie darf bereits in diesem Jahr olympische Luft schnuppern, denn sie löste bei der Jugend-WM in Innsbruck 2017 eines der begehrten Tickets für die Youth Olympic Games in Buenos Aires: Hannah Meul vom DAV Rheinland-Köln. Im Oktober 2018 wird sie in Argentinien als einzige Deutsche erstmals unter den fünf Ringen im Olympic-Combined-Format an den Start gehen. Für die 17-jährige Schülerin aus Frechen eine außergewöhnliche Erfahrung und ein Ziel, auf das sie hintrainiert: Auf fünf Einheiten mit 12 bis 15 Stunden pro Woche beläuft sich Hannahs Pensum – plus eine zusätzliche Kraft- und Athletik- Einheit am Kölner Olympiastützpunkt, wo sie als Mitglied des Perspektivkaders sämtliche Betreuungsangebote nutzen kann.