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Fell und Firnenburg holen DM-Titel im Lead

10.11.2018, 23:02 Uhr

Eine volle Halle mit lautem Publikum und motivierte Athletinnen und Athleten trafen bei der diesjährigen Deutschen Meisterschaft im Lead in Darmstadt aufeinander. Heraus kam ein hervorragender Wettbewerb, bei dem am Ende zwei Favoriten auf dem obersten Podium standen: Frederike Fell und David Firnenburg!

 

 

Deutschlands Beste vor vollem Haus

Die Deutsche Meisterschaft im Lead stand schon weit vor Beginn unter einem guten Stern: Das DAV-Kletterzentrum Darmstadt war bereits im Vorverkauf restlos ausverkauft! Die Athletinnen und Athleten erwartete ein volles Haus und ein besonders engagiertes Publikum!

 

Auch den Zuschauerinnen und Zuschauern in der Halle und vor den Bildschirmen wurde einiges geboten: Viele Top-Athleten gingen in Darmstadt an den Start. „Ich bin sehr erfreut über das Line-Up, also dass so viele starke Athletinnen und Athleten nach Darmstadt gekommen sind“, hatte Bundestrainer Urs Stöcker am Anfang gesagt. Titelverteidiger Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main), Yannick Flohé (DAV Aachen), Sebastian Halenke (DAV Schwäbisch Gmünd) und David Firnenburg (DAV Rheinland-Köln) gingen als Favoriten an den Start. Bei den Damen gingen gleich zwei Deutsche Meisterinnen ins Rennen um den nächsten Titel: Alma Bestvater (DAV Weimar) und Frederike Fell (DAV Freising). Ihre schärfsten Mitbewerberinnen, Hannah Meul (DAV Rheinland-Köln) und Johanna Holfeld (DAV Sächsischer Bergsteigerbund), fehlten allerdings. Ihre Plätze nahmen zwei extrem starke Lokalmatadorinnen ein: Käthe Atkins und Florence Grünewald (beide DAV Frankfurt/Main).

 

Qualifikation: kreative Bouldermoves bei Damen und Herren

Die Routensetzer Luke Brady (CRB), Christian Bindhammer, Nikola Petrov und Joseph Wetzel schraubten schon in der Quali vier spannende Routen durch steile Passagen und fragten kreative Bewegungen um Kanten und über Verschneidungen ab.

 

In der ersten Qualitour mussten die Damen eine wenig überhängende, dafür extrem kreative Route entlang einer Verschneidung meistern. Die Crux lag in der Mitte: Über einen sehr griff- und trittarmen Teil ging es per Dynamo auf die andere Verschneidungsseite. Hier und in dem darauf folgenden Volumenteil scheiterten viele Athletinnen. Lokalmatadorin Käthe Atkins (DAV Frankfurt/Main) sowie Amelie Kühne (DAV Heilbronn) setzten sich mit 31+ Zügen zunächst an die Spitze. Sie wurden nur noch von Emma Lorenz (DAV Rheinland-Köln) mit 33 Zügen überholt.

 

Route zwei bestand aus vielen großen und flachen Griffen und führte mitten durch eine steile Wand. Frederike Fell (DAV Freising) und Solveig Korherr (TUS Steislingen) blieben hier als einzige fehlerfrei: Gerade der obere Teil der ausdauernden Route forderte die Unterarme sehr stark. Käthe Atkins und Amelie Kühne erreichten beide Zug 36+ und zogen so auf Platz 1 und 2 ins Halbfinale ein. Dahinter folgten Frederike Fell und Solveig Koherr.

 

Auch die Herren hatten zu kämpfen: Quali-Route eins führte zunächst an einer überhängenden Kante entlang, später mussten die Athleten über eine zweite Kante in die flachere Ausstiegspassage wechseln. Max Kleesattel (DAV Schwäbisch Gmünd), Martin Tekles (DAV Achental), David Firnenburg, Sebastian Halenke, Yannick Flohé, Lars Hoffmann und Philipp Martin (DAV Allgäu-Kempten) kletterten hier bis zum Top.


Die Crux der zweiten Quali-Route lag im oberen Teil: Zangengriffe forderten in der ca. 45 Grad überhängenden Wand die Arme. Danach folgte eine technische Platte, in der ebenfalls viele Teilnehmer aus der Route fielen. David Firnenburg, Sebastian Halenke und Philipp Martin erreichten den obersten Griff. Am Ende konnten immerhin drei Athleten beide Routen toppen.

 

Halbfinale: Steile Routen und große Volumes

Im Halbfinale legten die Routenbauer ihre Linien durch den steilsten Abschnitt der Wettkampfwand: Auf rund 17 Metern Höhe hängt sie bis zu 11 Meter über! Zum Treten und Greifen gab es viele Volumes, die aber meist nur mit der offenen Hand genommen werden konnten.

 

Die zwei Schlüsselstellen der Damenroute warteten im oberen Wandteil. Um den 30. Griff waren sehr viele sloprige Volumes in die Wand geschraubt. Zuvor kostete ein etwa 35 Grad steiles Dach Kraft. Wer Zug 30 überstanden hatte, bekam es mit einer mehr als 30 Grad überhängenden Wand zu tun, die die Unterarme dick werden ließ. Frederike Fell und Florence Grünewald (DAV Frankfurt/Main) kamen mit der Route am besten zurecht und schafften auch noch den 47. Zug. Solveig Koherr zeigte als Drittplatzierte eine super Leistung.

 

Ebenfalls steil ging es bei den Herren zu: Auch hier gingen Schwerkraft, kleine Griffe, und Volumes auf die Unterarme. Das große Feld fiel um den Zug 27, der einen weiten Move auf einen schlechten Sloper forderte. Die Taktik von Jan Hojer schien zunächst aufzugehen: Er kletterte in der Quali nie bis zum Top und sparte damit Krafts fürs Halbfinale. Dort erreichte er mit 36+ das beste Ergebnis der ersten zehn Kletterer – fünf Züge vor dem bis dato Zweitplatzierten Stephan Vogt (DAV Berlin). Acht der nächsten Zehn kletterten allerdings weiter als Hojer. Und so landete der Titelverteidiger am Ende auf dem 9. Platz – einen Platz hinter der Fahrkarte ins Finale. So richtig schlecht lief es für Sebastian Halenke: Zwar kletterte eine extrem souveräne Qualifikation und hätte beste Chancen für das Finale gehabt. Leider ließ er im Halbfinale das Clippen der ersten Exe aus und wurde disqualifiziert. Ganz anders David Firnenburg: Er machte es Martin Philipp nach und kletterte bis zum Top!

 

Finale: lange Ausdauerrouten!

Das Finale der besten acht Herren bestritten (in der Reihenfolge ihrer Platzierungen): David Firnenburg, Philipp Martin, Yannick Flohé, Jonas Brandenburger (DAV Wuppertal), Lars Hofmann (AlpinClub Hannover), Markus Jung (DAV Siegerland), Martin Tekles (DAV Achental) und Ruben Firnenburg (DAV Rheinland-Köln).

 

Einmal mehr mussten die Herren durch eine sehr lange Route, die ständig überhing. Hier wechselten sich große Volumen und schlechte halbmondförmige Griffe ab. Die Crux kam rund um Zug 34: Nachdem die Arme schon einige Vorbelastung aushalten mussten, ging es durch eine stark überhängende Passage mit vielen kleinen Griffen, die auch noch weit auseinander lagen. Nach der Halbzeit lag Martin Tekles vorne, er konnte bis dahin als Einziger bis zum Ende dieser Passage klettern und rutschte erst bei einem Toehook ab, an dem er spektakulär kopfüber nach unten hing. Als Sechster stieg Yannick Flohé in die Route ein und kletterte auch souverän den ersten Teil. Dann rutschten dem 19-Jährigen Hoffnungsträger für Olympia gleich zwei Mal hintereinander die Füße weg. Schließlich fiel er nur ein paar Züge weiter ins Seil. Er landete einen Platz hinter Martin Tekles. Als vorletzter Kandidat dann Philipp Martin: Er hatte seine Top-Form bereits in der Quali und im Halbfinale gezeigt. Ähnlich wie Martin Tekles hing auch er zeitweise kopfüber an dem Volumen, konnte den Move aber tatsächlich auflösen und schaffte 2+ Züge mehr. Schließlich ging David Firnenburg als letzter Starter in die Wand, löste die Toehook-Passage von Tekles und Martin kurzerhand ohne Toehook und schaffte noch zwei Züge mehr. Damit wurde er nach 2014 bereits zum zweiten Mal Deutscher Meister! „Ich hatte Spaß, hab keine Fehler gemacht und das beste herausgeholt“, sagte David Firnenburg nach dem Wettkampf.

  1. David Firnenburg
  2. Philipp Martin
  3. Martin Tekles
     
 

Bei den Damen qualifizierten sich (in der Reihenfolge ihrer Platzierungen): Frederike Fell, Florence Grünewald, Solveig Koherr, Käthe Atkins, Catrin Gorzellik (DAV Reutlingen), Alma Bestvater, Christina Kautzner (DAV München-Oberland) und Lina Himpel (DAV Stuttgart).

Ein weiter Doppeldynamo in der Mitte bildete den Auftakt der Schwierigkeiten der Tour. An ihm scheiterten Catrin Gorzellik und Lena Himpel. Am weitesten in der ersten Hälfte des Teilnehmerinnen-Feldes kam Alma Bestvater: Sie kletterte bis Zug 42 – eine hervorragende Leistung für die Boulder-Spezialistin. „Ich bin voll zufrieden“, sagte die 22-Jährige im Anschluss. Dann kam Lokalmatadorin Käthe Atkins: Die 17-Jährige ist in der Form ihres Lebens. Souverän sprang sie den Doppeldynamo und überholte Alma Bestvater um einen halben Zug. Doch auch ihre Bestmarke währte nicht lange: Solveig Korherr kletterte als erste Athletin ganz nach oben – allerdings benötigte sie zu lange: Bei sechs Minuten in der Route ist Schluss. Exakt nach Ablauf der Zeit erreichte sie zwar den Top-Griff, klippte die Umlenkung allerdings zu spät! Gezählt wurden daher „nur“ 49 Züge.Trotzdem: eine extrem starke Leistung. Nun mussten die beiden verbliebenen Athletinnen, Florence Grünewald und Frederike Fell, ebenfalls das Ziel erreichen. Ein echter Krimi, um sich den obersten Podiumsplatz zu sichern! Doch Florence scheiterte bereits früh und unglücklich am Doppeldynamo. Als letzte stieg Frederike Fell ein. Den Dynamo sprang sie souverän und kletterte locker und kontrolliert weiter – bis sie schließlich den Top-Griff in den Händen hielt und die Umlenkung einhängte – innerhalb der vorgegebenen sechs Minuten! „Die Tour war mega cool und das Publikum hat mich ordentlich gepusht“, sagte die Freisingerin. Sie beendet diese Saison als Deutsche Lead-, Speed, und Olympic Combined-Meisterin.

  1. Frederike Fell
  2. Solveig Koherr
  3. Käthe Atkins

 

 

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