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DM Bouldern: Lucia Dörffel und Max Prinz gewinnen die Hitzeschlacht von Dortmund

29.06.2019, 15:00 Uhr

Es war ein schweißtreibendes Wochenende für alle Beteiligten. Bei 35 Grad holten Lucia Dörffel vom DAV Sächsischer Bergsteigerbund und Max Prinz vom DAV AlpinClub Hannover in Dortmund die Titel in der Deutschen Meisterschaft im Bouldern. Lange sah es so aus, als ob die Vorjahressieger ihre Titel souverän verteidigen könnten. Aber dann kam es doch anders, und das Publikum sah einen faszinierenden Wettkampf mit überraschenden Wendungen bis zum letzten Boulder.

Die Replays gibt es hier. Die Ergebnisse im Detail gibt es unter www.digitalrock.de. Eine Fotogalerie vom Event gibt es hier.

 

Ein Finale wie aus dem Bilderbuch

In den Vorrunden lief es für Alma Bestvater (DAV Weimar) und Yannick Flohé (DAV Aachen) ganz nach Plan: Souverän standen beide Titelverteidiger auf Platz eins und gingen deshalb als letzte Starter ins Finale. Gleich am ersten Boulder, einem komplexen senkrechten Bewegungsproblem, hob Flohé allerdings nicht so richtig ab und holte folgerichtig auch keine Wertung. Im Gegensatz zu Max Prinz, der einen überzeugenden Flash ablieferte und sich damit sofort an die Spitze des Feldes setzte. Alma Bestvater kam zunächst besser ins Rennen. Im dritten Versuch zog sie den mit mehreren Knieklemmern für rechts zu kletternden Überhang und landete zwischenzeitlich auf Rang zwei hinter Hannah Pongratz vom AlpinClub Hannover. 

 

Unglaublich dann, was die Routensetzer um Christian Bindhammer und Jonas Baumann den Athleten und dem Publikum in den zweiten Finalbouldern darboten: Auf die Damen wartete ein Gleichgewichtsproblem der Extraklasse, das nur Lucia Dörffel zu lösen vermochte, dafür allerdings auf Anhieb, was ihr die Führung einbrachte. Alma Bestvater kam immerhin bis zu einem gewagten Sprung zum Topgriff, den sie um Haaresbreite verpasste. Wäre ihr dieser Dynamo gelungen, die DM wäre womöglich anders ausgegangen. Die Herren mussten sich mit einem überhängenden Bauch auseinandersetzen, der zunächst für alle recht gut lief. Knackpunkt des Boulders war es denn auch, den Topgriff von der Seite anzuklettern und dabei vom bereits erwähnten Bauch nicht abgeschüttelt zu werden. Hier waren mehrere Lösungen möglich, und die wurden zur Freude des Publikums denn auch alle vorgeführt. Max Prinz kam einmal mehr gleich auf Anhieb durch und stabilisierte seine Führungsposition. In solchen Fällen sagt man wohl: Er hatte einen Lauf.

 

Der Lauf ging weiter. Obwohl erneut ein komplexes Bewegungsproblem wartete, diesmal im stark überhängenden Gelände, ließ sich Max Prinz nicht aufhalten. Wie beflügelt erkannte er sofort die richtige Lösung und flashte auch den dritten von drei Bouldern. Damit war klar: Der Titel ist dem Hannoveraner nicht mehr zu nehmen. Im letzten Boulder würde es nur mehr um die Vergabe der Plätze zwei und drei gehen. Anders bei den Damen: Ihren dritten Finalboulder, einen kräftigen, aber recht offensichtlich zu kletternden Überhang, flashten fast alle. Vor dem letzten Boulder hatten Lucia Dörffel, Hannah Pongratz, Alma Bestvater und Afra Hönig (DAV Landshut) noch Chancen auf den Titel.

 

Den besten Ausgangspunkt hatte Lucia Dörffel: Sollte sie nicht mehr als zwei Versuche brauchen, wäre ihr der Sieg nicht mehr zu nehmen. Sie machte es spannend: Im ersten Versuch fiel sie ab. Im zweiten Versuch nahm sie dann aber alle Kraft zusammen und erreichte unter dem Jubel der rund 400 Zuschauer den Topgriff. Die Plätze zwei und drei erkletterten sich Afra Hönig und Hannah Pongratz. Und dann kam ganz am Schluss Alma Bestvater: Mit einem Flash würde sie Afra Hönig noch vom zweiten Platz verdrängen können, und der war bei ihrer bisherigen Performance locker drin. Allerdings patzte sie beim ersten Versuch und kam erst im zweiten Anlauf zum Top. Dass ihr dieser kleine Fehler das gesamte Podium kostete und sie sich mit Platz vier begnügen musste zeigt, wie hoch die Leistungsdichte bei den Damen derzeit ist.

 

Für Max Prinz ging es im letzten Boulder um nichts mehr. Eigentlich. Er ließ es sich trotzdem nicht nehmen, auch den vierten Boulder auf Anhieb zu klettern und damit die bestmögliche Finalwertung zu erreichen: vier Tops in vier Versuchen. Seine Konkurrenten mussten jedoch noch die verbleibenden Podiumsplätze unter sich ausmachen. Im Rennen: Max Kleesattel vom DAV Schwäbisch Gmünd, Martin Philipp vom DAV Allgäu Kempten und Yannick Flohé, der zu diesem Zeitpunkt auf Rang vier lag. Kleesattel holte den Topgriff im zweiten Versuch und enteilte damit uneinholbar auf Podiumsplatz zwei, Kleesattel hingegen patzte und erreichte nur die Zonenwertung. Für Flohé war deshalb der Weg frei in Richtung Bronze - sofern er den Boulder schaffen würde. Und dann zeigte der Vorjahressieger all seine Klasse und flashte das Ding. 

 

Das Damen-Podium

  1. Lucia Dörffel (DAV Sächsischer Bergsteigerbund)
  2. Afra Hönig (DAV Landshut)
  3. Hannah Pongratz (DAV AlpinClub Hannover)

Das Herren-Podium

  1. Max Prinz (DAV AlpinClub Hannover)
  2. Philipp Martin (DAV Allgäu-Kempten)
  3. Yannick Flohé (DAV Aachen)

 

 

Hexenkessel einmal anders

Angesichts der beeindruckenden und spannenden Performance der Athletinnen und Athleten war es kein Wunder: Die Stimmung in der Boulderwelt Dortmund hätte besser nicht sein können. Und das, obwohl alle Anwesenden mit der Hitze zu kämpfen hatten. 35 Grad hatte es locker, als das Finale über die Bühne ging. Nicht viel kühler war es beim Halbfinale am Sonntagvormittag und bei den Qualifikationsrunden am Samstag. Einen erheblichen Anteil daran, dass das Dortmunder Publikum Spitzensport vom Feinsten geboten bekam, hatten die Routenschrauber. Trotz erschwerter Bedingungen - siehe Temperaturen - gelang es ihnen, spektakuläre, überraschende und intelligente Boulderprobleme an die Wand zu zaubern. Ob flach oder steil, ob dynamisch oder filigran, ob an winzigen Strukturen oder großen Volumes - stets wurden Klettertechniken und Kletterfähigkeiten modernsten Zuschnitts abgefragt. Das Publikum, das darf man getrost sagen, bekam Boulderkunst auf der Höhe der Zeit geboten. Ganz nebenbei lief die Organisation, die ein Event von der Größe einer Deutschen Meisterschaft erfordert, reibungslos ab. Das ist nicht zuletzt dem Team der Boulderwelt, dem Helferteam des DAV Dortmund, dem erfahrenen Schiedsrichterteam rund um Chefschiedsrichter Ferdinand Triller und den vielen weiteren Helfern und Partnern zu verdanken.

 

Halbfinale: Die Favoriten halten den Erwartungen stand

19 Damen und 20 Herren gingen am Sonntagvormittag ab 10 Uhr ins Rennen um die sechs Finalplätze. Dabei setzte sich die Dramaturgie der Qualifikationsrunde fort. Und die heißt: Die favorisierten Damen und Herren zeigten souveräne Vorstellungen. Alma Bestvater und Yannick Flohé waren die einzigen, die alle geforderten Boulderprobleme lösen konnten. Große Überraschungen blieben die Ausnahme. Eine unerwartete Wendung war vielleicht die deutliche Leistungssteigerung von Christoph Schweiger vom DAV Ringsee. Gerade noch hatte er sich mit drei erreichten Zonen als Zwanzigster knappestmöglich für das Halbfinale qualifiziert, so lag er am Ende der Runde auf Rang sechs und war damit im Finale. Bei den Damen hatte die reduzierte Anzahl an Starterinnen keine sportlichen Gründe: Nach ihrer tollen Leistung in der Qualifikation musste Helene Wolf vom DAV Hamburg und Niederelbe ihre Finalteilnahme leider krankheitsbedingt kurzfristig absagen. 

 

Qualifikation: Der erste Teil der Hitzeschlacht am Samstag

Schwitzen war angesagt, auch bei der Qualifikation der Damen am Samstagvormittag und noch mehr bei den Herren am Nachmittag. Gnadenlose 35 Grad forderten viel Haut, Herz und Hirn von den Athletinnen und Athleten. Auch von den Favoriten, die letztlich souverän eine Runde weiterkamen. Das mitfiebernde Publikum sah außerdem einige wunderbar überraschende Momente, wie es sie vielleicht nur beim Bouldern gibt. Zum Beispiel am ersten Herrenboulder. Dabei handelte es sich nämlich exakt um den ersten Damenboulder vom Vormittag, den zwei Athletinnen lösen konnten. Wer jetzt dachte, die Herren würden da einfach raufspazieren, wurde schnell eines besseren belehrt. 13 Starter lang dauerte es, bis einer den Topgriff erreichte. Insgesamt schafften das letztlich nur drei Herren. Nahezu Geschlechterparität, könnte man sagen. Den ausführlichen Bericht zum Qualifikations-Samstag gibt es ganz unten in einem eigenen Bericht.

 

Die Location: Boulderwelt Dortmund

Über 3000 Quadratmeter Grundfläche - damit ist die neue Boulderwelt Dortmund die größte Boulderhalle Europas. An Kletterwandfläche stehen derzeit rund 1400 Quadratmeter zur Verfügung, und damit ist auch schon klar: Das Raumkonzept der im April dieses Jahres eröffneten Anlage ist großzügig. Zwischen und vor den Wänden ist viel Platz zum Stehen, Sitzen und Zuschauen. Insofern ist die Boulderwelt Dortmund eine ideale Location für die DM Bouldern. Vor den Wettkampfwänden ist mit dem Bistrobereich besonders viel Platz, und den haben die rund vierhundert Zuschauer auch gebraucht. Ideal ist die Boulderwelt Dortmund aber nicht nur für den Spitzensport. Großzügige Raumkonzepte sind auch für die ganz normalen Boulderinnen und Boulderer von großem Vorteil, weil dadurch eine entspannte und angenehme Atmosphäre entsteht. Das gilt sogar für den hiesigen Kinderboulderbereich, der ebenso großzügig angelegt ist und obendrein direkt neben dem Erwachsenenbereich auf einer Ebene liegt. "Wir sind stolz auf unsere neue Halle", sagt Boulderwelten-Marketingchefin Nadja Hoffmann sichtlich zufrieden. "Die Boulderszene im Ruhrgebiet honoriert unser modernes Konzept."

 

 

 

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DM Bouldern Qualifikation: Die Hitzeschlacht von Dortmund, Teil 1

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Beim größten nationalen Boulder-Event des Jahres in der Boulderwelt in Dortmund sind die Favoritinnen und Favoriten erwartungsgemäß ins Halbfinale eingezogen. Ein Spaziergang war der Qualifikationstag aber für niemanden: Gnadenlose 35 Grad forderten viel Haut und Hirn. Das mitfiebernde Publikum sah außerdem einige wunderbar überraschende Momente, wie es sie vielleicht nur beim Bouldern gibt. Am morgigen Sonntag geht es mit Halbfinale und Finale weiter. Den Livestream gibt es hier.