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Deutsche Meisterschaft Speed: Ritter und Lucke gewinnen!

08.11.2020, 20:00 Uhr

Zwei Rekorde, eine Titelverteidigung und zwei glückliche Gewinner: Die Deutsche Meisterschaft Speed ließ an Spannung kaum zu wünschen übrig. Am Ende stand Franziska Ritter (DAV Barmen) erneut auf dem obersten Podiumsplatz. Bei den Herren gewann Sebastian Lucke (DAV Konstanz). Sandra Hopfensitz (DAV Augsburg) und Nuria Brockfeld (DAV Osnabrück) stellten neue Rekorde auf.

 

  • Jetzt neu: Den Highlightfilm der DM Speed findet ihr links
  • Am Ende des Artikels gibt es die Replays der Livestreams. Diese sind bis 1. Februar 2021 online.
 

Wettkampf im Zeichen von Corona

Es war eine ganz besondere Deutsche Meisterschaft Speed: Die neuen Anti-Corona-Maßnahmen, die ab 2. November in ganz Deutschland gelten sollten, warfen bereits ihre Schatten voraus. Der DAV als Veranstalter und die Europa Passage sowie Faktor3Sport als Ausrichter arbeiteten im Vorfeld unermüdlich, um ein strenges Hygienekonzept auf die Beine zu stellen. Denn eines war von vornherein klar: Die Sicherheit aller Beteiligten musste an erster Stelle stehen. Das strenge und umfangreiche Konzept wurde von den Behörden honoriert – sie erteilten die Genehmigung.

 

Wie minutiös der neue Ablauf geplant war, zeigt sich an folgendem Beispiel: Sobald die Teilnehmer nach einem Lauf wieder am Boden waren, mussten sie zuerst ihre Maske aus einer speziellen Tüte nehmen, die Gesichtsbedeckung dann aufsetzen und die Hände von Gurt und Seil nehmen. Erst dann traten die Helferinnen und Helfer vor die Wettkämpfer und Wettkämpferinnen und übernahmen das unter Spannung stehende Sicherungsseil.

 

DAV-Vizepräsidentin Burgi Beste: "Wir sind sehr froh, dass wir in diesem Herbst trotz Corona alle drei Deutsche Meisterschaften austragen konnten - Bouldern, Lead und Speed. Für den Sport und die Athletinnen und Athleten war dies sehr wichtig. Mein Dank gilt allen Helferinnen und Helfern, die diese Wettkampfsaison noch kurzfristig möglich gemacht und unermüdlich an den Hygienekonzepten gearbeitet haben."

 

Deutscher Jugendcup: Apel gewinnt – mit Vorsprung!

Vor dem Wettkampf der Erwachsenen ging der Deutsche Jugendcup der Jugend B über die Bühne. Bei den Damen sorgte Top-Favoritin Anna Maria Apel (DAV München-Oberland) für Staunen: Schon in der Quali-Runde stellte sie mit 8.474 Sekunden einen neuen Deutschen Rekord in ihrer Altersklasse auf und gewann fast jedes ihrer Duelle mit mehreren Sekunden Vorsprung. So stand sie dann auch verdient am obersten Podiumsplatz. Zweite wurde Charlotte Schiefer (DAV Schwaben), Bronze sicherte sich Emilia Merz (DAV Rheinland-Köln).

 

Bei den Herren musste sich Florian Schweiger (DAV Ringsee) dem 15-jährigen Jakob Schiefer (DAV Schwaben) geschlagen geben. Dritter wurde Johann Söhngen vom DAV Frankfurt/Main.

 

Die Deutsche Meisterschaft im Super-Livestream

Zwar war Publikum vor Ort nicht erlaubt, allerdings wurde die komplette Deutsche Meisterschaft vom Norddeutschen Rundfunk im Livestream übertragen. Und dieser scheute keine Mühen: Rund 40 Mitarbeiter kümmerten sich um die Übertragung, selbst ein Kamera-Kran war vor Ort. Damit erreichte der Livestream eine neue Qualität – passend zu den Leistungen bei dieser Deutschen Meisterschaft.

 

Damen-Quali: Sandra Hopfensitz läuft neuen Rekord!

Bei den Damen waren die schnellsten Frauen Deutschlands am Start:

 

  • Nuria Brockfeld (DAV Osnabrück) hält aktuell den Rekord
  • Franziska Ritter (DAV Barmen) gewann 2019 den Titel
  • Alma Bestvater (DAV Weimar) gilt als stärkste Allrounderin und stellte mehrmals den Rekord ein
  • Sandra Hopfensitz (DAV Augsburg) lief schon mehrmals auf die vordersten Plätze

 

Bei der Qualifikation zeigten die Favoritinnen ihr Können und belegten am Ende Platz 1-4. Sandra Hopfensitz holte sich überraschend den Quali-"Sieg": Sie lief die 15 Meter hohe Wand in 8.225 Sekunden nach oben. Neuer Deutscher Rekord! Auch Alma Bestvater zeigte sich nach ihrer langen Verletzungspause zufrieden: "Ich wollte eine 8er-Zeit laufen." Mit 8.964 hat sie dieses Ziel erreicht. Daneben schaffte es auch Afra Hönig (DAV Landshut) in das Viertel-Finale. Hönig startet wie Bestvater am 20. November bei der EM in Moskau. Dort wird das letzte Olympia-Ticket für die Frauen vergeben.

 

Außerdem im Viertelfinale: Julia Koch (DAV Wuppertal),  Manon Stenzel (DAV Frankfurt/Main) und Ronja Funk (DAV Schwaben). Das Achtelfinale wurde aufgrund der geringen Teilnehmerinnenzahl nicht ausgetragen.

 

Herren-Quali: keine Überraschungen bei den Favoriten

Auch bei den Herren gingen drei der schnellsten Deutschen an den Start: Sebastian Lucke (DAV Konstanz), Linus Bader (DAV Augsburg) und Thorben Perry Bloem (DAV Braunschweig). Titelverteidiger Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main) war nicht angereist, ebenso wie der Newcomer Ludwig Breu (DAV Landshut). Dafür empfahl sich Leander Carmanns (DAV Rheinland-Köln) mit einer Quali-Bestzeit von 7.190 Sekunden. Er landete nach den Qualifikationsläufen auf Platz drei.

 

 

 

 

 

Damen-Finale: Ritter gewinnt erneut!

Aufgrund der geringen Teilnehmerinnenzahlen ging es nach der Quali gleich mit dem Viertelfinale weiter: Alle vier Favoritinnen gewannen ihre Rennen, allerdings nicht immer ganz reibungslos: Hopfensitz zeigte in ihrem Duell Nerven und siegte nur knapp. Auch Brockfeld verhaspelte sich ein Mal, gewann aber souveräner. Alma Bestvater gab als Devise nach der Quali aus: "jetzt wird eskaliert", und "eskalierte" dann auch – zumindest etwas: stetig verbesserte sie ihre Zeit, am Ende stellte sie sogar einen neue persönliche Bestzeit auf. Franziska Ritter hatte vielleicht das schwerste Los: Sie musste gegen Afra Hönig antreten, behielt aber die Fassung und schlug als erste den Buzzer.

 

Halbfinale: Die vier schnellsten Damen treffen aufeinander

Im Halbfinale trafen dann auch die vier schnellsten Frauen aufeinander: Hopfensitz gegen Bestvater und Brockfeld gegen Ritter. Wer würde in die letzte Runde einziehen? Sandra Hopfensitz lieferte sich gegen Alma Bestvater ein hartes Rennen und gewann mit drei Zehntel Vorsprung. Das Duell Brockfeld gegen Ritter sollte eigentlich die Krönung des Tages werden, die zwei schnellsten Frauen Deutschlands im direkten Vergleich. Doch leider kam es nicht soweit: Nuria Brockfeld legte unglücklich einen Fehlstart hin.

 

Kleines Finale: Neuer Rekord!

Dass die erst 16-jährige Nuria trotzdem mit einem lachenden Auge aus diesem Wettkampf herausgehen kann, liegt an ihrer Zeit im kleinen Finale: Mit 8.183 Sekunden holte sie sich den Deutschen Rekord zurück. Dafür, dass sie erst seit dieser Saison bei den Seniorinnen an den Start gehen darf, ist das eine erstklassige Leistung. Wir werden in Zukunft noch mehr von ihr berichten dürfen. Bestvater lieferte ebenfalls einen sehr guten Run ab und stellte einen neuen persönlichen Rekord auf.

 

Finale: Hopfensitz gegen Ritter

Dem Wettkampf-Fan kam diese Paarung wohl bekannt vor: Bereits bei der letzten DM Speed hieß das Final-Duell so. Damals entschied Ritter das Rennen für sich! Und heute? Sandra Hopfensitz stolperte bereits zu Beginn und konnte ihren Rückstand nicht mehr aufholen. Erneut gewann damit die 17-jährige Franziska Ritter und verteidigte so ihren Titel. "Ich hätte mir zwar von mir ein paar anständigere Läufe gewünscht, aber insgesamt lief es super", urteilte die Gewinnerin am Ende.

 

Herren-Finale: Lucke holt sich diesmal den Sieg!

Bei den Herren zeigten die vier Favoriten weniger Nerven. Runde um Runde gewannen sie ihre Races, bis im Halbfinale schließlich Sebastian Lucke gegen Linus Bader antreten musste und Thorben Perry Bloem gegen Leander Carmanns.

 

Halbfinale: Kopf-an-Kopf-Rennen

Lucke und Bader ließen sich vom jeweils anderen nicht verunsichern, am Ende gewann Lucke mit einer Zeit von 6.455 – nur ein Zehntel vor Bader. Thorben Perry Bloem stolperte in seinem Lauf früh und überließ Carmanns mit einer tollen Zeit von 7.088 Sekunden den Einzug ins Finale.

 

Kleines Finale: Mit Stolpern zum Ziel

Die Paarung des kleinen Finales hieß dann auch Bader gegen Bloem. Zwar stolperten beide auf dem Weg zum Anschlagspunkt, doch Bloem kam mit einer Zeit von 7.188 Sekunden besser durch. Er schnappt sich Platz drei.

 

Finale: fünf Zehntel entschieden

Bereits letztes Jahr stand Sebastian Lucke im Finale. Damals stürzte er unglücklich und überließ Jan Hojer die Gold-Medaille. Und diesmal? Im wichtigsten Lauf des Abends behielt er die Nerven und stürmte nach oben. Doch auch sein Kontrahent zeigte keine Schwächen. Am Ende wurde es knapp, nur fünf Zehntel entschieden. Mit 6.535 Sekunden gewann der 18-jährige Sebastian Lucke vom DAV Konstanz. Leander Carmanns lief mit 7.027 Sekunden die beste Zeit seines Tages. 

 

Sebastian Lucke: "Heute lief es echt optimal. Die Location hier ist der Wahnsinn, nur Schade, dass kein Publikum dabei war."

 

Statement Bundestrainer Urs Stöcker

Es war eine richtig gut inszenierter Wettkampf in einer tollen Location – schade nur, dass kein Publikum dabei war. Die Herren gefielen mir sehr gut, so viele Zeiten unter sieben Sekunden gab es noch bei keiner Deutschen Meisterschaft. Auch bei den Damen war die Dichte an 8er-Zeiten sehr hoch. Da sieht man, wo die Reise im Speed hingeht. Ich denke, in absehbarer Zeit werden wir auch auf internationaler Ebene mithalten können. Ich war sehr begeistert von Sebastian Lucke und seiner Konstanz, das war bisher seine größte Schwäche. Auch Afra Hönig und Alma Bestvater konnten mit guten Zeichen ein Zeichen Richtung Europameisterschaft setzen.

 

Urs Stöcker ist einer von drei DAV-Bundestrainern.

 

Ergebnisse

Herren:

 

  1. Sebastian Lucke
  2. Leander Carmanns
  3. Thorben Perry Bloem

 

Damen:

 

  1. Franziska Ritter
  2. Sandra Hopfensitz
  3. Nuria Brockfeld

 

 

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Wie es der Name sagt: beim Speed geht es um Schnelligkeit. Also darum, eine weltweit genormte Route, bei der die Länge und Neigung der Wand sowie die Größe, Form und Position der Griffe und Tritte immer identisch sind, schnellstmöglich nach oben zu klettern. Gesichert wird beim Speed mit Seilsicherung von oben, also im Toprope. Die Athletinnen und Athleten müssen am Ende der Route auf einen Buzzer schlagen, dann wird die Zeit gestoppt. Die Speedtour ist bei Wettkämpfen 15 Meter hoch, hängt fünf Grad über und hat einen Schwierigkeitsgrad von UIIA 7+. Da es sich immer um die gleiche Griffabfolge handelt, können sich die Kletterinnen und Kletterer optimal vorbereiten. Sie prägen sich bei unzähligen Gos den Bewegungsablauf so ein, dass sie ihn verinnerlicht haben und genau wissen, welchen Griff sie wie nehmen beziehungsweise wohin sie ihren Fuß setzen müssen. Beim Speedklettern ist neben einer hohen Schnell- und Maximalkraft deshalb auch eine große Greif- und Trittpräzision notwendig. Außerdem sind im Wettkampf, der über mehrere Runden geht, bei höchster Geschwindigkeit Schnellkraftausdauer und Nervenstärke erforderlich.