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Bundeskaderathlet Chris Hanke wird Stammzellenspender

26.08.2021, 13:37 Uhr

Mitten in der Wettkampfsaison bekommt unser Kaderathlet, Christoph Hanke, die Information als Stammzellenspender in Frage zu kommen. Für Chris eine klare Sache: er ist dabei! Heute am 26.08. ist die Entnahme der Stammzellen. Wir haben mit Chris gesprochen. Was hat ihn dazu bewegt sich typisieren zu lassen, wie hat er sich auf die Transplantation vorbereitet und hat das Ganze Einfluss auf seinen Trainingszustand?

DAV: Was war deine Motivation dich typisieren zu lassen?

Chris Hanke: Das war tatsächlich eine eher spontane Motivation. In meiner Gemeinde wurde eine Typisierung über die freiwillige Feuerwehr und Grundschule organisiert, da ein Kind an Leukämie erkrankt war und ich direkt zum Klettern in die Fränkische daran vorbeigefahren bin. Eigentlich schon im nächsten Dorf habe ich den Entschluss gefasst doch kurz umzudrehen nach dem Motto „Komm die fünf Minuten hast du“.

 

DAV: Wie hast du dich gefühlt als du die Benachrichtigung erhalten hast, dass du als Stammzellenspender in Frage kommst?

Chris Hanke: Die Wahrscheinlichkeit als Spender in Frage zu kommen ist sehr gering, ich bin grundsätzlich nicht davon ausgegangen, jemals in Frage zu kommen. Daher war es eine große Überraschung und ein sehr positives Gefühl, da es ja auch bedeutet hat, dass es für jemanden eine potenzielle Chance gibt. Ab diesem Zeitpunkt habe ich eine Art große Verantwortung gespürt.

 

DAV: Würdest du die Typisierung und Registrierung als möglicher Spender weiterempfehlen?

Chris Hanke: Auf jeden Fall! Statistisch gesehen gibt es leider viel zu wenig registrierte Spender. Die Typisierung verläuft sehr schnell und ist sehr unkompliziert, „Stäbchen rein, Spender sein“ trifft da genau zu.

 

DAV: Wie war die Reaktion deiner Familie bzw. Freund*innen?

Chris Hanke: Absolut positiv. Ich musste viele Fragen beantworten, da sich im Allgemeinen nicht viele Menschen mit diesem Thema befassen. Viele denken hierbei an einen großen Eingriff in das Knochenmark, inzwischen hat man mit der Stammzellapherese ein viel schonenderes Verfahren für den Spender.

 

DAV: Möchtest du den Empfänger/die Empfängerin deiner Spende später kennenlernen?

Chris Hanke: Da habe ich gemischte Gefühle. Ich möchte diesem Menschen auf keinem Fall das Gefühl vermitteln, dass er mir gegenüber verpflichtet ist dankbar zu sein. Aber natürlich interessiert es mich auch wie es Ihm oder Ihr geht

 

DAV: Wie ging es dir in den letzten Wochen vor der Transplantation?

Chris Hanke: Ich für meinen Teil habe versucht so gesund wie möglich zu leben und habe die letzten Tage vor der Transplantation Medikamente eingenommen, die meine Stammzellen für die Entnahme im Blut anreichern.

 

DAV: Grundsätzlich wird gesagt, dass es nur drei Menschen auf der Welt gibt, die als mögliche Spender*in für den/die Patient*innen in Frage kommen. Wie fühlt es sich an, dass du einer davon bist?

Chris Hanke: Ich fühle mich nicht wie ein Superheld aber es fühlt sich trotzdem großartig an, da es eben diese Chance für einen Menschen gibt weiterzuleben. Dass ich da genau zutreffe ist einfach nur Zufall, mehr nicht.

 

DAV: Werden deine Stammzellen über das Knochenmark oder über das Blut entnommen?

Chris Hanke: Die Stammzellen werden über das Blut entnommen, dafür werde ich an eine Dialyse angeschlossen. Das Verfahren nennt sich Stammzellapherese. Bei dieser Methode wird das Blut in einem ständigen Kreislauf aus einer Armvene durch einen Zellseparator geleitet und wieder zurückgeführt. Der ganze Vorgang wird vermutlich fünf bis sechs Stunden in Anspruch nehmen.

 

DAV: Hast du Angst vor der Transplantation?

Chris Hanke: Nicht wirklich, die Transplantation wird wie schon gesagt über das Blut entnommen, das ist bestimmt nicht unbedingt angenehm aber auch gut machbar. Fast alle Transplantationen finden inzwischen über die Blutentnahme statt. Die klassische Knochenmarkspende nur noch in unbedingt notwendigen Fällen.

 

DAV: Gibt es Risiken bei der Stammzellentnahme?

Chris Hanke: Risiken kann man nie wirklich ausschießen. Man wird hierzu aber ausreichend beraten und im Vorfeld medizinisch sehr gründlich untersucht. Auch bei der eigentlichen Entnahme ist man nicht alleine und wird auch medizinisch nachbetreut.

 

DAV: Mit welchen Auswirkungen in der Zukunft rechnest du nach der Spende?

Chris Hanke: Ich denke ich werde nach der Spende ein wenig schwach auf der Brust sein und das im Training ein paar Tage merken. Langfristig denke ich nicht, dass es negative Auswirkungen auf mich haben wird.

 

Auswirkungen der Stammzellenspende auf den Leistungssport?

DAV: Wie ist die die Stammzellenspende mit dem Leistungssport vereinbar?

Chris Hanke: Um ehrlich zu sein ist der Zeitpunkt der Spende für mich sehr ungünstig. Eine Woche nach meiner Entnahme geht es für mich zum Weltcup nach Slowenien und eine Woche später findet die WM in Moskau statt. Aber es gibt einfach manchmal auch wichtigere Dinge im Leben. Die Vorstellung, dass sich ein Mensch an diese Hoffnung klammert, dass sich jemand findet und dass auch rechtzeitig alles funktioniert ist schon heftig.

 

DAV: Musst du dein Training umstellen aufgrund der Transplantation, wenn ja, wie wirkt sich das aus?

Chris Hanke: Damit genügend Stammzellen in meinem Blut sind, müssen diese erhöht werden. Hierzu ist eine viertägige Vorbehandlung mit dem Botenstoff G-CSF erforderlich. Das Medikament wird zweimal täglich unter die Haut gespritzt. Dabei treten infektiöse Symptome auf und natürlich ist das für den Körper auch eine Herausforderung. Hierfür muss ich gut in mich hineinhören und mein Training dementsprechend umstellen. Für den Tag der Entnahme sowie den Folgetag werde ich mein Training ruhen lassen müssen.

 

DAV: Hat die Transplantation Auswirkungen auf die Wettkämpfe?

Chris Hanke: Die Spende stellt eine für den Wettkampf und Training verbotene Methode dar. Hierfür musste ich im Vorfeld bei der Anti-Doping Agentur ein medizinisches Ausnahmeverfahren beantragen.

 

DAV: Wie lange darfst du nach der Transplantation keinen Sport machen?

Chris Hanke: Das ist sehr individuell. Mein Körper ist an meine Trainingsbelastung sehr gut angepasst, daher kann ich, nach Rücksprache mit dem betreuenden Arzt, mein Training zügig wieder aufnehmen.

 

DAV: Erwartest du, dass deine sportliche Leistung nach der Spende geringer wird?

Chris Hanke: Die Vermehrung der Stammzellen bildet sich natürlich zurück, aber für den Körper ist der Vorgang sicher belastend, das werde ich auf jeden Fall merken. Leistung findet ja im Kopf statt, ich mache das dann einfach mit dem unglaublich positiven Gefühl wieder wett, jemandem wirklich geholfen zu haben.

 

DAV: Gab es Reaktionen vom Kletterteam? Wenn ja, was haben sie gesagt?

Chris Hanke: Meine Teamkollegen finden das alle großartig! O-Ton Jan Hojer „Gibt dann irgendwie doch Dinge die wichtiger sind als Klettern“… in diesem Sinne

 

DAV: Möchtest du noch an etwas appellieren bzw. etwas erwähnen?

Chris Hanke: Vielleicht nimmt sich der/die ein oder andere doch einmal die Zeit und geht zum Blutspenden oder Typisieren. Für mich ist es ein kleiner Aufwand von ein paar wenigen Tagen, für jemand anderen kann es das ganze Leben bedeuten.

 

Du möchtest wie Chris Stammzellenspender*in werden? Mehr Infos gibt´s hier auf der Homepage der DKMS.

Oder auch "fast nebenbei" im Alltag mit deinem Blut Leben retten? Dann schau einmal, wann und wo der nächste Blutspendetermin in deiner Nähe ist.