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Übernachtungskonzept für bayerische DAV-Hütten: Roland Stierle trifft Walter Nussel zum Praxis-Check

03.09.2020, 12:43 Uhr

Am Dienstag, den 1. September, trafen sich Vertreter der bayerischen Staatsregierung und DAV-Vizepräsident Roland Stierle auf der Brunnenkopfhütte in den Ammergauer Alpen. Bei diesem Praxis-Check wurden mögliche Konzepte für den künftigen Übernachtungsbetrieb auf Alpenvereinshütten diskutiert.

Zwei Stunden Fußmarsch von Schloss Linderhof bei Ettal entfernt befindet sich die Brunnenkopfhütte auf 1602 Metern Höhe. Im Vergleich zu anderen Alpenvereinshütten liegt sie damit weder besonders hoch, noch ist sie außergewöhnlich groß. Genau deshalb ist sie ideal für ein Treffen zwischen Vertretern der Bayerischen Staatsregierung und des Deutschen Alpenvereins. Die Hütte steht exemplarisch für die 67 DAV-Hütten in Bayern, die heuer alle mit einem Problem kämpfen: Wegen der Corona-Beschränkungen müssen sie deutlich unter ihren Übernachtungskapazitäten bleiben. Kosten für Unterhalt und Personal fallen jedoch auch bei wenigen Übernachtungen an.

 

Nicht nur ein finanzielles Problem

Das Problem ist nicht nur ein finanzielles, obschon die Sektionen unter den Einbußen leiden. „Die Hütten des DAV haben nicht nur eine Schutzfunktion, sondern auch eine Lenkungsfunktion“, sagt DAV Vize-Präsident Roland Stierle. Momentan sind die Hütten maximal zur Hälfte belegt. Die Konsequenz: Die Zahl der Wildcamper ist zuletzt deutlich gestiegen – mit Folgen für die fragile alpine Flora und die Tierwelt.

 

Der Bundesverband des DAV bemüht sich deshalb um ein tragfähiges Konzept, das den Anforderungen an die Hygiene-Regeln ebenso entspricht, wie den Bedürfnissen der Hüttenwirtsleute. Um die Schwierigkeit zu illustrieren, führte Hüttenwirt Christian Deser durch das Schlaflager der Brunnenkopfhütte. Von den 36 Betten darf er momentan maximal zehn belegen. Übers Jahr gesehen liegt die Auslastung bei 16 Prozent. „So kann die Hütte nicht rentabel betrieben werden“, sagt Stefan Kehl, Vorsitzender der Sektion Bergland, die die Brunnenkopfhütte besitzt.

Nicht nur die Einnahmen aus den Übernachtungen fehlen den Wirtsleuten. „Gäste, die nicht übernachten, sind auch abends nicht da“, bemerkt Roland Stierle. Für die Hütte ist die Bewirtung am Abend ein wichtiges Geschäft, nur mit Tagesausflüglern kann es nicht kompensiert werden. Allein aus dem Übernachtungsgeschäft gehen den bayerischen Hütten dieses Jahr rund 1,8 Millionen Euro verloren. Geld, das den Sektionen und letztendlich dem Wegeunterhalt fehlt.

 

Nicht alle Hütten haben überhaupt geöffnet

Walter Nussel, Bürokratieabbau-beauftragter der Bayerischen Staatsregierung, zeigte sich offen für die vorgestellten Konzepte. Jedoch müsse man immer die Balance halten: zwischen einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Infektionsgeschehen einerseits und den berechtigten Interessen der Hüttenwirtsleute und der Bergsportler andererseits. Wichtig sei auch, dass sich die Vorschriften an der Lebensrealität orientieren. Dafür müsse man die Situation vor Ort betrachten und mit den Betroffenen sprechen.

Für die laufende Wandersaison kommen mögliche Ansätze zwar zu spät. „Für die kommende Wintersaison und für den Wandersommer 2021 ist ein Lösungskonzept aber wichtig“, sagt Stefan Kehl. Zumal die Wirtsleute eine gewisse Vorlaufzeit brauchen, um die Maßnahmen umsetzen zu können.

Bergsteigen hat viel mit Eigenverantwortung zu tun. Hüttenwirt Christian Deser bemerkt, dass sich seine Gäste an die Hygiene-Regeln und an die Maskenpflicht halten: „Die meisten sind froh, dass wir überhaupt geöffnet haben.“ Denn gerade kleinere Hütten, die oft nur über einen einzigen Schlafraum verfügen, bleiben diese Saison geschlossen.

 

Bei einem Treffen Ende August haben Hubert Aiwanger und Josef Klenner bereits über die Schwierigkeiten der Hüttenwirtsleute in Bayern gesprochen. Die Bayerische Staatskanzlei ging in der Folge auf Walter Nussel zu, der den Praxis-Check auf der Brunnenkopfhütte federführend übernommen hat.

 

Neben DAV-Vizepräsident Roland Stierle und Walter Nussel waren auch Thorsten Glauber, bayerischer Umweltminister, Florian Pfister als Vertreter des Bayerischen Gesundheitsministeriums sowie Roland Weigert, Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium auf der Brunnenkopfhütte. Konkrete Konzepte wurden bei dem Treffen nicht beschlossen. Es folgen weitere Gespräche, bei denen über mögliche Lösungen diskutiert wird.

 

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