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Bergwetter: Wetterdaten besser verstehen

Sicher in den Alpen und Mittelgebirgen unterwegs

Bevor es in die Berge geht, ist der Blick auf den Wetterbericht unabdingbar. Denn für fast alle Berg-Aktivitäten sind stabile Verhältnisse von Vorteil.

Die Topographie des Gebirges beeinflusst das dortige Wettergeschehen in ganz besonderem Maße und Berge und Täler wirken sich unmittelbar – mitunter sehr lokal – auf das Wetter aus.

 

So ist auch die Vorhersage des akkuraten Bergwetters oft sehr viel schwieriger als im Flachland. Mit einem Blick in den aktuellen Bergwetterbericht scheinen viele Antworten auf offene Fragen schnell gefunden. Doch lesen wir die Wetterprognosen tatsächlich richtig? Um mehr Sicherheit im Umgang mit dem DAV-Bergwetter zu schaffen, sind Angaben zu einigen zentralen Wetterereignissen nachfolgend erläutert:

 

Symbole, die die (Berg-)Wetterwelt bedeuten

Um das Bergwetter möglichst prägnant darzustellen, verwendet der DAV sieben zentrale Symbole. Diese Symbole geben in aller Kürze Antwort auf die wichtigsten Fragen an das Wetter des jeweiligen Tages. Das sind: Sonnenstunden, Niederschlagsmenge, Niederschlagswahrscheinlichkeit, Gewitterwahrscheinlichkeit, Neuschneemenge, Schneefallgrenze und Wind. Doch was genau verraten die Symbole tatsächlich?

 

 

Was bedeutet "4 Sonnenstunden“?

Die Angabe der Sonnenstunden bezieht sich auf die Dauer der direkten Sonneneinstrahlung an einem Ort während eines Tages.

 

Gemeint ist also nicht die Zeit, die die Sonne am Himmel steht, sondern die von der Bewölkung abhängige, reale Einstrahlung an einem Messort auf der Erde. Auch Sonnenscheindauer genannt. Im Alltag einfach nachzuvollziehen: die Sonnenscheindauer ist die Zeit, in der es einen sichtbaren Schattenwurf gibt. 

 

Um die Sonnenstunden zu ermitteln, werden die stündlichen Sonnenscheindauern während des gesamten Tages addiert. „4 Sonnenstunden“ kann es also grundsätzlich gleichermaßen am Stück oder verteilt über den ganzen Tag geben. Gemessen wird die Sonnenscheindauer übrigens mit einem Sonnenscheinautograph.

 

 

 

 

 

Niederschlagsmenge: Sind 10 mm Regen viel oder wenig?

Eine Niederschlagsmenge von zehn Millimetern entspricht zehn Liter Niederschlag pro Quadratmeter – und damit dem Volumen eines großen Putzeimers. Je nach Untergrund und Gelände kann eine Bergwanderung schon bei dieser Menge Regen gefährlich werden.

 

Doch für das Niederschlagsereignis ist nicht nur die Menge relevant, sondern auch die Dauer: So können die zehn Liter Niederschlag in einem kurzen Platzregen zu Boden fallen. Oder verteilt über mehrere kleinere Schauer.

 

Übrigens: Langfristig ist die Niederschlagsmenge nur schwer genau vorherzusagen. Wichtig ist es daher, kurz vor dem Start in die Berge auf das Bergwetter zu schauen. Ergänzend bietet sich außerdem der Einsatz einer Regenradar-App an, auf der sich der unmittelbar bevorstehende Verlauf von Niederschlagsbändern genauer ablesen lässt.

 

Was bedeutet eine Niederschlagswahrscheinlichkeit von 20 %?

„Niederschlagswahrscheinlichkeit“ benennt das Risiko, dass es nass werden könnte. Also: An 20 Prozent aller Tage mit einer solchen Wetterlage gibt es Niederschlag. Die aufgezeichneten Daten zeigen damit statistisch, dass es an zwei von zehn Tagen mit diesem Wetter Niederschlag gibt – in Form von Regen, Graupel oder Schnee.

Damit ist allerdings noch nichts über Stärke und Dauer des Niederschlags gesagt. Und vor allem nicht, ob die Statistik heute "zuschlägt" – und wann oder wie oft es regnen wird: 20 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit bedeutet eben nicht, dass es an 20 Prozent Zeit des Tages regnen wird. Auch nicht, dass räumlich 20 Prozent des Vorhersagegebiets nass werden. Sondern rein statistisch: Wenn in der Vergangenheit die gleiche Wettersituation herrschte wie heute, kam es an jedem fünften Tag tatsächlich zu Regen. 

 

Was bedeutet eine Gewitterwahrscheinlichkeit von 60 %?

Gewitter können entstehen, wenn Luft sehr schnell aufsteigt. Die damit verbundene starke Bewegung der Luft- und Wasserteilchen führt zur elektrischen "Ladungstrennung", die sich dann durch Blitze entlädt. Vor allem das Risiko von Blitzeinschlägen an exponierten Stellen macht die Gewitterwahrscheinlichkeit für alle, die in die Berge gehen, besonders bedeutsam; Fachleute bezeichnen sie wegen ihrer Brisanz und schwierigen Einschätzbarkeit als "Lawinen des Sommers".

 

Es gibt zwei Arten von Gewittern: Front- und Wärmegewitter. Frontgewitter entstehen in Tiefdruckgebieten, wenn eine Kaltluftmasse in breiter Front vorrückt und die aktuelle wärmere Luftmasse nach oben wegdrückt. Die Annäherung solch einer Front ist per Satellit recht exakt zu verfolgen, die Gewitter sind extrem heftig und flächendeckend. Deshalb ist das Stichwort "Kaltfront" ein absolutes Warnsignal in der Wettervorhersage; oft ist damit auch ein "Wettersturz" verbunden mit sommerlichen Schneefällen bis tiefere Lagen.

 

Lokale Wärmegewitter dagegen, die vor allem von Mai bis August auftreten, sind schwierig vorherzusagen. Sie entstehen durch lokale "Thermik" (Gleitschirmfliegern willkommen), wenn starke Sonneneinstrahlung die Luft am Boden erhitzt und zum Aufsteigen bringt. Liegt überdies eine "labile Schichtung" vor, also überdurchschnittlich kalte Luft in der Höhe, wird das warme Luftpaket noch zusätzlich beschleunigt. Zeichen dieses Aufstiegs sind die bauschig geballten Haufenwolken (Cumulus), die sich dabei bilden; ihre Entwicklung ab dem Vormittag behält man am besten gut im Auge. Spätestens wenn sie die oberste wetteraktive Atmosphärenschicht erreichen und sich dort zu einem ambossförmigen "Cumulonimbus" (s. Bild) ausbreiten, wird es gefährlich.

 

Ob nun die lokale Thermik und Quellwolkenbildung im Laufe des Tages zu Blitz und Donner führt, war bis vor wenigen Jahren gar nicht zuverlässig zu sagen – zu chaotisch schien die Atmosphäre, zu unberechenbar die Physik am Himmel. Erst 2012 hat sich der Deutsche Wetterdienst (DWD) – damals ein Novum in Europa – mittels komplexer Simulationen an die Vorhersage der Gewitterwahrscheinlichkeit gewagt.

 

Die Gewitterwahrscheinlichkeit für eine Region gilt bei bis zu 30 % als gering, bei 30–60 % als mäßig und über 60 % als hoch – wobei selbst in letzterem Fall zwar verbreitet Gewitter auftreten, es aber längst nicht überall gewittern muss.

 

Als Faustregel gilt: vor allem bei hoher Gewitterwahrscheinlichkeit die Bergtour früh starten und zum Mittag das Tagesziel erreichen. Denn mit der Tageserwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit für Gewitter zum Nachmittag hin deutlich. Bedingt durch die Topographie treten in den Bergen Gewitter besonders lokal auf und eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Doch wer regelmäßig das Wetter beobachtet und eigene Erfahrungen sammelt, kann mitunter einen tollen Bergtag genießen, bevor das Gewitter kommt.

 

Neuschneemenge

Zu ergiebigen Schneefällen kommt es meist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt; oft sind dann auch die Schneeflocken besonders groß. Letztlich ausschlaggebend für den Schneefall ist allerdings nicht die Bodentemperatur, sondern die Temperatur der Wolke, aus welcher der Niederschlag fällt.

 

Im DAV-Bergwetter lässt sich einerseits die im Verlauf eines Tages kumulierte Neuschneemenge ablesen, andererseits die in den jeweils vorangegangenen sechs Stunden. Von starken Schneefällen spricht der DWD im Bergland (in Lagen ab 800 Meter) ab einem Schneedeckenzuwachs von 20–60 cm in sechs Stunden (im Flachland bzw. unter 800 Meter dagegen schon bei 10–20 cm Schnee in diesem Zeitraum).

 

Von besonderer Bedeutung ist die jeweilige Neuschneemenge - vor allem in Verbindung mit Wind und damit einhergehenden Schneeverfrachtungen - in Hinblick auf die Lawinengefahr und es ist sinnvoll, den Lawinenlagebericht für die jeweilige Alpenregion aufzurufen. 

 

Wie genau kann die Schneefallgrenze vorhergesagt werden?

Das exakte Berechnen von Niederschlägen – und hier speziell von Schnee – gilt nach wie vor als eine der schwierigsten Disziplinen der Meteorologie. Und so lässt sich auch heute die Schneefallgrenze nur einigermaßen genau vorhersagen:

 

Damit Niederschlag als Schnee zur Erde fällt, muss die Temperatur um die Null Grad liegen (allerdings kann es auch bei Temperaturen von vier Grad oder im Extrem noch höher schneien). Rund um die Null-Grad-Grenze sind die Chancen groß, dass das, was sich bei bis zu minus 35 Grad als Schnee aus den Wolken auf den Weg macht, in diesem Aggregatzustand auch am Boden ankommt. Anders gesagt: führt der Weg des Schnees durch wärmere Luftschichten, setzt der Tauprozess ein und es regnet stattdessen.

 

Schon mit einem Prognosefehler von ein bis zwei Grad kann sich die Schneefallgrenze um bis zu 300 Höhenmeter verschieben. In den Bergen spielen außerdem besondere Phänomene wie sogenannte Aufgleitprozesse und Niederschlagsabkühlung eine besondere Rolle, so dass Schnee – entgegen der eigentlichen Wetterprognose und trotz Plusgraden – mitunter weit hinab in (windgeschützte) Täler fallen kann.

 

In jedem Fall muss man Schneefallgrenze und Nullgradgrenze unterscheiden: Es kann sein, dass Schnee auf warmen Boden fällt und gleich wieder taut, so dass er nicht viel schadet, solange es nicht zu viel wird. Andererseits kann Regen auf kaltem Boden gefrieren und eine gefährliche Eisschicht bilden – Stichwort: "Blitzeis". Deshalb sollte man auch den Temperaturverlauf von Boden und Luft im Blick haben. 

 

Die Schneefallgrenze kann schnell – zum Beispiel bei einer geplanten sommerlichen Klettersteigtour oder bei Überschreitungen alpiner Kämme und Gipfel – sicherheitsrelevant werden und es ist ratsam, sie – genau wie die Gewitterwahrscheinlichkeit – besonders im Auge zu behalten.

 

Wind: Ab wieviel km/h kann er unangenehm werden? Und wann wird es gefährlich?

Ob „Windstille“, „Stürmischer Wind“ oder „Orkan“ – mit Hilfe der Beaufort-Skala wird die Windstärke geschätzt. Unterschieden wird dabei nach insgesamt zwölf Kategorien. Bei einer leichten Brise (6–11 km/h) ist zwar der Wind im Gesicht spürbar und ein frischer Wind (29–38 km/h) lässt bereits kleine Laubbäume schwanken, doch das Unterwegssein in den Bergen beinträchtigen solche Windgeschwindigkeiten kaum. Man kann sie noch aus der Erfahrung mit dem Fahrtwind beim Radeln einschätzen.

 

Anders bei einem steifen Wind mit Geschwindigkeiten zwischen 50 und 61 km/h – dann nämlich machen sich fühlbare Hemmungen beim Gehen bemerkbar und die Trittsicherheit wird gemindert. Hält man sich in steilem Gelände oder an einem schmalen Grat auf, beginnt es spätestens bei solchen Geschwindigkeiten gefährlich zu werden und besondere Vorsicht ist geboten.

 

Starker Wind ist aber nicht nur deshalb gefährlich, weil er an Körper und Nerven rüttelt. Er bläst die wärmende Luftschicht weg, mit der sich der Körper umgibt, und verstärkt durch diesen Windchill-Effekt die gefühlte Kälte – besonders bedrohlich, wenn Nässe dazukommt, die der Haut durch windgetriebene Verdunstung zusätzlich Wärme entzieht. Deshalb bei Windvorhersagen über 20-30 km/h: immer Windschutz einpacken! Jacke, Mütze, Handschuhe, evtl. Brille.

 

Zu guter Letzt: Wer macht das Wetter?

Das DAV-Bergwetter basiert auf den Beobachtungen der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Die Textprognosen werden täglich von Meteorolog*innen mit Bergerfahrung formuliert. Die ZAMG-Prognosen beziehen sich vor allem auf die Alpen, die Vorhersagen für die deutschen Mittelgebirge werden um regionale Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ergänzt. Die Punktprognosen, bei welchen sich die hier beschriebenen Angaben ablesen lassen, basieren auf automatisch ausgewerteten Daten.

 

Die Punktprognosen werden zwei Mal täglich aktualisiert, zwischen 4 und 5 Uhr sowie 13 und 14 Uhr, die Prognosen für den heutigen Tag sogar alle zwei Stunden. Detaillierte Informationen zum Bergwetter findet man auch in den FAQs.