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Pro & Contra: Soll der DAV an der Bewerbung für München 2022 mitarbeiten?

31.10.2013, 14:57 Uhr

Am 10. November finden in München, in Garmisch-Partenkirchen, im Berchtesgadener Land und im Landkreis Traunstein die Bürgerentscheide zur Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2022 statt. Falls diese Entscheide positiv ausgehen: Was spricht für eine aktive Beteiligung des Deutschen Alpenvereins an der Erstellung des Bewerbungskonzeptes, was spricht dagegen? Zwei DAV-Vertreter sagen ihre Meinung.

 

 

Pro München 2022

Roland Stierle

Erster Vorsitzender der DAV-Sektion Stuttgart

 

Der DAV trat dem damaligen DSB und dem heutigen DOSB in den 90er Jahren aus gutem Grund bei: Klettern war und ist nicht nur eine zentrale Disziplin im DAV, sondern es ist eine Sportart. Zur Bestärkung dieser Überzeugung hat der DAV in einem weiteren Schritt bei seiner Hauptversammlung in Osnabrück 2010 mit großer Mehrheit beschlossen, daraufhin zu wirken, Sportklettern als olympische Sportart zu etablieren. Dieser Beschluss beinhaltet ein grundsätzliches Ja zu Olympia. Allerdings war den Delegierten in Osnabrück der Zusatz sehr wichtig, dass sich der DAV "dabei seiner Verpflichtung als Naturschutzverband stets bewusst bleibt, besonders bei der Vorbereitung von sportlichen Großveranstaltungen."

 

Der daraus folgende Auftrag ist eindeutig: Der DAV muss Großveranstaltungen im Gebirge auf ihre Naturverträglichkeit hin überprüfen. Bei der Bewerbung für München 2018 hat er das getan und ein international gelobtes Konzept zur möglichst nachhaltigen und naturverträglichen Durchführung Olympischer und Paralympischer Spiele mit entwickelt. Nun liegt die Konzeptstudie für München 2022 vor – und sie geht in naturschutzfachlicher Sicht über das Konzept von München 2018 hinaus. Das endgültige Bewerbungskonzept für München 2022 muss nun erarbeitet werden, sofern sich die Menschen in den betroffenen Gemeinden und Landkreisen für eine Bewerbung entscheiden. Der DAV sollte dabei mitwirken, um einmal mehr seine Kompetenzen und Erfahrungen als Naturschutzverband für ein Bewerbungskonzept einzubringen, das eine zeitgemäße, nachhaltige und möglichst naturverträgliche Durchführung Olympischer und Paralympischer Spiele sicherstellt.

 

Selbstverständlich gibt es viele kritische Punkte im Zusammenhang mit Olympischen und Paralympischen Spielen. Die Ausgestaltung der Verträge zwischen dem IOC und der jeweiligen Ausrichterstadt ist dabei nur ein Beispiel, die finanziellen Risiken für die betroffenen Kommunen sind ein anderes. Allerdings sind das Themen, die der DAV weder zu entscheiden noch zu verantworten hat. Hier sind andere Stellen gefragt, kompetent zu informieren und zu bewerten. Die Entscheidung, ob letztlich die Vorteile oder die Nachteile einer Durchführung Olympischer und Paralympischer Spiele in München 2022 überwiegen, fällen die Wählerinnen und Wähler in den betroffenen Kommunen. Und das ist auch gut so. Sache des DAV ist es, sich für die Belange des Umwelt- und Naturschutzes in den Alpen einzusetzen. Und das tut er am besten, indem er "von innen" am Bewerbungskonzept aktiv mitwirkt, statt außen vor zu bleiben.

 

 

Contra München 2022

Erwin Rothgang

Mitglied des DAV-Bundesausschusses Natur- und Umweltschutz

 

"Nachhaltigste Bewerbung in der Geschichte!" – damit wollen die Befürworter von München 2022 bei den Bürgern punkten. Doch der Klimawandel wird auch vor olympischen Winterspielen nicht Halt machen. Und gerade für Winterspiele wird Natur und Landschaft benötigt – und verbraucht. Beides sind zentrale Themen des Alpenvereins: „Alpen unter Druck“! Der Erlebnis- und Erholungswert der Alpen, so steht es im Grundsatzprogramm, wird durch die Erschließungsspirale immer weiter beeinträchtigt. Wir helfen den Alpen gewiss nicht, wenn wir den Druck auf sie durch den weltgrößten Event erhöhen, der in der Natur ausgetragen wird.

 

Die Ausrichter olympischer Winterspiele müssen Schneesicherheit garantieren. Ich persönlich möchte niemandem zumuten, diese Garantie für den Winter 2022 und eine Höhenlage zwischen 500 und 1700 Meter abzugeben. Wenn, dann geht das nur mit einem eminenten Energieeinsatz für künstlichen Schnee. Im selben Jahr will Deutschland mit dem endgültigen Ausstieg aus der Atomkraft ein neues Energiezeitalter einläuten. Das ist „nachhaltig“ unvereinbar!

 

Olympische Spiele heizen die Boden-, Bau- und Mietpreise an. Ökonomische und soziale Gegensätze nehmen dadurch zu. Andere Regionen kämpfen gegen Abwanderung  und hoffen auf öffentliche Mittel – paradox! Und wird es außer dem IOC Gewinner geben? Der Host-City-Vertrag, sogar laut OB Ude „eine Zumutung“, legt fest, dass das IOC bestimmt, die Ausrichter dagegen alles zu übernehmen haben, auch Verluste. Die Liste der Ungereimtheiten ist lang, von der freien Fahrspur für die „olympische Familie“ bis zur unbekannten Zahl der Wettkampfdisziplinen, die ausgerichtet werden müssen.

 

Der DAV ist in den letzten Jahren einen guten Weg gegangen. Das Leitbild schreibt seine Doppelrolle als Bergsport- und Naturschutzverband fest. Das Grundsatzprogramm wurde aktualisiert. Mit der Anerkennung als Naturschutzverband hat er sich verpflichtet, im Konfliktfall dem Naturschutz Vorrang einzuräumen. Nun geht es aber nicht um Bergsport gegen Naturschutz! Bergsport findet in der freien Natur statt – im Gegensatz zu den olympischen Wettkämpfen, für die Anlagen in die Landschaft gebaut werden. Außerdem geht es um die Glaubwürdigkeit unseres Vereins überall dort, wo er in unserem gemeinsamen Interesse für den Schutz von Natur, Landschaft und Umwelt eintritt.

 

Deswegen ist mein Votum klar: Der DAV unterstützt die Bewerbung München 2022 nicht! Und er verhilft auch nicht in Bewerbungsunterlagen und Umweltkommissionen zu einem letztlich fragwürdigen Umwelt- und Nachhaltigkeitsimage.

 

 

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