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Piolets d’Or für David Lama und Hansjörg Auer

14.10.2019, 15:59 Uhr

Die „Piolets d’Or“ gehen in 2019 an David Lama, Hansjörg Auer und die britisch-slowenische Seilschaft aus Tom Livingstone, Luka Stražar und Aleš Česen. Ende September wurden Preise im Rahmen des Ladek Mountain Festivals in Polen vergeben.

Mit der renommierten Auszeichnung werden jedes Jahr besondere alpinistische Leistungen geehrt. Im Fall von David Lama und Hansjörg Auer soll die Vergabe des Preises auch an ihr Lebenswerk erinnern. Die Trophäen für die Ausnahmealpinisten, die im April 2019 zusammen mit dem Amerikaner Jess Roskelley in Kanada in einer Lawine ums Leben kamen, nahmen deren Familienangehörige entgegen.

 

David Lama: Solo-Erstbesteigung des Lunag Ri (6907 m)

Bis 2018 galt der Lunag Ri als einer der höchsten noch unbestiegenen Berge Nepals. Zuvor gab es nur vier wirkliche Besteigungsversuche. 2015 und 2016 unternahm David Lama gemeinsam mit Conrad Anker zwei Anläufe, die jedoch scheiterten. Der zweite Versuch musste nur 300 Meter unterhalb des Gipfels abgebrochen werden. Im Oktober 2018 entschied sich David Lama dazu, es alleine zu versuchen. Nach zwei Biwaks in der kombinierten Route erreichte er schließlich in technisch anspruchsvoller Kletterei den Gipfel (6907 m). Lama selbst beschrieb seine Tour als „tief eingegraben in meine Erinnerung durch ihre Ausgesetztheit, Schwierigkeit, Kälte und Einsamkeit, aber auch als erfolgreiche Vollendung eines persönlichen Projektes“.

 

Hansjörg Auer: Solobesteigung des Lupghar Sar West (7175 m)

Das Lupghar-Sar-Massiv im westlichen Karakorum besteht aus drei Gipfeln, die bisher äußerst selten erreicht wurden – nicht zuletzt wegen ihres brüchigen Felses. Seit den 1980er Jahren wurden weder der West- noch der zentrale Gipfel bestiegen. 2018 verließ Hansjörg Auer nach ausgiebiger Akklimatisation und Vorbereitung das Base Camp, passierte den spaltigen Baltbar-Gletscher und biwakierte auf 6200 Metern unterhalb der Westwand des Lupghar Sar West. Am folgenden Tag kam er ohne zweites Biwak aus und vollendete eine zügige Besteigung des Gipfels über die Westwand. Über einen ausgesetzten schmalen Grat erreichte er den höchsten Punkt auf 7175 Metern. Noch am gleichen Tag stieg er zum Basecamp ab. Die Auszeichnung würdigt nicht zuletzt die Schnelligkeit, mit der Auer sich in diesem schwierigen Gelände bewegte.

 

Tom Livingstone, Luka Stražar und Aleš Česen: Latok I (7145 m)

1978 unternahm eine Seilschaft aus vier Amerikanern den ersten Besteigungsversuch am Latok I über den Nordgrat. Nach 21 Tagen mussten sie in einer Höhe von 7000 Metern aufgeben. In den 40 Jahren danach folgten dutzende weitere Versuche, die alle unterhalb dieser Marke blieben. Die einzige Besteigung des Berges gelang einer japanischen Seilschaft – allerdings über die einfachere Südseite.

2018 waren zwei Teams am mittlerweile legendären Nordgrat unterwegs. Eine russische Seilschaft folgte der Gratlinie bis zum Vorgipfel, musste aber nach neun Tagen bei schlechtem Wetter umkehren. Sergej Glazunov stürzte beim Abseilen tödlich ab; sein Partner Alexander Gukov wurde nach weiteren Tagen von internationalen Bergsteigern aus über 6000 Metern Höhe gerettet.

Einige Zeit darauf starteten Tom Livingstone, Luka Stražar und Aleš Česen zum Nordgrat. Der Amerikaner Josh Wharton hatte ihnen einen Tipp für eine neue Routenführung gegeben. Sie folgten einem System von Eisrinnen auf der rechten Seite des Grates und umgingen dann durch eine lange Querung zum Westsattel (ca. 6700 m) den schwierigen letzten Grataufschwung. Im Sturm kletterten sie über die Schneehänge der Südwand und erreichten schließlich am fünften Tag den Gipfel auf 7145 Metern. Sie sind damit die Zweiten, die überhaupt dort standen – und die ersten, die dies von Norden schafften.