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ÖAV setzt sich für Mountainbike-Wegenetz ein

Ergebnisse der großen MTB-Umfrage veröffentlicht

24.05.2021, 16:43 Uhr

Mountainbiken hat sich vom Trend- zum Breitensport entwickelt und ist auch in den Alpenvereinen längst als Kernsportart verankert. Dies ist nur ein Ergebnis der Studie des ÖAVs, an der 2020 rund 14.657 Personen teilnahmen. Für den ÖAV ein klarer Handlungsauftrag: Gemeinsam mit allen Stakeholdern wird er sich mit Nachdruck für ein attraktives, zeitgemäßes und vor allem möglichst flächendeckendes MTB-Angebot einsetzen und seinen Beitrag zur besseren Sichtbarkeit und Akzeptanz des Sports leisten.

Die wichtigsten Umfrage-Ergebnisse

Eines hat sich klar herauskristallisiert: Das vorhandene Angebot an Strecken und Trails entspricht in Österreich schlichtweg nicht der Nachfrage.

Auch das e-MTB (Pedelec) hat Einzug in das Sektionsleben gefunden und erfreut sich großer Beliebtheit. Der steigende Nutzungsdruck bei allen Bergsportarten, besonders aber im Bikesport, erfordert durchdachte Konzepte und Lenkungsmaßnahmen im Konsens mit allen Lebensraumpartnern. Der Österreichische Alpenverein wird auch hier seine Aufgabe als Interessensvertretung der Mountainbiker*innen wahrnehmen und vermittelt im Interessensausgleich zwischen Wandernden und Biker*innen.

 

  • Mountainbiken ist längst keine Randsportart. mehr Über 68% der Befragten steigen mehrmals monatlich in den Sattel. Damit ist Mountainbiken nach Wandern bzw. Bergwandern die zweithäufigste Sommer-Sportart im Österreichischen Alpenverein.
  • Der Wunsch, den Sport aus seiner Illegalität zu heben, ist groß: 81% der Befragten fordern eine generelle Freigabe von Forststraßen, davon wünschen sich 42% ein zusätzliches Konzept zum Schutz sensibler Naturräume. Gerade der Naturgenuss wird von 88% der Befragten als das Hauptmotiv für den Sport angegeben.
  • Immer mehr mit Motor: Während 67% der Mountainbiker*innen mit einem normalen MTB unterwegs sind, geben 22% an, auch e-MTBs zu nutzen.
  • Rund 62% der befragten Mountainbiker*innen geben an, Forststraßen bergauf und Wanderwege bergab zu nutzen. Das zeigt die Notwendigkeit, sich bei der Freigabe von Mountainbike-Strecken nicht nur auf Forststraßen zu konzentrieren.
  • Der Konflikt zwischen Mountainbiker*innen und anderen Naturnutzer*innen, Forst oder Jagd kocht medial gerne hoch. Wir haben gefragt, wie Biker*innen wahrgenommen werden und sehen hier ein durchwegs positives Stimmungsbild. 45% der Mountainbiker*innen geben an, noch keine negativen Erfahrungen gemacht zu haben.
  • Mangel an freigegebener Infrastruktur: 46% geben an, dass das Angebot zwar ausreichend, aber nicht freigegeben ist. Ein Drittel sieht die Menge an freigegebenen Forststraßen als ausreichend, ein Fünftel aller Teilnehmenden sagt klar, dass es kein adäquates Angebot gibt.
  • Das Thema Haftung braucht aus Sicht des Österreichischen Alpenvereins mehr Aufmerksamkeit und Aufklärung: Ist eine Forststraße oder ein Wanderweg nicht freigegeben, so haften Grundstücksbesitzer*innen für einen Unfall nur dann, wenn ihnen grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz nachgewiesen werden kann.
 

Studien im Vergleich

Aufgrund der inhaltlichen Nähe zu der Studie Mountainbiken im DAV aus dem Jahr 2019 macht es Sinn, einige der Ergebnisse gegenüberzustellen.  

 

So wurde in beiden Studien zum Beispiel die Nutzung von E-Mountainbikes abgefragt. 2019 ergab die DAV-Studie, dass die elektrische Unterstützung noch nicht allzuweit verbreitet ist: nur 10 Prozent der Befragten gaben an, ein E-MTB zu besitzen. Bei den Befragten des ÖAV im Jahr 2020 sieht das schon anders aus: 22 Prozent besitzen ein E-Mountainbike, 14 Prozent davon aber zusätzlich auch ein "normales" MTB.

 

Ein wichtiges Thema sind auch negative Erfahrungen und Konflikte auf der Tour. In der DAV-Studie gaben rund 37 Prozent an, schon mal negative Erfahrungen auf MTB-Touren gemacht zu haben. Dabei stehen soziale Konflikte, vor allem mit Wandernden oder E-Mountaibiker*innen, im Vordergrund. Aber auch ein fehlendes Angebot an spezifischen MTB-Strecken wird kritisiert, ein Problem, das auch die Befragten des ÖAV umtreibt, denn: Lediglich 12 Prozent fahren ausschließlich auf freigegebenen Routen. Und zwar weil eine legale Ausübung des Sports für einen Großteil der Nutzer*innen in Österreich nicht möglich ist. Aus diesem Grund wünschen sich auch 81 Prozent eine generelle Öffnung der Forststraßen, 42 davon allerdings mit einem zusätzlichen Konzept für sensible Naturräume. Aber auch soziale Konflikte sind in Österreich bekannt: auf Forststraßen machten 38 Prozent der Biker*innen bereits negative Erfahrungen mit Grundeigentümern, auf Wanderwegen gab es sogar für 41 Prozent schon mal Ärger – meistens mit Wandernden. 

 

Dass Mountainbiken hinsichtlich der Anfahrt ein klimafreundlicher Sport ist, zeigte sich schon 2019: 48 Prozent gaben an, ihre Touren direkt vor der Haustüre zu starten, 34 Prozent nehmen Anfahrtswege von maximal 50 Kilometern in Kauf. In der Studie des ÖAV gaben sogar 92 Prozent an, ihre Touren unter anderem direkt vor der Haustüre zu starten. 57 Prozent fahren, wenn nötig, allerdings auch mit dem Auto zum Ausgangspunkt. 

 

Wie geht's weiter?

Die Ergebnisse der Umfrage lässt der ÖAV im Laufe des Jahres 2021 in ein überarbeitetes Positionspapier zum Thema MTB/e-MTB einfließen. Darüber hinaus werden Umsetzungsschritte und ein Konzept erarbeitet, wie der ÖAV zukünftig aktiv dazu beitragen kann, den Mountainbike-Sport verantwortungsvoll zu fördern, indem das Angebot an legalen Bikestrecken erweitert wird. Regional erfolgreiche Modelle gibt es bereits. Außerdem möchte der ÖAV in Zukunft seine Aufgabe als eine Interessenvertretung für den Bike-Sport wahrnehmen und gemeinsam mit anderen alpinen Vereinen und Stakeholdern mit Nachdruck an einer Verbesserung der Situation für Biker*innen in Österreich arbeiten.

 

Dabei ist ein respektvoller Umgang mit anderen Nutzer*innen und mit unserer Natur Grundvoraussetzung für ein friedliches Miteinander. Um das zu gewährleisten, will der ÖAV eine Etikette für alle Bergsporttreibenden etablieren. Erlebnisgewinn durch Verzicht und die Akzeptanz anderer Bewegungsformen in unseren Bergen sichert nachhaltig die Möglichkeit zur Ausübung der Bergsportarten und unseren Alpenraum.

 

Alle Ergebnisse der MTB-Umfrage & Grafiken: http://bit.ly/mtb-umfrage

 

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"Sie fahren querfeldein, sind rücksichtslos oder zerstören Wege..." - Es gibt viele Vorurteile gegenüber dem Mountainbiken als Bergsport. Mit unseren Stammtischweisheiten und konkreten Antworten und Hintergrundinfos dazu wollen wir den Dialog zwischen Mountainbiker*innen und Kritiker*innen fördern und aufklären, um Konflikte beizulegen.

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Mountainbikerinnen und Mountainbiker lieben die Natur – so lautet eine der Erkenntnisse aus der Umfrage „Mountainbiken im DAV“. Die Motivationen und Ansichten von MTB- und E-MTB-Fahrerinnen und Fahrern sind recht ähnlich. Zwischen beiden Gruppen gibt es aber auch Unterschiede. Im Sommer 2019 führte der DAV eine Umfrage unter Mountainbikerinnen und Mountainbikern durch. Das Ziel war, mehr über deren Motivation, das Verhalten und die Einstellungen zu erfahren. Dabei interessierten insbesondere die Unterschiede zwischen den Fahrerinnen und Fahrern klassischer MTBs und E-MTBs (in der Umfrage als „MTBike“ und „MTPedelecs“ bezeichnet). Über 7500 aktive Mountainbikerinnen und Mountainbiker aus den DAV-Sektionen nahmen teil. Darunter waren dreiviertel Männer – was nicht überrascht, ist der Sport doch immer noch stark männlich geprägt. Die Studie ist nicht repräsentativ; die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entstammen einer ausgewählten MTB-affinen Stichprobe.