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Zusammenschluss Pitztal - Ötztal: Verfahren läuft

04.07.2016, 09:55 Uhr

Die Skigebietsbetreiber des Pitztaler Gletschers und Sölden haben offiziell die Pläne für den skitechnischen Zusammenschluss der Tiroler Landesregierung überreicht.

Zusammenschluss? Oder neues Skigebiet?

Laut Tiroler Tagesanzeiger vom 23.06.2016 liegen die Pläne jetzt der Landesumweltanwaltschaft vor. Dort werden sie auf Vollständigkeit geprüft und für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vorbereitet.

 

Das Projekt ist gigantisch: Drei neue Gondelbahnen sollen Mittelbergferner, Karlesferner und Hangender Ferner erschließen. Eine Gondel verbindet Mittelberg im Tal bis zum Mittelbergferner, wo ein großes Seilbahn- und Gastronomie-Zentrum entstehen soll. Zwei weitere Gondelbahnen verbinden von dort aus ins Pitztaler Gletscherskigebiet und via Linker Fernerkogel (3.277 m) nach Sölden. Insgesamt würden mindestens 64 Hektar an Pistenfläche, davon 95% auf den Gletschern, entstehen. Sollte dieses Vorhaben genehmigt werden, wäre das entstehende Gebiet das größte Gletscherskigebiet der Welt.

 

Das Projekt gleicht also vielmehr dem Neubau eines kompletten Skigebiets mittlerer Größe, der Begriff "Zusammenschluss" trifft in diesem Fall nicht zu.

 

Kaum rechtliche Hürden für das "Jahrhundertprojekt"

Die Tiroler Landesregierung hat den Weg für das Projekt vor Jahren schon geebnet: im Tiroler Raumordnungsprogramm sind die besagten Gletscher explizit für die Erweiterung festgelegt worden und vom Protokoll zum Schutz der Gletscher ausgenommen. In der Koalitionserklärung der Regierung wird der Zusammenschluss ermöglicht, jedoch ohne Pistenanlage.

In Politik und Wirtschaft wird das Vorhaben häufig als die "Jahrhundertchance" betitelt, gar als eine nachhaltige und ökonomisch unabdingbare Maßnahme gehandelt.

 

 

Klare Haltung der Naturschutzverbände - Erschließung setzt falsches Signal

Nach der Prüfung der Unterlagen auf Vollständigkeit startet die Umweltverträglichkeitsprüfung - Naturschutzverbände werden um Beteiligung und Einreichung einer Stellungnahme gebeten. Der DAV wird dazu klare Stellung beziehen: der weitere Ausbau von technischer Infrastruktur in noch unerschlossene (Gletscher-)Regionen, ist keine nachhaltige Entwicklung und setzt ein falsches Signal in der Tourismusentwicklung. In Zeiten rückläufiger Skifahrerzahlen und Erwärmung ist ein Umdenken für alternative und ressourcenschonende Tourismusformen gefordert. Intakte alpine Natur- und Landschaft ist das Kapital der nächsten Generationen.

 

Weiterführende Informationen zum Vorhaben

 

Aus der aktuellen Presse:

 

Zusammenschluss Pitztal - Ötztal

Stellungnahme von DAV und ÖAV eingereicht

Mehr erfahren
DAS Mega-Projekt: Mittelbergferner, Hangender Ferner, Karlesferner und Linker Fernerkogl sollen mit Seilbahnen und Pisten erschlossen werden um die Skigebiete Pitztaler Gletscher und Sölden miteinander zu "verbinden". Am 1. Juli 2019 haben ÖAV und DAV eine unmissverständliche Stellungnahme zum Vorhaben abgegeben.