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Wenn der Permafrost weicht

Arktisches Rutschen dokumentiert

06.04.2019, 17:22 Uhr

Permafrost gilt als Kitt, der die Alpen zusammenhält. Was passiert, wenn dieser Kitt verschwindet, haben Forscher der Universität Ottawa nun an einem ganz anderen Beispiel, der Banksinsel im kanadisch-arktischen Archipel, dokumentiert.

Klimawandel gestaltet Arktis um

Arktis-Studien aus den vergangenen Jahren haben bereits mehrfach gezeigt, dass das sich verändernde Klima besonders starke Auswirkungen auf die nördlichen Breiten unseres Planeten hat: der Permafrost taut, statt wie einst nur in den oberen Schichten, immer weiter und tiefer auf.

 

Weil das Eis den Boden nicht mehr stabilisiert, verliert dieser seinen Halt und die Landschaft verändert sich.

 

In einer Studie haben Forscher der Universität Ottawa nun Satellitenaufnahmen aus den letzten 30 Jahren ausgewertet. Auf den Fotos zu sehen ist die Banksinsel, die im Nordwesten Kanadas liegt und etwa so groß wie Bayern ist. Die Auswertungen ergaben, dass es 1984 auf der Insel etwa 60 aktive Rutsch-Bereiche gab – hufeisförmige Erosionsstellen, die im Fachjargon Retrogressive thaw slumps (RTS) heißen. An diesen Stellen sackt die oberste Erdschicht nach dem Wegtauen des Permafrostes ein; ein Rutschprozess kommt in Gang, bei dem immer neues Material von oben nachrutscht.

 

Zeitrafferaufnahmen zeigen nun, wie stark die Erosion voranschreitet: die Erosionsstellen bewegen sich um bis zu 15 Meter pro Jahr. Alarmierend: Die Zahl der Erdrutsche hat über die Jahre drastisch zugenommen, im Jahr 2013 gab es bereits 4.000 Erdrutsche. Besonders viele Erdrutsche (85 Prozent) haben sich nach vier besonders heißen Sommern (1998, 2010, 2011 und 2012) gebildet.

 

Für die Forscher ist klar: der Klimawandel gestaltet die arktische Landschaft regelrecht um.

 

 

Weitere Info

Mehr zur Studie der kanadischen Forscher in ihrem Beitrag im Fachmagazin Nature.