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Steinadler – Der faszinierende König der Lüfte

25 Jahre Steinadlerforschung im Nationalpark Berchtesgaden

15.04.2019, 11:39 Uhr

Dem Steinadler geht es heute so gut wie lange nicht mehr. – Das ist das zentrale Ergebnis des 25 Jahre zurückreichenden Monitorings im Nationalpark Berchtesgaden. Gesellschaftliches Umdenken im frühen 20. Jahrhundert und ein intensiver Schutz ermöglichten, dass sich die Bestände heute langsam wieder erholt haben.

Erst bedroht, dann beschützt

Fast wäre er ausgerottet gewesen: „Um 1900 gab es am bayerischen Alpenrand nur noch sehr wenige freilebende Steinadler“, erläuterte Ulrich Brendel, einer der beiden längenjährigen Leiter des Adlerprojektes in den Berchtesgadener Alpen, im April während eines Vortrags im Nationalparkzentrum die Bedrohung der majestätischen Vögel durch den Menschen. Als Nahrungskonkurrenten und vermeintliche Kindsräuber wurden sie über Jahrhunderte verfolgt und abgeschossen.

 

Heute zählen die Steinadlerforscher in den Chiemgauer und Berchtesgadener Alpen (letztere reichen mit vier Revieren bis nach Österreich hinein) wieder insgesamt 16 Steinadlerpaare. Überhaupt sehen die Experten derzeit zuversichtlich auf die hiesige Steinadlerpopulation. Der Bruterfolg zeigt in den vergangenen 25 Jahren eine stabile bis leicht positive Tendenz.

 

Offene Fragen

Viele Geheimnisse konnten die Forscher bereits lüften, an anderen arbeiten sie noch: Steinadler sind langlebig und werden regelmäßig älter als 20 Jahre. Das Monitoringprogramm im Nationalpark hat entsprechend erst eine Adlergeneration dokumentiert. 2019 wollen die Wissenschaftler versuchen, eine der letzten offenen Fragen der Steinadlerforschung zu beantworten: Wohin und wie weit ziehen die Jungadler, wie hoch ist ihre Überlebenschance und wo finden sie ein eigenes Revier?

 

Dazu arbeiten die Berchtesgadener Experten mit Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts in einem internationalen Forschungsprojekt zusammen: Zwei Jungadler werden kurz vor dem Ausflug mit einem Miniatur-GPS-Sender ausgestattet. Über mehrere Jahre sollen die Tiere Daten liefern, an denen ihr Abwanderungsverhalten nachvollzogen werden kann.

 

Kommunizieren und aufklären

Um die Steinadler effektiv zu schützen, setzen die Berchtesgadener auf Kommunikation und Transparenz. So informieren sie beispielsweise die Drachen- und Gleitschirmvereine darüber, welche Steinadlerhorste besetzt sind. Mit aktuellen Karten ausgestattet, können die Sportler Störungen durch Flüge in die jeweils betroffenen Gebiete vermeiden; auf diese Weise übernimmt jeder selbst Verantwortung für den König der Lüfte.

 

Auch zu Fuß können Nationalparkgäste dem Steinadler näherkommen und mehr erfahren: Im Klausbachtal finden regelmäßig geführte Wanderungen statt. Die Wahrscheinlichkeit, bei solch einer Führung tatsächlich einen Steinadler zu sehen, liegt laut Nationalparkverwaltung bei 90 Prozent.

 

Weitere Info

Wer mehr über Steinadler im Nationalpark Berchtesgaden erfahren und die Tiere idealerweise auch erleben möchte, kann sich einer Führung anschließen:

 

Wann: regelmäßig donnerstags, 10 Uhr – 13:30 Uhr

Ort: Nationalpark-Infostelle Hintersee („Klausbachhaus).

Hin und weg: regelmäßiger Bus von Berchtesgaden über das Bergsteigerdorf Ramsau zum Hintersee. 

Gebühr: kostenfrei

 

Weitere Details zum Nationalpark Berchtesgaden und zur geführten Wanderung ins „Tal der Adler“.