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Rückkehr eines Urbayern

Nationalpark Berchtesgaden für Wiederansiedlung des Bartgeiers geeignet

24.02.2020, 10:27 Uhr

Vor mehr als einhundert Jahren hat der Mensch den Bartgeier in Bayern ausgerottet. Nun sieht es ganz so aus, als ob der Gigant der Lüfte nach Deutschland zurückkehren könnte. Vor allem im Nationalpark Berchtesgaden scheinen die Voraussetzungen ideal.

Schon 2021 erste Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden?

Die Chancen, dass bereits 2021 erste Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden freigelassen werden könnten, stehen gut. Eine Machbarkeitsstudie vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) ergab, dass die Berchtesgadener Alpen besonders geeignet sind für ein solches Vorhaben. Schon bald könnten also zwei besenderte Jungvögel aus einem internationalen Zuchtprogramm in die Freiheit entlassen werden.

 

Historisch belegt

Wenngleich er heute weniger bekannt ist als der Steinadler, gehört der Bartgeier doch zu den Ostalpen.

 

Gerade für Berchtesgaden liegen viele historische Nachweise für den Bartgeier vor, so etwa das lebensgroße Gemälde in der Gaststätte auf St. Bartholomä.

 

Dass der harmlose Knochenfresser in den Alpen gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch den Menschen dennoch ausgerottet war, lag vor allem an seinem schlechten Image: er galt als Schaf- und Kinderräuber. Mit Gift, Abschuss oder Aushorstung wollte man sich damals des Bartgeiers entledigen. Heute weiß man, dass sich der Bartgeier ausschließlich für Knochen interessiert. Nur die Küken werden von den Elterntieren mit Aas gefüttert.

 

Mit Hilfe nach Hause

Um seinen angestammten Lebensraum zurückzuerobern, braucht der Bartgeier eine entscheidende Unterstützung durch den Menschen: „Das größte Risiko geht von Bleivergiftungen aus, welche sich die Vögel durch Reste von mit Munitionsrückständen belastetem Jagdwild zuziehen und dann qualvoll verenden“, erläutert der Ornithologe Toni Wegschneider, der die Machbarkeitsstudie für den LBV durchführte.

 

Aus Österreich ist bekannt, dass die Hälfte aller tot aufgefundenen Bartgeier qualvoll an Bleivergiftungen verendet ist. – Das Blei schädigt die Nerven, stört das Flug- und Orientierungsvermögen und verursacht einen Gewichtsverlust.

 

Das giftige Schwermetall stammt aus bleihaltiger Gewehrmunition, wie sie von Jägern verwendet wird. Flüchtet angeschossenes Wild und wird später verendet von Aasfressern gefunden, nehmen die Vögel winzige Bleirückstände über die Nahrung auf. Stark bleibelastet ist oft auch der so genannte „Aufbruch“ von mit bleihaltiger Munition erlegtem Wild. Wenn diese Innereien draußen im Revier verbleiben, nehmen verschiedene Tiere sie auf. Die Magensäure des Bartgeiers zersetzt das Schwermetall und verteilt es im gesamten Körper. „Daher ist es für den Bartgeier und auch andere Greifvögel von zentraler Bedeutung, flächendeckend auf bleifreie Jagdmunition umzusteigen“, empfiehlt Wegscheider.

 

Im Nationalpark Berchtesgaden wurde die Bejagung mit bleihaltiger Munition 2014 eingestellt. „Wichtig ist aber, dass möglichst viele Jagdausübende in der gesamten Region zum Schutz unserer großen Greifvögel auf bleifreies Jagen umstellen, sonst haben die Bartgeier keine Chance“, appelliert der Wildbiologe auch an Jagdausübende rund um das Schutzgebiet, sich dem Prozess anzuschließen. Hier befinde sie die Region nach Einschätzung des Experten bereits auf einem guten Weg.

 

Weitere Info

Seit 1986 findet in den Alpen ein Wiederansiedlungsprojekt in den Alpen statt, das bereits Erfolge zeigte – bislang allerdings nur in den Westalpen: In Frankreich, in der Schweiz und in Norditalien brüten heute wieder mehr als 30 Paare erfolgreich. In den Ostalpen hingegen stagniert der Bestand mit vier Brutpaaren auf einem niedrigen Niveau. Das ostalpine Vorkommen könnte durch die Aktivitäten im Nationalpark Berchtesgaden gefördert werden.

 

Beobachtungen sind für Bartgeier-Forscher von Interesse, vor allem während der alljährlichen Internationalen Bartgeier-Beobachtungstage. Weiterführende Links dazu sowie ein kurzes Artenporträt finden sich hier.