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Neuer Klettersteig im Naturpark sorgt für Ärger

16.07.2020, 13:48 Uhr

Die Errichtung touristischer Attraktionen im Gebirge hat weiter Hochkonjunktur. Nun soll im Partschinser Zieltal im Naturpark Texelgruppe ein neuer Klettersteig mit vier Seilbrücken über den tosenden Zielbach errichtet werden. Der AVS fordert eine umgehende Einstellung der Bauarbeiten.

Neuerschließung im Naturpark Texelgruppe

Tourismusvereine und Bergbahnen sind zunehmend bestrebt, das Angebot an Klettersteigen zu erweitern, um ihre Auslastung zu verbessern und neue „Attraktionen“ zu schaffen. Als wäre die Bergwelt an sich nicht spektakulär genug! Der Bau eines Klettersteigs in einem noch unberührten Gebiet des Naturparks Texelgruppe ist mehr als fragwürdig.

Der Bau von Klettersteigen in Schutzgebieten steht dem Sinn und Zweck solcher Gebiete diametral entgegen. Die noch wenigen unerschlossenen Gebiete sind daher als Ruhezonen zu erhalten; künstliche Installationen, wie der geplante „Brückenparcours“, lehnen die Alpenvereine in ihrem Grundsatzprogramm gemeinsam ab.

 

Gezielte Falschmeldung über Zustimmung durch den Alpenverein

Nur durch Zufall hat der Alpenverein von der Genehmigung bzw. vom unmittelbar bevorstehenden Bau des neuen Klettersteigs erfahren. Allem Anschein nach wurde eine sachliche Bewertung vorab bewusst umgangen! Ohne Umwege ging der Klettersteig durch die Landeskommission für Landschaftsschutz, ohne Einwände des Amtes für Natur. Scheinbar orientierte sich das Naturschutzamt an einer gezielten Falschmeldung, nach der der Alpenverein Südtirol mit dem Projekt einverstanden sei. Der Alpenverein wurde diesbezüglich nie kontaktiert!

Als größter Interessensvertreter der Bergsteiger in Südtirol und Experte im Bereich Bergsport, Wege und Umwelt kann und will der Alpenverein diese Art der Beschlussfindung der Politik und der zuständigen Ämter nicht mehr mittragen.

 

Erschließungsgegner als Namensgeber eines Klettersteigs

Eugen Guide Lammer-Klettersteig soll der neue Steig heißen – eine ärgere Beleidigung hätte man dem Topographen der Texelgruppe wohl kaum zuführen können. Der österreichische Alpinist (1863 - 1945) ist bekannt für seine äußerst kritische Haltung zur Verwendung von technischen Hilfsmitteln zur Besteigung der Berge. Lediglich Pickel, Steigeisen und Bergseil sollen zur Grundausrüstung eines Bergsteigers gehören. Die Verdrahtung und das Anbringen von künstlichen Hilfsmitteln wie in einem Klettersteig ganz sicher nicht. 

 

 

 

#unserealpen - Gemeinsames Engagement der Alpenvereine

Ende 2018 starteten die Alpenvereine AVS, DAV und ÖAV die gemeinsame Kampagne "Unsere Alpen". Sie möchten damit in einer breiten Öffentlichkeit deutlich machen, wie einzigartig, vielfältig und wertvoll die Alpen sind – und dass dieser Natur- und Kulturraum massiv bedroht ist. Wer die Kampagne unterstützen möchte, kann dies zum Beispiel auf Instagram tun und unter #unserealpen ein Bild sowie seinen Kommentar posten.

 

Die gesamte Pressemitteilung des Alpenverein Südtirol und zusätzliche Infos zum geplanten Projekt hier: