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Rekordtemperaturen im Permafrost

07.11.2016, 14:17 Uhr

Permafrosttemperaturen in den Schweizer Alpen folgen seit 2009 einem deutlichen Erwärmungstrend: 2014 waren die Bodentemperaturen im Schweizer Messnetz (PERMOS) so hoch wie noch nie seit Messbeginn.

Permafrost erfüllt eine wichtige Funktion im Hochgebirge: so lange Boden, Schutthalden oder Felswände gefroren sind, wirkt Permafrost stabilisierend. Bei Erwärmung drohen Instabilitäten, Hangbewegungen und im härtesten Fall größere Felsstürze. Der neueste Bericht des Schweizer Permafrost Messnetzes (PERMOS) zeigt aktuelle Daten von Messstandorten in der Schweiz für den Zeitraum 2010 - 2014.

 

 

Rekordtemperaturen 2014

Die gemessenen Permafrost-Temperaturen in Bohlöchern auf 10 Meter und 20 Meter tiefe zeigen seit 2009 einen Erwärmungstrend. In dem Beobachtungszeitraum 2010 - 2014 setzte sich dieser Trend fort, so dass 2014 die bisher wärmsten Bodentemperaturen gemessen wurden.
 

 

Blockgletscher auf Überholspur

Die Erwärmung hat auch direkte Auswirkungen auf die Kriechgeschwindigeiten von eishaltigen Hängen und die Fließgeschwindigkeiten von Blockgletschern.

Seit 2007 nahmen alle überwachten Blockgletscher wieder deutlich an fahrt auf: seit 2010 nahmen die Geschwindigkeiten um mehr als 50% zu und alle Blockgletscher erreichten im Jahr 2014 Rekordwerte.

 

Felsstürze: eine aktive Messperiode

Auch die Verbindung von Permafrost und Felsstürzen wurde seit 2010 nochmal verdeutlicht.

Denn, es war einiges los: allein in den Schweizer Alpen wurden 12 größere Felsstürze aus Permafrostbereichen beobachtet. Die größten darunter waren der Felssturz am Piz Cengalo im Bergell (1,5 Mio. m³, 2013), der Felssturz am Birghorn (500.000 m³, 2011) und am Piz Kesch im Engadin (150.000 m³, Winter 2014). Siehe dazu auch den Artikel in Panorama 6-2014 für nähere Details.

 

Die Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über alle Felsstürze in der Schweiz aus Permafrost-Bereichen (Quelle: PERMOS, www.permos.ch):

 

Felsstürze im Permafrost in den Schweizer Alpen seit 2011
Ort/Gipfel Datum Höhe (m) Ausrichtung Volumen (m³)
Cengalo 07/2011 2.950 NW 10.000
Piz Lischana 07/2011 3.100 SE 2.000
Klein Kärpf 08/2011   N 1.700
Birghorn 11/2011 2.870 N 500.000
Häuslhorn 06/2012 2.000 S 10.000
Cengalo 12/2011 2.950 N 1,5 Mio.
Sattelstöckli 07/2012 2.400 NO 5.000
Sphinx 10/2012 3.500 SSE 1.500
Cengalo 09/2013 2.740 N 100.000
Ober Rotegg 05/2014 2.650 SW 20.000
Casaccia 08/2014 2.000 S 2.000 - 3.000
Piz Kesch 02/2014 3.100 N 150.000

 

 

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