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Nackt in die Berge?

18.09.2020, 08:09 Uhr

Bergsport sticht Naturschutz? Bei Outdoor-Kleidung und Ausrüstung ist das immer noch oft der Fall. Warum das nicht so sein muss, lest ihr hier.


Du bist mit Bahn und Bus zum Startpunkt deiner Tour gefahren. Die Gipfel-Brotzeit kommt vom Bauernhof im Tal. Und auf dem Weg nach oben trittst du auf keine Pflanze und machst einen Bogen um jede Ameise. Also alles richtig gemacht? Fast. Denn eine Sache übersehen viele Bergsportler-innen und Naturfreunde oft: Die Wahl der Outdoor-Kleidung und des Equipments spielt eine wichtige Rolle, wie umwelt- und klimafreundlich man wirklich unterwegs ist.

Die Industrie hat erkannt, dass sich immer mehr Menschen mit diesem Thema beschäftigen. Es gibt duzende Siegel, die bei der Orientierung helfen sollen. Doch bereits die schiere Anzahl ist unübersichtlich. Dazu kommt: Einige sollen dem Hersteller oder dem Produkt nur einen ökologischen Anstrich verpassen, sind also reine Greenwashing-Label. Andere meinen es ernst und sind wirklich hilfreich. Manche Marken kreieren ihre eigenen Siegel, andere wiederum werden von einem Hersteller-Verbund getragen und dann gibt es noch staatliche Initiativen. Dabei stellt sich immer die Frage: Wem kann man trauen?

 

Kein Produkt ohne Impact

Jedes Produkt hinterlässt Spuren: Wenn es produziert wird, wenn es getragen und gewaschen wird und wenn es entsorgt wird. Viele synthetische Stoffe werden aus Erdöl hergestellt. Damit Jacken und Hosen atmungsaktiv und wasserabweisend sind, verwenden die Hersteller giftige Chemikalien. Jedes Mal, wenn ihr ein Kleidungsstück tragt oder wascht, geraten kleinste Partikel in die Umwelt, die von der Natur nicht abgebaut werden können. Aber deshalb nackt raus zu gehen, ist auch nicht für jeden eine Option. Deshalb geht es letztendlich darum, den negativen Einfluss zu reduzieren.

 

 

Es gibt mehrere Hebel, an denen man ansetzen kann. Am einfachsten und kostengünstigsten ist es, Kleidung und Ausrüstung, die man ohnehin schon hat, so lange wie möglich zu verwenden. Erst wenn wirklich gar nichts mehr geht, also auch reparieren nicht mehr verhältnismäßig ist, wenn es also etwas Neues sein muss, dann helfen besagte Siegel weiter. Einen ersten Überblick liefert die Seite siegelklarheit.de. Dort sind viele bekannte aber auch Nischen-Label aufgeführt und bewertet.

 

 

Siegel für Sozial- und Umweltstandards

Manche Labels bewerten, wie ein Produkt hergestellt wird: Welche Materialien werden verwendet? Welche Verfahren eingesetzt? Andere Siegel nehmen die Menschen in den Blick, die unsere Sachen herstellen: Wie sieht es mit angemessenen Arbeitszeiten aus? Werden die Arbeiterinnen und Arbeiter fair bezahlt? Wenn ein Produkt eines Herstellers mit einem Siegel zertifiziert wurde, bedeutet das nicht zwingend, dass das für die gesamte Linie oder gar das komplette Sortiment gilt.

 

Zugreifen oder besser Finger weg? Eine Auswahl vorbildlicher Label

  • Green Shape: ist ein Siegel des Outdoor-Herstellers Vaude. Die ausgezeichneten Produkte sind aus nachhaltigen Materialien ressourcenschonend und fair hergestellt.
  • Down Codex: 2009 hat Mountain Equipment begonnen, Daunenprodukte mit diesem Siegel zu bewerten. Ziel ist es, die Haltebedingungen der Tiere zu verbessern.
  • Bluesign: von Textil- und Chemieexperten gegründet, hat es seit 2000 zum Ziel, die Umwelteinflüsse der Textilindustrie zu verringern.
  • FWF: die Fair Wear Foundation ist das bekannteste der Soziallabel. Gewerkschaften, NGOs sowie Handels- und Herstellerorganisationen tragen es mit. Das Ziel ist, die Arbeitsbedingungen in Unternehmen der Textilindustrie weltweit zu verbessern.
  • Fair Labor Organisation: ein Zusammenschluss von Universitäten, NGOs und Unternehmen. Die Initiative möchte die Arbeitsbedingungen weltweit verbessern.
 

Bergsport ökologisch gerecht zu gestalten ist in manchen Bereichen einfach. Statt der Flugmango kom-men einfach Äpfel aus dem Tal in den Rucksack. In anderen, und dazu gehört die Auswahl ökologisch unbedenklicher Ausrüstung, ist es schwieriger. Label können uns helfen, die richtige Wahl zu treffen. Unsere Aufgabe ist es, uns zu informieren, welchen der Label wir vertrauen können, um nicht auf Schummel-Siegel hereinzufallen. Auch die DAV-Sektion Oberland hat einen Funktionskleidungs-Guide erstellt, der hilft, sich im Siegel-Dschungel zurechtzufinden.

 

Von den Bergen bis ins Meer – Mikroplastik

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Mikroplastik ist in aller Munde. Auch als Bergsteigerinnen und Bergsteiger leisten wir leider unseren Beitrag dazu. Die Kampagne #machseinfach möchte daher über das Thema aufklären und zeigen, wie wir unseren Plastik-Abdruck in der Umwelt verringern könne

Nachhaltigkeit bei Bekleidung und Ausrüstung

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Welche Aspekte kann man bei der Nutzung und dem Kauf von nachhaltiger Bekleidung und Ausrüstung im Bergsport beachten, um klima- und ressourcenschonend unterwegs zu sein? Unsere Kampagne #machseinfach klärt auf. Wer draußen in den Bergen ist, benötigt spezielle Outdoorbekleidung und Ausrüstung, egal ob bei einer Tageswanderung, einer hochalpinen Bergtour, auf dem Mountainbike oder beim Skitourengehen.   Wichtig ist es, sich darüber klar zu werden, welchen Aktivitäten man eigentlich nachgehen möchte, welche Ausrüstung dafür gebraucht wird und welche nicht unbedingt nötig ist. Diese Entscheidung wird einem natürlich nicht einfach gemacht. Ständig kommen neue Modelle von Jacken, Rucksäcken, Ski etc. auf den Markt, die suggerieren, dass sie unbedingt benötigt werden. Hier ist weniger oft mehr, und zwar mehr Nachhaltigkeit: Produkte, die gar nicht erst hergestellt werden, sind am schonendsten für Umwelt und Natur. 

Aus Alt mach Neu – Upcycling im Bergsport

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Upcycling – Was ist das eigentlich? Wie können Bergbegeisterte damit einen Beitrag zum Ressourcenschutz leisten? Die Antwort auf diese und weitere Fragen gibt euch unsere Kampagne #machseinfach. Upcycling ist heute in aller Munde, obwohl es eigentlich nichts Neues ist. Schon unsere Großeltern haben gebrauchte Dinge wieder- und weiterverwertet. So wurde beispielsweise aus alter Kleidung neue gemacht. Die Lebensdauer von Produkten zu verlängern oder Kaputtes zu reparieren, sollte immer der erste Schritt sein. Wie das geht, haben wir in unserem Artikel „Ressourcenschutz - Reparieren statt wegwerfen“ gezeigt. Denn es gilt immer: der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht.   Der Begriff Upcycling kommt von den Wörtern „Up“ (nach oben) und „Recycling“ (Wiederverwerten). Dabei werden alte, nicht mehr zu gebrauchende Produkte aufgewertet und in eine neue Form gebracht. Auch wenn der Materialwert gleich bleibt, hat das neue Produkt einen größeren Wert für seinen Nutzer. Es braucht nur etwas Mut und Kreativität. 

Ressourcenschutz – Reparieren statt wegwerfen

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Ohne Ausrüstung geht beim Bergsport gar nichts – egal ob Mountainbike, Skiausrüstung oder Wanderschuhe. Im Rahmen der Kampagne #machseinfach gehen wir daher der Frage nach, wie man seine Ausrüstung möglichst lange nutzen kann.

Weblinks - Wo steht was?

Klimawandel, Klimaschutz & Nachhaltigkeit

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Die Suche nach verlässlichen Informationen ist oft mühsam und zeitaufwändig. Gut recherchierte Webseiten zum Klimawandel, Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit sind hier für Sie zusammengestellt.