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Luchs im Spessart gesichtet

24.10.2017, 15:14 Uhr

Spannende Entdeckung in einem Waldstück im Landkreis Main-Spessart: Eine automatische Wildtierkamera zeigte einen Luchs! Wenn auch nicht in Gänze getroffen, dennoch ein Luchs.

Erster Nachweis seit eineinhalb Jahren

Im Oktober 2015 gab es bereits in Unterfranken einen ersten Fotonachweis eines Luchses, damals in der Schwarzen Rhön. „Wir wussten, dass der Spessart ein geeigneter Lebensraum für den Luchs ist. Leider hat es seit der letzten Luchssichtung in Main-Spessart im Februar 2016 bis jetzt eineinhalb Jahre gedauert, bis wieder ein Luchs nachgewiesen werden konnte“, sagt Sebastian Schönauer, stellv. Landesvorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern.

 

Luchse leben in Bayern vor allem in den östlichen Grenzgebieten zwischen Fichtelgebirge und Bayerischer Wald. In 2016/17 konnten dort mittels Fotofallen 56 mal Luchse dokumentiert werden. Die meisten von ihnen sind dabei „Grenzgänger“, die ebenfalls in der Tschechischen Republik leben.

 

Begehrtes Jagdopfer

Noch bis ins 17. Jahrhundert war der Luchs in großen Teilen Europas verbreitet. Wegen seines kostbaren Pelzes wurde er jedoch intensiv bejagt. Ab dem 19. Jahrhundert ist der Luchsbestand in Europa dramatisch gesunken. Im Bayerischen Wald wurde im Jahr 1846 der letzte Luchs geschossen. Im Alpenraum ist er seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verschwunden. Doch seit Anfang der 1990er Jahre haben sich die Tiere in den grenznahen Hochlagen des Bayerischen Waldes wieder angesiedelt.

Der sogenannte „Eurasische Luchs“ wird etwa so groß wie ein Schäferhund. Er ist jedoch leichter, schlanker, hochbeiniger und graziler. Luchse sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. In Mitteleuropa frisst der Luchs vor allem mittelgroße Wildtierarten wie Reh, Gämse oder Mufflon, aber auch Rothirsch, Hasen, Füchse, Wildschweine, Marder, Wild- und Hauskatzen, Kleinsäuger und Vögel.

Luchse sind innerhalb der Europäischen Union streng geschützt. In Bayern gilt der „Managementplan Luchs“, der vom Landesamt für Umwelt erarbeitet wurde. Das Ziel dieses Planes ist es, mögliche Konflikte zwischen Mensch und Tier weitgehend zu minimieren.

 

Wildtierkorridore, Grünbrücken und Schutzgebiete benötigt

Insbesondere Weidetierhalter können durch den Verlust an Weidevieh betroffen sein. Für größere Nutztiere, beispielsweise Rinder, stellt der Luchs keine Gefahr dar. Es wird nach Lösungen gesucht, Übergriffe von Luchsen auf Weidetiere zu verhindern bzw. zu minimieren. Herdenschutzhunde und auch Elektrozäune in der Weidehaltung sind dabei mögliche Maßnahmen. Ein Ausgleichsfonds steht zur Verfügung, der wenigstens die finanziellen Verluste mildert.

Jens-Peter Kiel, Ressortleiter Naturschutz beim Deutschen Alpenverein: „Wir begrüßen es, wenn sich der Luchs in Bayern wieder ausbreitet. Er ist eine Bereicherung für die heimische Natur! Für die weitere Rückkehr bedarf es auf gesellschaftlicher Ebene noch mehr Akzeptanz für den Luchs zu erlangen und auch die Problematik der Landschaftszerschneidung muss deutlich entschärft werden. Noch immer kommen zu viele Wildtiere beim Überqueren von Straßen zu Tode. Auch der Luchs ist dadurch gefährdet. Eine stärkere Vernetzung von Lebensräumen durch Wildtierkorridore und „Grünbrücken“ über stark befahrene Straßen sind hilfreiche Maßnahmen. Auch weitere großflächige Schutzgebiete würden Mensch und Natur zugutekommen.“