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Herbstlaub ohne Hightech räumen

Mit Besen und Rechen für mehr Leben

19.11.2021, 10:24 Uhr

In den Bergen hat der Winter schon vorbeigeschaut, doch in vielen Regionen im ganzen Land beschert noch immer Herbstlaub mitunter prächtige Farbspiele. In zahlreichen Gärten und Grünanlagen wird dem herabfallenden Laub währenddessen einmal mehr mit Laubbläsern oder -saugern zu Leibe zu gerückt. Der bayerische Naturschutzverband LBV ruft dazu auf, auf die motorisierten „Gartenhelfer“ zum Wohl der Natur und der Mitmenschen zu verzichten und lieber zu Besen und Rechen zu greifen.

Laubentferner mit effektiv vielen Nachteilen

Moderne Laubentferner sind zwar scheinbar effektiver, bergen jedoch viele Nachteile: Sie zerstören den Lebensraum der Kleinstlebewesen. So können Käfer, Spinnen, Tausendfüßer bis hin zu Amphibien und Kleinsäugern dem bei Laubbläsern entstehenden Turboluftstrom von bis zu 300 km/h nicht entkommen. Ähnlich schwerwiegende Auswirkungen auf die Natur haben Laubsauger: neben den welken Blättern geraten auch überwinternde Kleintiere in den Sog und in das Häckselwerk der Geräte.

 

Lässt man indes die heruntergefallenen Blätter und Äste auf dem Boden verrotten, bietet sich vielen Tieren einen sicheren Platz zum Überwintern. Regenwürmer, Asseln, Springschwänze und Milben verwandeln Laub und Pflanzenreste in Humus und dienen Vögeln und anderen Tieren als Nahrung. Fehlen sie, gehen Bodenfruchtbarkeit und die Artenvielfalt im Garten verloren. Sind erst einmal ein paar Jahre immer wieder alle Blätter weggeputzt worden, lassen sich kaum noch Schmetterlinge, Käfer, Meisen und Igel sehen.

 

Neben der Natur und den Tieren sind die Geräte auch für den Menschen schädlich: Laubentferner mit Verbrennungsmotor stoßen gesundheitsschädliche Abgase wie Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Kohlenmonoxid aus. Sie wirbeln auch jede Menge Staub, Pollen und Schimmelpilze auf, die in die menschliche Lunge gelangen können. Zudem führen die Geräte mit einer Lautstärke von oft über 100 Dezibel – das entspricht dem Geräuschpegel eines Presslufthammers – zu einer enormen Lärmbelästigung. Zwar lassen sich diese unangenehmen Nebenaspekte mit Mund- und Gehörschutz verringern, doch die Umgebung sowie Haus- und Wildtiere sind diesen negativen Nebeneffekten schutzlos ausgesetzt.

 

Der LBV empfiehlt daher, auf diese oftmals übertriebene Gründlichkeit zu verzichten und wieder zu Rechen und Besen zu greifen, die ganz ohne schädliche Emissionen auskommen. In Gärten und Grünanlagen schadet eine dünne Laubschicht dem Rasen nicht, sondern führt ihm sogar Nährstoffe zu: Auf Beeten und unter Sträuchern verteilt, schützen die Blätter den Boden als natürlicher Wintermantel vor dem Austrocknen und die Wurzeln vor Frost. Außerdem freuen sich Tiere wie Igel, Spitzmaus und Kröte in einer windstillen Ecke über einen Ast- und Laubhaufen als Winterquartier. Bis zum Frühjahr verrotten die Blätter dort langsam und können dann als natürlicher Dünger verwendet werden.