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Großkraftwerk Sellrain-Silz vorerst gestoppt

20.12.2018, 09:04 Uhr

Kurz vor Weihachten bekommen die Naturschutzverbände und Alpenvereine noch ein dickes Weihnachtsgeschenk: Der Verwaltungsgerichtshof in Wien hat den positiven Bescheid für den Bau des Großkraftwerks Sellrain-Silz aufgehoben.

Totalverlust von Lebensräumen nicht ausgleichbar

Kurz vor Weihnachten macht der Verwaltungsgerichtshof in Wien noch ein großes Paket auf: Das Vorhaben der TIWAG bei Kühtai ein großes Pumspeicherkraftwerk im Längental inkl. Ab- und Überleitungen aus 6 alpinen Bächen zu bauen wurde abgelehnt. Der Grund für die Entscheidung beruht auf dem zu erwartenden Totalverlust hochwertiger Natur- und Lebensräume sowie Moorfächen im Längental und den dafür unzureichenden Ausgleichsmaßnahmen.

Das Vorhaben wurde 2016 durch die Tiroler Landesregierung genehmigt. Die Gemeinde Neustift, der Österreichische Alpenverein, Deutsche Alpenverein und Umweltanwaltschaft klagten gegen diesen Beschluss, woraufhin im August 2017 eine mehrtägige Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht stattfand. Das Vorhaben wurde 2017 unter veränderten Auflagen erneut genehmigt. 

Das Verfahren ist damit aber leider noch nicht gänzlich vom Tisch: mit neuen Vorgaben und geänderten Maßnahmen könnte das Projekt erneut vor dem Bundesverwaltungsgericht verhandelt werden. 

 

Langer Atem der Alpenvereine zahlt sich aus

Das Urteil ist ein großer Erfolg der Umweltschutzverbände und Alpenvereine. Der DAV hat zusammen mit dem ÖAV gegen die positiven Bescheide geklagt und war auf den mündlichen Verhandlungen in Tirol und Wien vertreten. Der Klage gegen den positiven Bescheid des Bundesverwaltungsgerichts durch DAV und ÖAV wurde also Recht gegeben. Wie auch bei dem Urteil gegen die Skigebietsverbindung St. Anton - Kappl ist auch dieses Urteil wegweisend: die Bedeutung unerschlossener und naturnaher Lebensräume wurde erkannt. 

 

Pumpspeicher und Ableitungen - Das ist geplant:

  • Speichersee im hinteren Längental mit 100 Meter hohen Staumauer
  • Unterirdischer Überleitungsstollen quer durch die Stubaier Alpen: von Kühtai bis ins Stubaier Gletscherskigebiet
  • Ableitung von 6 Wildbächen durch Wasserfassungenen: Fischbach, Schranbach, Winnebach, Fernaubach, Daunkogelfernerbach und Unterbergbach

An den Wasserfassungen würden bis zu 80% der Wassermengen aus den betroffenen alpinen Gewässern entzogen und durch den unterirdischen Stollen direkt in den neuen Speichersee geleitet.

 

Zahlen und Fakten zum geplanten Ausbau

Speichersee hinteres Längental  
Höhenlage ca. 2.140 m
Natürliches Einzugsgebiet 7,6 km²
Einzugsgebiet aus Beileitungen 60,4 km²
Nutzinhalt 31 Mio. km³
Überleitungen  
Gesamtlänge 25,5 km