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Forscher suchen Fotos von Gletschern

03.12.2019, 15:19 Uhr

Forscher der Universität Eichstätt vermessen die Alpengletscher. Ihr Ziel: Die Veränderungen der Berge in den zurückliegenden 150 Jahren sichtbar machen. Was sie benötigen: weitere historische Fotos. – Weshalb interessierte Berggänger aufgerufen sind, die Forschungsarbeiten mit Bildmaterial zu unterstützen.

Ewiges Eis, vergängliches Eis

Die Kleine Eiszeit hatte es, salopp gesagt, in sich: vom 15. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Sommer häufig niederschlagsreich und kühl, die Winter oft lang und kalt. In den Alpen wuchsen die Gletscher und schoben sich bis weit in die Täler. Um 1850 dann der Umschwung: weltweit wurde es wärmer; die Gletscher schmolzen erst langsam, dann schnell. Seit den 1980er Jahren haben die Alpen darüber hinaus eine Erwärmung erfahren, die deutlich über der globalen Erhöhung der Durchschnittstemperatur liegt.

 

Forschungsprojekt SEHAG

Wissenschaftler der Universität Eichstätt untersuchen derzeit, wie sich die Alpen seit Mitte des 19. Jahrhunderts verändert haben. „SEHAG“ lautet das Akronym, unter dem sie arbeiten – die Forscher analysieren im Projekt die „Sensivität Hochalpiner Geosysteme gegenüber dem Klimawandel ab 1850“.

 

So gehen die Forscher, grob vereinfacht, vor: Einerseits messen sie unterschiedlichste Werte – Temperatur, Niederschlag, Wind, Vegetation, Abfluss in Bächen und Flüssen; gleichzeitig vermessen sie mit Hilfe von Luftbildern die Landschaft.

 

Anderseits haben die Forscher in den vergangenen Monaten immer wieder in Archiven nach alten Fotos gestöbert, unter anderem auch im Historischen Archiv des Deutschen Alpenverein im Alpinen Museum.

 

Den aktuellen und gewesenen Zustand ausgewählter Täler vergleichen sie.

 

Augenscheinliche Veränderungen

Zwischen diesen beiden Aufnahmen des Gepatschferner liegen gut einhundert Jahre. 

 

Citizen Scientists gefragt

Nun ist auch gefragt, wer privat auf alte Fotoarchive zugreifen und damit den Forschern helfen kann:

 

Wer historische Fotografien hat – ganz gleich, ob vom Opa, von der Großtante oder aus der eigenen Sammlung – der ist eingeladen, diese zum Forschungsprojekt beizusteuern und damit selbst ein wenig Forscher zu werden.

 

Gesucht werden Fotos, Dias, Postkarten, Negative, Glasplatten o.ä., die aus den Untersuchungsgebieten Horlachtal und Kaunertal (Tirol) sowie aus dem Martelltal/Val Martello (Südtirol) stammen. Vielleicht lagert das Material in einem Schuhkarton auf dem Dachboden, vielleicht in einem Familienalbum?

 

Grundsätzlich ist alles Bildmaterial aus der Vergangenheit gemeint; auch ein Foto aus den 1980er oder 1990er kann interessante Details zeigen, die wertvoll für die Untersuchungen sind.

 

Weitere Informationen

Details zum Projekt sowie zu dem benötigten Bildmaterial auf der SEHAG-Website

 

Wer Fragen hat oder historisches Bildmaterial beisteuern möchte, schreibt bitte an: sehag[Klammeraffe]ku[Punkt]de