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Erneuter Bergsturz im Bergell

01.09.2017, 09:30 Uhr

Nach Informationen des BR (B5) soll es aufgrund starker Regenfälle in der Nacht zum 1. September erneut zu einem Bergsturz größeren Ausmaßes am Piz Cengalo gekommen sein. Im Ort Spino mussten sich demnach mehrere Personen in Sicherheit bringen, einige von ihnen wurden mit einem Hubschrauber ausgeflogen. Verletzte gab es offenbar nicht. Ein zweiter Murenabgang führte in der Nacht zu einer Straßensperre zwischen Maloja und dem angrenzenden Italien. Die weiter anhaltenden Regenfälle könnten zu einer Verschärfung der Situation führen.
Quelle: B5 01.09.2017 07:15

 

Schwerer Felssturz am 23. August

In der Nähe des Bergdorfes Bondo im Bergell hatte sich am Morgen des 23. August ein schwerer Felssturz ereignet - Felsmassen gingen vom Piz Cengalo (3369 m) im Val Bondasca ab. In einem darauf folgenden Murgang wurden sie bis an den Dorfrand geschoben. 12 Gebäude sind zerstört oder beschädigt worden. 8 Personen werden vermisst. Mittlerweile wurde die Suche eingestellt.

 

SAC-Hütten Sciora und Sasc Furä evakuiert

Nach vorläufiger Schätzung haben sich 4 Millionen Kubikmeter Gestein gelöst. Das Dorf musste komplett evakuiert werden, ebenso die SAC-Hütten Sciora und Sasc Furä. Dies geschah auf dem Luftweg mittels Helikopter. Die Hütten und ihre Zustiege sind vorübergehend geschlossen. Gleichzeitig wurde das Gebiet nach Bergsteigern abgesucht, um auch diese auszufliegen. Weitere Bergstürze sind nicht auszuschließen, wie Martin Keiser, Regionalforstingenieur beim Bündner Amt für Wald und Naturgefahren auf srf.ch mitteilte.

Bereits 2012 ereignete sich am Piz Cengalo ein großer Felssturz. In der Folge richtete die Gemeinde ein automatisches Murgang-Alarmsystem ein, das nun erfolgreich einsetzte und schnelle Hilfe ermöglichte. "Wir haben gewusst, dass sich wieder ein Felssturz ereignen könnte", sagte Gemeindepräsidentin Anna Giacometti, der Nachrichtenagentur sda. 

 

Erwärmung des Permafrosts

Allerdings hatte man in der Region nicht mit diesem Ausmaß gerechnet. Bei beiden Felsstürzen ist die Erwärmung des Permafrosts eine Teilursache. Der Abbruchbereich liegt in einer schattigen Nordwand über 3000 Meter Höhe. In dieser Höhenlage und Exposition ist Permafrost mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vorhanden, kann aber durch Temperaturerhöhung leicht gestört werden.

 

Die Straße zwischen Stampa und Castasegna wurde für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Graubündner Polizei empfiehlt Reisenden zwischen Italien und dem Engadin über den Berninapass und das Puschlav auszuweichen. Bergsteiger finden eine Alternative zum Beispiel im Val di Mello im südlichen Bergell.

 

Bilder und Video unter www.suedostschweiz.ch