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Bedenkliche Entwicklungen: Ausbau von Skigebieten 2017

20.11.2017, 14:18 Uhr

Ein Update zum Thema der Ski-Erschließungen im Alpenraum: Was ist im Jahr 2017 passiert und welche Pläne könnten den DAV als Naturschutzverband auch 2018 beschäftigen? Eine Zusammenfassung der aktuellsten und zugleich fragwürdigsten Projekte.

Naturschutz 2017: neue Projekte - neue Dimensionen - viele Turbulenzen

Grüne Wiesen bis in den Dezember und Januar hinein, zu hohe Temperaturen für die Beschneiung und geschlossene Skigebiete: das war das prägende Bild der vergangenen 4-5 Winter in den Ostalpen. Entsprechend hoch im Kurs standen die Fragestellungen zur zukünftigen Wirtschaftlichkeit von niedrig gelegenen Skigebieten, der Schneesicherheit im Klimawandel sowie die Sinnhaftigkeit der künstlichen Beschneiung. 

Dieses Jahr scheint uns ein erfolgreicher Start in den Winter 2017/2018 bevorzustehen: teils beachtliche Neuschneemengen und kalte Temperaturen sorgen im November für geöffnete Skigebiete. Dieser "Impuls" kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Skigebiete und gesamte Tourismusregionen auf schneearme Winter eingestellt haben.

 

Wie lautet die Strategie der Skigebietsbetreiber um sich an den Klimawandel anzupassen? Die Antworten sind in der Regel: ein weiterer Ausbau der Beschneiung und die Erschließung von neuen Tälern und Geländekammern. Vielerorts ist der Zusammenschluss von zwei Skigebieten das Mittel der Wahl im Konkurrenzkampf um Pistenkilometer und Besucher.

 

Mehr Infos in unserer Broschüre zum Klimawandel im Alpenraum

 

Projekte in der Übersicht

Die folgenden Projekte sind 2017 in die Wege geleitet oder konkretisiert worden und werden uns im Jahr 2018 als Naturschutzverband mit Sicherheit im Detail beschäftigen:

  • Riedberger Horn (Deutschland, Allgäu): Skigebietsverbindung Grasgeheren - Balderschwang. Status: Änderung Landesentwicklungsprogramm genehmigt am 9.11.2017
  • Pitztal/Ötztal (Österreich, Tirol): Skigebietsverbindung Pitztaler Gletscher - Sölden. Status: in Planung
  • Arlberg (Österreich, Tirol): Skigebietsverbindung St. Anton - Kappl. Status: Genehmigung ausstehend
  • Kaunertal (Österreich/Italien, Tirol/Südtirol): Erweiterung Skigebiet Kaunertaler Gletscher nach Langtaufers. Status: in Planung, Abstimmung durch Südtiroler Landesregierung ausstehend (Stand 11/2017)
  • Kaprun (Österreich, Salzburger Land): Skigebietsverbindung Kaprun - Maiskogel - Kitzsteinhorn. Status: genehmigt, voraussichtlicher Baubeginn 2018
 

Riedberger Horn: Der Präzedenzfall

Die beiden Orte und Skigebiete Grasgehren und Balderschwang sind ihrem langgehegten Traum einen Schritt näher gekommen: am 09.11.2017 hat der Landtag in München die Auflösung der Schutzzone C des Alpenplans am Riedbergerhon beschlossen. Dies ermöglicht nun den Start der konkreten Planung einer Verbindungsgondel sowie einer Piste inklusive Beschneiungsanlage.

 

Als "Ersatz" für die verlorene Fläche in der Zone C sollen neue Flächen in die Zone C aufgenommen werden. Die Naturschutzverbände sind sich jedoch einig, dass dies keinen Mehrgewinn für den Naturschutz und Flora & Fauna darstellt. Diese Flächen besitzen bereits einen hohen Schutzstatus und können den Verlust der hochwertigen Flächen am Riedberger Horn nicht ausgleichen.

 

Alle Infos zu dem Vorhaben

 

 

Pitztal/Ötztal: Glückliche Gletscherehe?

Zwischen Pitz- und Ötztal droht die wohl größte Erschließungsmaßname der letzten Jahrzehnte: 4 Seilbahnen, 64 Hektar an Pistenfläche (95% davon auf Gletschern), ein Skitunnel, eine Bergstation auf dem Linken Fernerkogel (3.277 m) und eine "schlagkräftige" Beschneiungsanlage. 

Das Ziel der Begierde der Skigebietsbetreiber: mit der großen unerschlossenen Gletscherfläche des Mittelberg- und Karlesferner das größte Gletscherskigebiet der Welt zu errichten.

 

Der DAV sieht in dem Vorhaben nicht nur den unwiederbringlichen Verlust einer unerschlossenen hochalpinen Landschaft. Auch die bergsportliche Attraktivität wird stark darunter leiden, die Braunschweiger Hütte, die sich in dem Gebiet befindet, müsste ihre Existenzbereichtigung überdenken.

 

Zum aktuellen Zeitpunkt befinden sich die Pläne bei der Tiroler Landesregierung zur Prüfung. Mit einem baldigen Verfahrensbeginn wird gerechnet.

 

Alle Infos zu dem Vorhaben

 

 

 

Arlberg: Kappl will Anschluss an Ski-Arlberg

Im Skigroßraum zwischen St. Anton, Serfaus-Fiss-Ladis und Ischgl findet ein starker Verdrängungswettkampf statt. Kleine Skigebiete, wie das überschauliche Kappl im Paznauntal, fühlen sich gezwungen mit großen "naheliegenden" Nachbarn zusammenzuschließen, um an dem Wettkampf der Pistenkilometer teilhaben zu können.

 

St. Anton und Kappl planen den Zusammenschluss beider Gebiete durch Moos- und Malfontal. Insbesondere Letzteres ist ein gänzlich unerschlossenes alpines Hochtal ohne landwirtschaftliche Nutzung oder gar technische Erschließung.

 

Der DAV hat sich im Schulterschluss mit dem ÖAV gegen dieses Vorhaben auf der mündlichen Verhandlung vor Ort eingesetzt. Bis jetzt warten die Natuschutzverbände über eine Rückmeldung über den Ausgang der Verhandlungen. 

 

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Kaunertal: Rüber nach Langtaufers?

Einmal rüber über den Alpenhauptkamm: das Kaunertaler Gletscherskigebiet sucht die Erweiterung nach Südtirol, ins Langtauferer Tal.

 

Bis vor einigen Jahren gab es im Langtauferer Tal tatsächlich ein Kleinstskigebiet, "Maseben-Langtaufers", mit wenigen veralteten Liftanlagen. Nun ist dieses Skigebiet stillgelegt, eine Neueröffnung scheint in weiter Ferne. Trotzdem forciert die Kaunertaler Gletscherbahn AG die Erweiterung unter dem Deckmantel des Zusammenschlusses "zur wirtschaftlichen Förderung kleiner Skigebiete". 

Das Langtauferer Tal ist gänzlich naturbelassen und überzeugt mit seiner Ursprünglichkeit und Ruhe - noch...

 

Alle Infos zum Vorhaben

 

Kaprun: Vom Ort direkt aufs Kitzsteinhorn

Der Ort Kaprun soll direkter an das Gletscherskigebiet Kitzsteinhorn angeschlossen, die Standseilbahn zum Gletscher entlastet werden. Dies soll der Neubau einer Verbindungsgondel zum Skigebiet Maiskogel bewerkstelligen. 

Der Entschluss zur Fusionierung der Seilbahnunternehmen wurde im Oktober 2017 getroffen und damit gleich auch der Baubeschluss gefasst. Das Investitionsvolumen wird mit 81,5 Mio. € angegeben.

 

Alle Infos zum Vorhaben

 

Pressemitteilung der Seilbahnunternehmen

 

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