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Bahn frei für den GOC

30.06.2022, 09:13 Uhr

Bergsport ist kein Motorsport – auch wenn man das an einem schönen Wochenende auf den Autobahnen Richtung Alpen manchmal meinen könnte. Die Anreise in die Berge ist bei den meisten Bergsportler*innen der größte Posten in ihrer Emissionsbilanz.

Aber das muss nicht sein: die Sektion Gay Outdoor Club (GOC) reist für den Großteil ihrer Touren mit Bahn und Bus an – und einmal im Monat übernimmt die Sektion sogar das Ticket für die Bahnanreise. Der GOC möchte damit seiner Verantwortung für den Klimaschutz nachkommen und zeigt, dass das nicht unbedingt heißt, viel Geld in die Hand zu nehmen – es geht vor allem darum, einfach mal den ersten Schritt zu wagen.

 

Klimafreundliche Mobilität ist ein Herzensthema – und Alltag für viele Mitglieder der Sektion

Als Großstadtsektion in München mit Gruppen in Köln, Hamburg und Berlin ist der Gay Outdoor Club an großen Verkehrsknotenpunkten in ganz Deutschland zu Hause. Das macht die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln natürlich besonders attraktiv. Für Thomas Michel, Vorstand der Sektion, ist die öffentliche Anreise in die Berge deshalb auch nichts neues: „Dadurch dass wir in großen Teilen eine Großstadtsektion sind, haben wir einige Tourenleiter*innen, die gar kein Auto haben oder noch nie eins hatten. Und wir haben von denen gelernt.“ Die erfahrenen Tourenleitungen wissen nämlich, wo welches Ticket gültig ist und welcher Automat am Hauptbahnhof gerne mal spinnt. Fast 70% des Tourenangebots im GOC besteht aus solchen gut geplanten Öffi-Touren.

 

Gute Erfahrungen sind der Schlüssel

Denn um Menschen zum Umsteigen auf die Öffis zu motivieren, sind gute Erlebnisse der Schlüssel. Die Planung der Tour ist dafür ganz entscheidend, denn wer zum Beispiel Stoßzeiten vermeidet, bekommt im Zug auch genug Sitzplätze nebeneinander und kann die Fahrt nutzen, um sich kennenzulernen und die Tourenplanung nochmal durchzugehen. Damit fängt das Gruppenerlebnis schon am Startbahnhof an. Im Juni hat der GOC einen Pride Hike mit 80 Teilnehmenden und sieben verschiedenen Tageszielen veranstaltet, bei dem sich die Gruppen dann je nach Zielort in verschiedenen Zügen zusammengefunden haben. Gemeinsamer Treffpunkt war dann der Tegernsee, wo die Gruppe den Tag beim Baden oder einem kühlen Getränk im Bräustüberl ausklingen ließ. Die Teilnehmenden sind je nach Lust und Laune länger geblieben oder früher nach München zurückgefahren. Beim Pride Hike haben die Teilnehmenden die Vorteile der Öffis direkt erleben können: die Touren mussten nicht am selben Ort starten, an dem sie später beendet wurden, und die Gruppen konnten sich schon bei der An- und Abreise besser kennenlernen.

 

Die Resonanz auf diese Touren ist durchweg positiv und die Sektion bekommt inzwischen auch immer mehr Vorschläge von ihren Mitgliedern. Die haben nämlich auch oft kein Auto und gerade bei der jüngeren Generation kommt auch der Klimaschutzgedanke hinter Öffi-Touren gut an.

 

Kurz & knackig: öffentliche Anreise im GOC

  • Information zur Anreise: Der GOC stellt umfangreiche und aktuelle Infos zur Anreise mit Bahn und Bus auf der HomepageSocial Media, über den eigenen Newsletter und die Mitgliederversammlung zur Verfügung. Die ehrenamtlichen Tourenleitungen und Mitglieder bringen dabei ihre Erfahrung und ihr Wissen ein.
  • Tourenvorschläge: In der Rubrik Mit der Bahn in die Berge hat der GOC eine Sammlung von bisher 40 Öffi-Touren auf seiner Homepage und auf facebook veröffentlicht und ergänzt. Auch in der BR-Radiosendung Rucksackradio hat der GOC ein Jahr lang wöchentlich eine Öffi-Tour vorgestellt.
  • Gute Erlebnisse: Eine gute Planung ist auch für Öffi-Touren entscheidend. Wer Stoßzeiten vermeidet und sich im Vorfeld zu Sonder- oder Regionaltickets informiert, kann Touren auswählen, bei denen sowohl das Bergerlebnis als auch der Preis und die Anreisezeiten stimmen.
  • Bahn frei für GOC-Mitglieder: Seit 2019 veranstaltet der GOC mindestens einmal im Monat eine Tour, bei der die Sektion die Kosten für die öffentliche Anreise übernimmt. Für die, die ohnehin die Öffis nutzen, eine Belohnung. Für die, die noch an der Praktikabilität zweifeln, eine Möglichkeit, selbst gute Erfahrungen im Öffi-Verkehr zu machen.
  • Ehrliche Bepreisung: Für eine Anreise mit dem Auto wird ein ehrlicher Preis kalkuliert, der neben Spritkosten auch den Unterhalt berücksichtigt, nämlich 30 ct/km. Bei diesem Vergleich schneidet die Bahn dann auch preislich besser ab als das Auto.
  • Aktive Lobbyarbeit: Der GOC setzt sich in lokalen Gruppen und in der DAV Gruppe Zug, Bus, Berg für die Verbesserung der Infrastruktur in München und in den Bergen ein und geht auch auf Tourismusgemeinden zu, um zum Beispiel die Öffi-Anreise zum Langlaufen zu verbessern.
 

Mit wenig Aufwand viele Emissionen sparen

Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind viele einfach nicht gewohnt und empfinden sie deshalb als aufwendiger. Wer einmal durchgestiegen ist im Tarif- und Netzplan, braucht das nicht jedes Mal aufs Neue tun, sondern kann sich bei der Tourenplanung auf das Wesentliche konzentrieren: die Bergtour. Thomas Michel betont, dass es vor allem darauf ankommt, es einmal auszuprobieren, am besten zusammen mit erfahreren Öffi-Tourler*innen, dann steht einem guten Öffi-Erlebnis nichts mehr im Weg.

 

  • CO2-Ersparnis München - Garmisch-Partenkirchen pro Person: 11,4 kg CO2  (Zug: 6,4 kg CO2 auf 100,6 km; Auto: 17,8 kg CO2 auf 88,7 km)
  • Um 11,4 kg CO2 zu binden, braucht eine Durchschnittsfichte 7,6 Monate
 

Motivation kommt durch’s Erleben

Der GOC setzt bei seiner Strategie zum Umstieg auf die Öffentlichen auf Information, Anreize und gute Erlebnisse. Er zeigt seinen Mitgliedern wie es besonders einfach geht, nimmt sie bei der Tourenplanung mit den Öffis an die Hand, teilt Wissen und Infos und schafft mit den erfahrenen Tourenleitungen gute Vorbilder. So nimmt der GOC seinen Mitgliedern mögliche Vorbehalte gegen die Öffi-Anreise und ersetzt sie durch gute eigene Erfahrung. Das macht Klimschutz greifbar und motiviert auch, sich in anderen Bereichen mit Klimaschutz auseinanderzusetzen.

 

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Mit Bus und Bahn in die Berge Text und Grafik: Michael Vitzthum 

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Öffentlich anzureisen, schont nicht nur das Klima, sondern ist gleichzeitig noch bequem: kein ewiges Im-Stau-Stehen, keine lästige Parkplatzsuche mit teuren Parkgebühren, keine nervenaufreibende Rückfahrt nach einer anstrengenden Tour.  Die Tourenplanung mit den Öffis eröffnet grundsätzlich auch viele Möglichkeiten, die mit der Auto-Anreise so nicht gegeben sind. Start- und Endpunkt der Tour müssen zum Beispiel nicht identisch sein. Das gibt nicht nur viel mehr Freiheit in der Tourenplanung – Überschreitungen sind beispielsweise viel einfacher möglich -, es kann auch relativ spontan je nach Lust und Laune, nach den Wetter- und Wegverhältnissen oder nach aktuellem Fitnesszustand entschieden werden, wann und wo die Tour beendet werden soll. Mit alpenvereinaktiv.com kannst du ganz einfach Touren finden oder planen, die du mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ohne Probleme erreichen kannst.  

Letzte Meile? Kein Problem mit dem Bergbus Eng

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Wer zum Wandern ins Karwendel möchte, ganz speziell an den Ahornboden, hat seit 2020 keine Ausrede mehr, nicht öffentlich dorthin zu fahren. Vor drei Jahren hat nämlich der Bergbus Eng buchstäblich Fahrt aufgenommen: vom Bahnhof Lenggries bringt er Bergsportler*innen bis zu den Engalmen am Großen Ahornboden. Der Bundesverband hat zusammen mit den Sektionen München/Oberland, Lenggries und Bad Tölz eine Förderung für die bestehende Buslinie eingerichtet, damit der Bus auch am Wochenende früh morgens und abends, also zu bergsporttauglichen Zeiten, fährt. Erst mit der Bahn nach Lenggries und dann mit dem Bus weiter an den Tourenstart – so geht klimafreundliches Bergsteigen.