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„Mountain“ – ein außergewöhnlicher Bergfilm

Warum passen hohe Gipfel und tiefgründige Gedanken so gut zusammen? Darauf hat auch „Mountain“ keine Antwort. Dem Film gelingt es jedenfalls souverän, das eine mit dem anderen zu verbinden.

„Mountain“ ist keine Dokumentation mit vielen Special effects und aufwendigen computeranimierten Szenen. Trotzdem wird sich niemand, der ein Faible für die Berge hat, langweilen müssen. Viele der Bilder – Drohnenflüge entlang von Graten oder über Gipfel hinweg – sind zwar nicht mehr neu. Beeindruckend sind sie dennoch. Der gekonnte Wechsel zwischen Slow-Mo und Zeitraffer sowie schnellen und langsamen Schnitten verstärkt diesen Eindruck. Der Film kommt mit wenigen, dafür umso bedeutungsvolleren Worten aus. Meistens sprechen jedoch die Bilder für sich.

 

In „Mountain“ nimmt uns die australische Filmemacherin Jennifer Peedom mit auf eine Reise. Eine Reise durch die Zeit und in die Berge. Ungewöhnlich für einen Bergfilm: kaum einmal fällt der Name des Gebirges oder des Gipfels. Eine Ausnahme macht lediglich der Everest, dessen Name scheinbar nicht ungenannt bleiben darf. Bergsteiger und Kletterer werden in „Mountain“ nicht glorifiziert, man sieht sie fallend, gegen eine Felsmauer krachend, weinend, mit blutigen Fingern, kurz: scheiternd. Der Sieg über einen Berg ist eben oft auch ein Pyrrhussieg. Auch mit schwachen Nerven muss niemand bei diesen Szenen wegschauen. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ geben ihnen gar eine komische Note. Der ganze Film ist mit Musik eines Streichorchesters unterlegt. Klassische Musik und Berge harmonieren überraschend gut.

 

Moderne Perversionen am Berg

Ein Film über die Berge kommt natürlich nicht ohne einen Hinweis auf moderne Perversionen aus: Pistenraupen, die sich im Verbund die Hänge hoch- und runterschieben, Harvester, die ganze Bergwälder roden, Menschen in Wingsuits, denen man eine veritable Todessehnsucht unterstellen kann und Heliskiing, das vor allem den Firmen nutzt, die darin ein großes Werbespektakel sehen. Außerdem natürlich die Gondeln und Lifte, die die Menschen in Massen auf den Gipfel schaufeln, damit diese in klar abgegrenzten Bereichen nach unten gleiten können; kontrolliertes Abenteuer. Auf den Aussichtsplattformen herrscht ein Gedränge, das schon vor Corona Beklemmen auslöste.

 

Die Berge dieser Welt sahen uns kommen und werden uns auch wieder verschwinden sehen. Solange gelten sie als Antagonisten unserer kontrollierten urbanen Welt.

 

Der Film ist noch bis zum 20. Januar in der 3sat-Mediathek zu sehen.