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Lieblingsstücke

Objekte aus dem Alpinen Museum

Noch bis Herbst 2023 wird das Alpine Museum umgebaut und bleibt deshalb leider geschlossen. Wir wollen trotzdem für euch da sein: Damit ihr während der Zeit des Umbaus nicht auf die Schätze des Museums verzichten müsst, kommen diese zu euch.

Was Kautschuk-Schuhe mit der Öffnung der UIAA-Skala zu tun haben, was für die erste Winterbesteigung der Zugspitze benötigt wurde oder was früher auf Hütten zu beachten war? Unten stellen wir euch in unserer Rubrik „Lieblingsstücke“ regelmäßig Objekte aus unserem Archiv vor und lassen sie ihre Geschichte erzählen. 

 

Fluchtgepäck

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1939 emigrierte der 18jährige Peter Siegel nach England. Seinen Kinderrucksack aus dem Münchner Sporthaus Schuster bewahrte er bis an sein Lebensende auf

Achtung Alltag!

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Raus aus dem Alltag, Mikroabenteuer vor der Haustür, etc. - die Sprüche sind uns vertraut Noch ehe diese Slogans allgegenwärtig wurden, vertrieb das Sporthaus Schuster ab den 1920er Jahren einen Sack aus Mosetig-Batist, den nach Victor Sohm benannten Sohmschen Zeltmantel. Das Material war ein wasserdichter Verbundstoff aus feinem Baumwollgewebe mit einer Zellwollbeimischung, beidseitig überzogen mit vulkanisiertem Kautschuk. Der Sack selbst konnte als Mantel oder Zelt genutzt werden und war ein Meilenstein zum Überstehen von Notsituationen in den Bergen. Zugleich war er ein Upgrade zu seinem Vorgänger, dem Zdarskysack (nach seinem Erfinder Mathias Zdarsky), beides Vorläufer der heutigen Biwaksäcke und über Jahrzehnte hin Standard. 

Erste Hochgebirgsdarstellung

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Die hohen Gipfel der Alpen waren und sind bis heute zentral für Bergsteiger*innen und Bergsportler*innen. Die erste Darstellung in unserer Sammlung, die das Hochgebirge nicht nur "von unten" zeigt, illustriert eine frühe Besteigung der Zugspitze.

Mit der Bahn in die Berge

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Wer in diesem Sommer in die Berge fährt, muss sich auf manche unliebsame Überraschung einstellen. Aber schon vor 100 Jahren gab es überfüllte Züge und Chaos am Bahnsteig - zudem war auch damals die richtige Ausrüstung entscheidend. War früher alles besser? Bergtouristen drängen sich in einen bereits vollbesetzten Zug. Fahrräder können nicht mehr mitgenommen werden. Am Bahnsteig bricht Panik aus. Bereits bei der Abfahrt kommt die Ausrüstung zum Einsatz. Zur Sicherheit seilt man sich an. Familie Meyer aus dem Berlin des frühen 20. Jahrhunderts hätte bei einer Zeitreise in unsere Gegenwart wohl nur geringe Anpassungsschwierigkeiten. Wer momentan mit dem Zug in die Berge fahren möchte, muss sich auf manche unliebsame Überraschung einstellen.   Verspätungen, Zugausfälle, Signal- und Weichenstörungen, Störungen im Betriebsablauf, fehlende Wagons und streikende Klimaanlagen im Sommer (Fenster lassen sich schon lange nicht mehr öffnen) sind alltägliche Risiken im Regionalverkehr. In diesem Sommer ist jedoch durch die Einführung des Neun-Eurotickets die Nachfrage nach Bahnreisen in die Berge sprunghaft gestiegen. Die Züge sind heillos überfüllt – mancher Zug muss sogar in Stoßzeiten evakuiert werden. Reisende befürchten, dass sie am Bahnsteig zurückgelassen werden könnten, und die Mitnahme von Fahrrädern gleicht einem Glücksspiel. Kaum zu glauben, dass die circa hundert Jahre alte Karikatur von Johann Bahr (1859-1929) wieder aktuell ist.   Der Ausbau des Eisenbahnnetzes ab der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Voraussetzung für die touristische Erschließung der Ostalpen und ist auch indirekt für die Gründung des Deutschen Alpenvereins 1869 mitverantwortlich. Mit der Einführung des Achtstundentages und des Anspruches auf Urlaub für viele Arbeitnehmer nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Zug für breite Bevölkerungsschichten attraktiv. Schon damals kam es erst in den Sommermonaten, später auch in der Wintersaison, zu Engpässen. Um 1930 kostete der Bahnkilometer in der Dritten Klasse um die vier Pfennige (heute ca. 14 Cent). Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war die Eisenbahn das gebräuchlichste Verkehrsmittel für eine Reise in die Alpen. Die Sektionen des Alpenvereins und der Fahrtendienst des DAV (aus dem später der DAV Summit Club entstand) organisierten bis in die 1960er Jahre sogar Sonderzüge. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts drängte das Auto die Eisenbahn zunehmend aufs Abstellgleis, da es eine größere Flexibilität ermöglichte. Der fallende Benzinpreis im Vergleich zum gestiegenen Realeinkommen beschleunigte diesen Prozess. Seit vielen Jahren wirbt der DAV unter dem Motto „Mit der Bahn in die Berge“ für ein Umdenken. 2011 warb sogar eine Lokomotive der Deutschen Bahn mit diesem Motto und den Farben des Alpenvereins für diese Aktion.   Die Karikatur wurde zwischen 1920 und 1940 im Alpinen Museum in München ausgestellt. Im Archiv des DAV ist lediglich ein zeitgenössisches Glasdia vorhanden. Das Original kann bei meinen Kollegen vom ÖAV in Innsbruck eingesehen werden. Dorthin reist man am besten mit der Bahn.   Stefan Ritter, Archiv des DAV 

Ordnung muss sein!

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Existiert heute noch eine Alpenvereinshütte ohne Hüttenordnung? Wahrscheinlich nicht. - In der Frühzeit des Alpenvereins jedoch gab es auf den Hütten eine kurze Zeit der Anarchie Wer schon mal auf einer Berghütte genächtigt hat, kennt die elementaren Hüttenregeln, die in den ausgehängten Hüttenordnungen veröffentlicht sind. Sie regeln das nicht immer einfache Zusammenleben auf engstem Raum. Das Betreten der Schlafräume in Bergstiefeln ist verboten, dort darf weder gekocht noch gegessen werden. Die Hüttenruhe mit den Schlafenszeiten ist auf 22 bis 6 Uhr festgelegt und seit einigen Jahren gilt ein absolutes Rauchverbot. Für die Gäste müssen die Hüttenwirtsleute ein „Bergsteigeressen“ sowie den ganzen Tag über mindestens eine warme Mahlzeit anbieten. Neben der Hüttenordnung gibt es viele weitere Gebots- und Verbotsschilder, die Besucher*innen zumeist überall in der Hütte finden können.   Viele der Regeln gehen auf Johann Stüdl zurück, Mitglied der Sektion Prag und Mitbegründer des DAV 1869, der seinerzeit maßgeblich an allen Hüttenfragen des Alpenvereins beteiligt gewesen war. Seine 1868 errichtete Stüdl-Hütte am Großglockner gilt als „Mutter“ aller Vereinshütten. Zwei Jahre nach dem Bau übertrug er die Hütte dem Bergführer Thomas Groder und gab ihm gleichzeitig zahlreiche Hinweise mit, auf was er zu achten habe, unter anderem mit einer Mausefalle „die ungebetenen Gäste fangen (aber nicht tödten)“ oder das Stroh zu erneuern.[1] Daraus entwickelten sich die ersten Regeln. 

Marterinstrumente

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Schon die Bergstiefel sorgten dafür, dass für Frauen das Bergsteigen in den ersten Jahrzehnten eine besondere Herausforderung war.

Frauenpower

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Verfasserin des ersten deutschsprachigen Romans einer Schriftstellerin, Erfinderin des Briefromans, Gründerin der ersten deutschen Frauenzeitschrift, unabhängige Berufsschriftstellerin, frühe Alpenreisende und erste deutsche Frau am Fuße des Mont Blanc Sophie von La Roche war eine Meisterin im Brechen von Konventionen: Deutsch galt zu ihrer Zeit noch als unschicklich, Französisch und Latein waren die literarischen Verkehrssprachen der ’besseren‘ Kreise. Frauen hatten sich generell nicht in der Öffentlichkeit zu äußern. Auch für gebildete Töchter aus gutem Hause endete die Bildungskarriere in der Regel mit der Verheiratung. Durch eigene Erwerbstätigkeit selbständig für sich und die Familie zu sorgen, war in Zeiten völliger Abhängigkeit von Ehemann bzw. Vater nicht vorgesehen. Selbstbestimmte Reisen ohne Begleitung waren für Frauen im 18. Jahrhundert unüblich zumal im alpinen Hochgebirge in der Nähe furchteinflößender Gipfel. In allen Bereichen setzte Sophie von La Roche neue Maßstäbe, überschritt die bestehenden konventionellen Grenzen. 

Gemeinsamkeit macht stark

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Frauen spielten in den Publikationen rund um Alpenverein, Bergsteigen und Alpinismus meist eine untergeordnete Rolle. Doch sie waren dabei und übernahmen Verantwortung. Das zeigt beispielhaft dieses Gedenkbild an den Einsatz des Damenkomitees der Sektion Prag   Am 8. und 9. August 1904 versammelte sich eine große Festgesellschaft beim inneren Kesselkogel bei Matrei-Innergschlöss, um die Neue Prager Hütte einzuweihen. Auf Initiative des Vorsitzenden der Sektion Prag, Johann Stüdl, war der Bau schon 1901 geplant und von Architekt Rudolf Schwarz in dreijähriger Bauzeit ausgeführt worden. Nun war es soweit, die Einweihung konnte gefeiert werden. Zu den Ehrengästen der illustren Gesellschaft gehörte als „Repräsentantin der alpinen Damenwelt“ [1] die Hofrätin Hermine Kmoch aus Graz, die erfolgreichste österreichische Bergsteigerin der 1870er Jahre. 

Frühlingsskitour anno 1920

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Im Frühjahr auf Skitouren gehen, die Sonne genießen. Heute genauso wie vor hundert Jahren Ein junges Mädchen ist mit ihren beiden Freunden am Ziel ihres Ausflugs angekommen. Auf Skiern haben sie einen hohen Bergsporn erreicht. Während die jungen Männer schon im Schnee lagern und sich ausruhen, wendet das Mädchen, noch auf seinen Skiern stehend, dem Betrachter den Rücken zu und schaut über das tief unten liegende Tal in die Ferne. Ihr kurzer grünlicher Rock umspielt in vom Wind bewegten Falten ihre Knie, die Beine wärmen beige-braune geringelte Strümpfe, ihr Pullover hat kurze Ärmel. Ihre Hände stützt sie auf die Skistöcke aus Bambus. Die Szene ist überspannt von einem strahlend blauen Himmel und vermittelt die pure Freude der jungen Leute an Sonne und Schnee, dem ungezwungenen Miteinander, der grandiosen Aussicht und der Fortbewegung auf ihren modischen Sportgeräten. 

Gefährliche Wissenschaft

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Ödnis, Gefahr und Tod im Nirgendwo. Forscher im Himalaya vor über 150 Jahren Nachdem die Münchener Brüder Hermann, Adolph und Robert Schlagintweit ihr Studium der Geografie beziehungsweise Geologie abgeschlossen hatten, erprobten sie ihre wissenschaftlichen Fähigkeiten in den Alpen und im Monte Rosa-Gebiet. Unter anderem gehörten sie zu den ersten Wissenschaftlern, die die annähernd exakte Höhe der Zugspitze ermittelten. 1854 schlug für die Brüder die große Stunde. Der Berliner Universalgelehrte Alexander von Humboldt vermittelte die jungen, ehrgeizigen Gelehrten nach England, wo sie für die Ostindische Handelskompanie eine Expedition nach Indien und Hochasien übernehmen sollten. 

Haue, Spitze, Holzschaft

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Worüber kann mir ein alter Eispickel heute noch Auskunft geben? Und brauchen wir den eigentlich für unsere Sammlung? Im Frühjahr 2021 bekamen wir einen Eispickel angeboten. Er soll dem Bergsteiger Heinrich Zametzer gehört haben, Erstbegeher der Zugspitze im Winter. Ein Eispickel, der das stolze Alter von 140 Jahren besitzt und zudem auf einer alpinistisch bedeutenden Tour eingesetzt wurde? Das klingt gut. Doch was ist dran an der Geschichte? Lohnt es sich, den Pickel in unsere Sammlung aufzunehmen? Begleiten Sie mich bei meiner Recherche!   Verrostet und ein bisschen unscheinbar: Ein Pickel, der aussieht wie viele in unserer Sammlung - Haue, Spitze, Holzschaft. Auffällig höchstens seine Länge von 120 Zentimetern. Na ja. Aber die Geschichte in den Alpenvereinsmitteilungen: Heinrich Zametzer bestieg zusammen mit seinem Bruder Josef, Heinrich Schwaiger und Alois Zott am 7. Januar 1882 erstmals die Zugspitze im Winter. Am Tag zuvor waren die Vier in Partenkirchen aufgebrochen, übernachteten auf der Knorrhütte und erreichten über den Schneeferner, Felsrinnen und Schneefelder am nächsten Tag um 15.40 Uhr den Gipfel. Einen Tag später kehrten sie nach Partenkirchen zurück. Die Männer waren jung, Heinrich Zametzer, Student, 19 Jahre alt, Heinrich Schwaiger und Alois Zott ein paar Jahre älter. Sie hatten die Tour führerlos gemacht, das heißt ohne Unterstützung durch einen Bergführer, damals unüblich, heftig umstritten und erst im Kommen.   Der Schenker des Pickels, Urenkel von Heinrich Zametzer, berichtete mir mehr. 1862 war Zametzer geboren. Er arbeitete unter anderem als Amtsgerichtsdirektor in Weiden und in Kiefersfelden. 1931 starb er in Murnau, wo er, entsprechend familiärer Legende, so bestattet wurde, dass er gen Zugspitze blicken konnte. Der Schenker erzählte mir auch, dass sein Ahne der einzige Bergsteiger der Familie gewesen sei und der Pickel so nur ihm hatte gehören können. Seine Großmutter bewahrte ihn als Erinnerung auf. 

Last Christmas

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Weihnachtsbuden, Lebkuchenhäuser und Krippen - im Advent kann man dem romantischen Hüttenzauber kaum entkommen und die Alm wird zur Krippe Eine einsame, tief verschneite Hütte, hoch oben in den Bergen. Nach einer ausgiebigen Schneeschuhwanderung und anschließender fröhlicher Schneeballschlacht, kehren junge Menschen, vermutlich enge Freunde, frohgelaunt und vergnügt in die gemütliche, warme, weihnachtlich geschmückte Stube ihrer Hütte zurück. Im Ofen lodert ein Feuer, der Weihnachtsbaum strahlt und an den Fenstern kondensiert das Schwitzwasser der zum Trocknen aufgehängten Kleidung. Nach einem kargen Mahl rücken sie enger zusammen und tauen auf. WHAM! Imaginäre Glöckchen erklingen und ein Ohrwurm nimmt von einem Besitz. Es scheint, als hätte der bekannte Bergfilmer Arnold Fanck bereits in den zwanziger Jahren das Video zum unverwüstlichen „Last Christmas“ inszeniert. 

An alle DAV-Spießer

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Nach einem schweißtreibenden Aufstieg oder einer schnellen Fahrt mit der Seilbahn zum Gipfel steht dem rituellen Eintrag ins Gipfelbuch nichts mehr im Wege. Eine uralte Tradition? Ursprünglich wurden Nachrichten über einen erfolgreichen Aufstieg für die Nachfolger*innen als Beweis der (Erst)besteigung auf handgeschriebenen Zetteln hinterlassen, die am Gipfel in leeren Weinflaschen deponiert wurden. Später hinterließ man Visitenkarten, oft mit Angaben zur Sektionszugehörigkeit. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzten sich Gipfelbücher durch. Anfangs versteckte man diese unter Steinen und Felsen. Sie waren dort Wind und Wetter ausgesetzt. Später wurden die Gipfelbücher in kleinen Kästen, oft aus Zinn, deponiert. Als nach dem Ersten Weltkrieg der Siegeszug der Gipfelkreuze begann, befestigte man diese meist am Kreuz. Das Gipfelbuch hatte seinen festen Platz gefunden. 

Maikäferballett

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"Balletschuhartige Galoschen“[1] hat Reinhard Karl einmal diese Schuhe genannt. „Galoschki“ hießen sie in Russland. Aus Kautschuk gefertigt, mit Schnüren zur Sicherung an den Fersen, waren sie in den 1970er Jahren weit verbreitet. Auch wenn es heute, mit über 40 Jahren Abstand und unentwegter Ausrüstungsverbesserung anders erscheinen mag: es waren ausgezeichnete Kletterschuhe. Das hier gezeigte Exemplar sollte dabei Alpingeschichte schreiben.