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Bautagebuch

17.02.2021, 13:28 Uhr

MitarbeiterInnen erzählen...


17.02.2021: Die Materialien wandern weiter (Sylvia Fritsch)

 

Schon lange hören wir keine Kinderstimmen mehr in unserem Garten oder in den Räumen des Museums, die immer bis in unsere Büros gedrungen sind. Auch kein Klappern mehr, wenn die ins Museum gerollte Materialkiste geöffnet wurde, um alte Ausrüstungen fürs Bergsteigen und Klettern zu entdecken, sie anzufassen oder auszuprobieren. Es sitzen nicht an die 30 Schüler*innen im Sektionenraum, um ihre Isarkiesel-Schätze zu bestimmen, die sie nach drei Stunden bei uns und überwiegend an der Isar schließlich mit nach Hause nehmen werden.

In unseren Schränken, Kammern und Regalen waren viele Materialien zum Basteln, Entdecken, Kennenlernen oder Ausprobieren verstaut. Jetzt wandern sie weiter. 

Die Leih-Kletterschuhe aus dem Kurs „Abenteuer Boulderstein“ haben bereits eine neue Heimat im Kletterstadl der Sektion Leitzachtal gefunden…

Schmucksteine, Federn usw. hat in der letzten Woche eine Dozentin mitgenommen, die während der Bauzeit rund um das Gelände des Alpinen Museums bei Familienführungen Märchen und Geschichten von der Isar und von der Praterinsel erzählen wird. Das geologische Handwerkszeug wie Hammer und Lupe zur Bearbeitung der Isarkiesel nehmen die Geologinnen zu sich. Denn beide hoffen, dass irgendwann wieder kleine oder größere Gruppen und Klassen an die Isar gehen dürfen. Auch wenn das Museum umgebaut wird - spannende Exkursionen im Freien sollen weiter stattfinden!

 

08.02.2021: Die Große Leere (Sandra Tesauro)

 

Das Umzugsfieber hat nun auch die Bibliothek gepackt. So wie sich die momentan als Lager genutzten Flächen im Museum füllen, so leeren sich zeitgleich die Räume der Bibliothek.

Sessel und Cafétischchen sind weggeräumt, die Computer ausgestöpselt, die Regale teilweise abgebaut und die Bücher aus dem wissenschaftlichen Lesesaal bereits komplett in Kartons verpackt.

Wo im November unsere Leser*innen noch in den neuesten Zeitschriftenheften oder den Berg-Biographien stöbern konnten, sind nunmehr nur noch leere, weiße Wände zu bewundern.

Wo früher die DAV-Karten zur Tourenvorbereitung einluden, stapeln sich nun Umzugskartons und Packmaterial.

Und wo man in großen Ikearegalen Bildbände vorfand, um in der Welt der Berge zu schwelgen, blickt man nun in 2x8 leere Regalvierecke.

Dafür stapeln sich im Museum die Bücherkartons und Paletten, wo vorher die 150-jährige Geschichte des Alpenvereins die Besucher*innen zum Erfahren und Erleben einlud.

Und so packen wir noch eine ganze Weile munter weiter, bleiben im Fluss und machen Platz für die Baustelle.

 

05.02.2021: Das Archiv zieht um (Stefan Ritter)

 

Nachdem ich vor 16 Jahren meine Arbeit im Archiv des DAV im Alpinen Museum in München auf der Praterinsel begonnen hatte, haben wir auf dem Tag genau am 1.2.2021 mit der Auslagerung unseres Archivs in unser neues Depot in Ebersberg angepackt. In den letzten Wochen bin ich mit Wehmut durch unsere alten Archivräume gegangen und habe den Umzug vorbereitet. Manche Bestände haben mich ich in dieser Zeit fast täglich begleitet, andere dämmerten nach ihrer Einlagerung bis heute unberührt vor sich hin. Im Winter fühlte man sich in den unbeheizten Archivräumen bei stundenlangen Bildrecherchen den Expeditionsteilnehmern besonders nahe. Habe ich nichts vergessen? Welche Überraschungen werden mich hinter den Regalen erwarten? Funktioniert unser Plan zum reibungslosen Wiederaufbau des Archivs?

 

Unser Räumkommando bestand aus drei Teams. Das erste Team räumte die Bestände nach festgelegten Plänen für den Wiederaufbau aus den Regalen und der „Kurier“ fuhr diese aus dem zweiten Stock ins Zwischenlager im großen Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Alpinen Museums. Dort verlud das dritte Team die Bestände auf Paletten und verzeichnete diese für den Wiederaufbau. Von dort werden diese dann per Spedition in den nächsten Wochen in unser neues Depot transportiert. Wir kamen relativ zügig voran. Schnell füllte sich der alte Ausstellungsraum. Am Ende des zweiten Tages hatten wir Zweifel, ob der Platz und die Anzahl der Paletten ausreichen würden. Nach drei Tagen hatten wir es endlich geschafft. Wir hatten genug Paletten und der Platz hat gereicht, allerdings konnten wir nur noch die notwendigen Verkehrswege offenhalten. Böse Überraschungen gab es zum Glück keine. Jedoch bin ich beim Ausräumen über vergessene Bestände gestolpert, die meine Neugierde geweckt haben. Ich freue mich darauf, sie im neuen Depot zu entdecken.

 

Die alten Archivräume, die stets abgedunkelt waren, bieten nun einen ungewöhnlichen Anblick: Leere, sonnendurchflutete Räume, in den sich lediglich die Stahlskelette der Regale befinden. Das Museum hat sich dagegen in eine riesige Lagerfläche verwandelt - fast wie bei Indiana Jones. Das gesamte Archiv des DAV - 47 Paletten und ca. 100 Umzugskartons - im Alpinen Museum wartet nun auf den Weitertransport und seine Lagerung im neuen Depot. Wir freuen uns in ca. vier Wochen auf eine neue Herausforderung: Die Wiederaufstellung des Archivs. Geht der Plan auf?

 

Fortsetzung folgt…

 


04.02.2021: DAS GROSSE PACKEN (Ulrike Gehrig)

 

In diesen Tagen stehen, laufen und sitzen (letzteres eher weniger) wir immer wieder ungläubig hier im Alpinen Museum: ist es wirklich wahr? Nach all der Zeit des Bangens, ob der Umbau wirklich kommt, nach den vielen Monaten der Planung: hat der Umzug nun wirklich begonnen? Ja, es geht los, DAS GROSSE PACKEN.

 

5 große Umzugseinheiten haben wir zu bewältigen:

  • die Bibliotheksbestände bleiben teilweise hier im Depot und müssen dazu „schmutzdicht“ eingepackt werden. Christo wäre begeistert von unserer genialen VerhüllungsART. Der Rest der Bestände wandert mit in unsere Zwischenheimat, in die Räume der Bundesgeschäftsstelle in der Von-Kahr-Straße. Rund 250 Bücherkartons werden es zum Schluss wohl sein.
  • der gesamte Archivbestand, bestehend aus rund 2500 Archivkartons, Plakaten, Filmrollen samt Regalen, zieht um in unser neues Depot in Ebersberg. Jeder einzelne dieser 2500 Kartons wird aus dem Regal gehoben, mit dem Aufzug ins Erdgeschoss gefahren und dort dann per Hand auf Paletten gelegt. Rund 60 Paletten werden es zum Schluss sein.
  • unsere Sachgutsammlung (Ausrüstung, Hüttenmodelle, Abzeichen, Geschirr etc.) wird in 30 Gitterboxpaletten verpackt und kommt dann auch dauerhaft in unser neues Depot.
  • die Grafik- und Kunstsammlung findet dann zum Schluss ihren Weg nach Ebersberg.
  • am Ende ziehen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unseren Büros und all dem, was zwischengelagert werden muss, in die Räume der Bundesgeschäftsstelle in der Von-Kahr-Straße.

Das heißt für uns in den kommenden Wochen:

 

umPACKEN - einPACKEN - anPACKEN - zusammenPACKEN - zuPACKEN - wegPACKEN - ausPACKEN

 

PACKEN wir das?

 

Ich bin guter Dinge, dass wir im Team das große PACKEN meistern werden!

 

Und PACKENd finden wir diese Herausforderung allemal!

 

03.02.2021: Die Teilbaugenehmigung für den Umbau ist da! (Andreas Kaiser)

 

Der geplante Umbau des Alpinen Museums beschäftigt uns seit mehreren Jahren. Konkret begannen Architekt und Fachplaner ab 2019 mit den ersten Entwürfen. Ab diesem Zeitpunkt waren wir ständig mit verschiedenen städtischen Behörden und Abteilungen in Kontakt, um möglichst einvernehmlich alle genehmigungsrechtlichen Aspekte, z.B. zu Fragen des Denkmalschutzes am und im Gebäude, in der Planung zu berücksichtigen und Lösungen zu finden.

 

Ein wichtiger Schritt in der Bauplanung war das Einreichen der Entwurfsplanung und das Stellen des Bauantrags Mitte 2020 an die Lokalbaukommission der Stadt München. Nach weiteren Abstimmungsrunden und Gesprächen haben wir nun die Teilbaugenehmigung für den Umbau des Gebäudes erhalten, ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Umbau!

 

28.1.2021: Die Bändigung der Bergstiefel (Anton Böhm)

 

Der Umbau machte sich für mich gleich am Anfang meines Praktikums bemerkbar. Zusammen mit den Hausmeistern Adriano und Tino und dem Mini-Jobber Peter baute ich die „150-Jahre DAV“-Ausstellung ab und das in einem ganz schön schnellen Tempo. Stück für Stück wanderten die Bilder in die Mappen zurück, die Wände wurden leer und die Vitrinen auch. Ein Objekt nach dem anderen wurde mal leichter, mal schwerer aus den Räumen des Alpinen Museums getragen. Die Kollegen aus Innsbruck halfen uns bei einem besonders schweren Exemplar. Das zentnerschwere Modell des Matterhorns musste akribisch aus dem Fenster gehievt werden. Dass wir nur einen Zentimeter Spiel auf beiden Seiten hatten, machte es uns nicht einfacher. Aber auch dieses Kunststück gelang uns und wir wurden mit guten Tiroler Krapfen belohnt.

 

Während das Museum nun immer leerer und karger wirkte, füllte sich der Seminarraum mit allen Objekten, die noch inventarisiert werden mussten, bevor sie vorerst ins Depot verschwinden konnten. Eine lange Foto-Session begann. Von Expeditionsschuhen über Manschettenknöpfe bis zu meterlangen Skilatten landete so einiges vor meiner Linse. Zusammen mit der Ausstellungskuratorin und Restauratorin Stephanie Kleidt machten wir alles fit für die Regale im Sachgutdepot, welche langsam so voll waren, dass wir einige Bergschuhe in frische Schuhkartons packten, um Platz für Neues zu schaffen. Eine kurze Inspektion der Schuhe zeigte: Die Vernachlässigung der meisten Schuhbänder war groß. Deshalb sorgten wir uns um eine vorbildliche Schnürung, zur Not mit roten, blauen oder gelben Fäden, die so manches aus den alten, braunen Bergtretern rausholten. Das brüchige Plastik der Skischuhe aus den 80er-Jahren konnte uns genauso wenig aufhalten wie die 50 Zentimeter hohen Winterstiefel mit genauso langen Schuhbändern. Das Zurechtrücken der hartgewordenen Lederlaschen wurde begleitet von leisen Flüchen und freudigen Glückwünschen nach erfolgreicher „Bändigung“.

 

Ausgestopft und in Form gebracht mit Seidenpapier machten die meisten Schuhe wieder einen standhaften Eindruck und wir konnten uns den anderen großen und kleinen Objekten zuwenden. Rucksäcke, Brotzeitdosen und Thermosflaschen waren dann doch die hübscheren Dinge des Archivierungsalltags, wenngleich sie wohl nicht dieselben spannenden Transformationen hinlegten.

 

27.01.2021: Es geht los (Friederike Kaiser)

 

Seit Jahren sitzen wir jetzt an diesem Projekt. Erste Ideen, Studierendenentwürfe, Architektenauswahl, der Brocken Finanzierung, irgendwas fehlt immer. Für uns alle und für mich als Museumsleiterin eine ständige Herausforderung. Und jetzt habe ich das erste Mal das Gefühl, dass es wirklich losgeht. Was war der Auslöser? Die leergeräumten Museumsräume, das unendliche Verräumen der Objekte unserer letzten Ausstellung oder die ersten gepackten Kisten. Keine Ahnung. Jetzt ist der Umbau jedenfalls da.

 

Unser Bautagebuch wollen wir die nächsten Monate bis zur Wiedereröffnung führen. Wir haben besprochen, das im Team zu machen. Also abwechselnd wir zwölf Kolleg_innen im DAV-Geschäftsbereich Kultur und zusätzlich Gäste, die wir um Beiträge bitten. Es sind jetzt schon so viele Personen am Umbau beteiligt oder haben ihn in irgendeiner Weise unterstützt, dass das hier vielleicht ein ganz offenes Format wird. Das würde mich jedenfalls sehr freuen.

 

Als ersten habe ich Anton Böhm gebeten zu erzählen, was er macht. Der Böhm-Toni, Ethnologiestudent und Skilehrer aus Bad Tölz, ist seit Ende November Praktikant bei uns im Haus.