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Johann Stüdl zum 181. Geburtstag

27.06.2020, 16:28 Uhr

Wem fast hundert Jahre nach seinem Tod mit einer Kranzniederlegung gedacht wird, der muss ein nachhaltiges Vermächtnis hinterlassen haben. Das von Johann Stüdl spüren wir bis heute im Deutschen Alpenverein. Am 27. Juni wäre der Mitbegründer des DAV 181 Jahre alt geworden. Zeit für eine kleine Reminiszenz an einen großen Alpinisten.

Zuerst noch fern der Alpen

Menschen, die die tiefsten Spuren im Alpinismus hinterlassen haben, kommen nicht immer zwangsläufig von dort, wo die Berge am höchsten sind. Das gilt auch für Johann Stüdl. Denn der Mitbegründer des Deutschen Alpenvereins ist in Prag geboren und aufgewachsen. Auch seine ersten Schritte als junger Erwachsener führten in nicht in Richtung Alpen; zum Chemiestudium wechselte er nach Dresden. Als sein Vater starb, ging er zurück nach Prag, um das väterliche Geschäft für Wein und Kolonialwaren zu übernehmen.

Stüdl wird Mitglied des Österreichischen Alpenvereins, der 1862 und damit wenige Jahre vor dem DAV gegründet wurde. 1864 unternimmt der Kaufmann mit seinen beiden Brüdern seine erste Hochgebirgstour, die Überschreitung des Schwarzensteingletschers im Zillertal. Auf dem Rückweg jedoch stürzt ihr Bergführer in den Tod. Für Stüdl die Initialzündung, das Bergführerwesen zu organisieren. Er gründet den ersten Bergführerverein, um Standards für Sicherheit und Vergütung durchzusetzen.

 

Es folgen große Besteigungen

1867 reist er mit seinem Bruder in die Hohen Tauern. Ihr Ziel: die Besteigung des Großglockners, den höchsten Berg Österreichs. Der erste Versuch schlägt allerdings fehl, schlechtes Wetter durchkreuzt ihre Pläne. Stattdessen besteigt er den Großvenediger und andere Gipfel in den Hohen Tauern und den Ötztaler Alpen.

In Kals, einer Gemeinde am Fuß des Großglockners, erfährt Stüdl von den Plänen der Einheimischen, den Südwestgrat auf den Großglockner zu erschließen und eine Schutzhütte auf dem Weg zu bauen. Er finanziert den Bau der Hütte und den Einbau der Steighilfen. Beides, die Hütte und der Südwestgrat, tragen bis heute seinen Namen.

 

1869: Gründung des deutschen Alpenvereins

1869 gründet Stüdl zusammen mit Karl Hofmann, Franz Senn und Theodor Trautwein den DAV, fast 50 Jahre lang steht er selbst der Sektion Prag vor, die lange die drittgrößte des DAV ist. Vier Jahre später, 1873, fusionieren DAV und ÖAV zum DuÖAV (Deutscher und Österreichischer Alpenverein) unter Vermittlung Stüdls; der Zusammenschluss besteht bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Doch bereits nach dem Ersten Weltkrieg dominierte in Europa zunehmend eine nationalistische Haltung. Auch im DuÖAV gibt es immer radikalere nationalistische und antisemitische Tendenzen. Stüdl, selbst Katholik, tritt dem entschieden entgegen, verhindern kann er die Entwicklung freilich nicht. Für Stüdl beginnen schwere Zeiten, wenden sich doch viele seiner tschechischen Freunde von ihm ab. 1919 verlässt er Prag und zieht zu seinem Sohn und dessen Familie nach Salzburg.

 

DAV gedenkt des Alpen(vereins)pioniers

Nachdem Stüdl seine aktive Bergsteigerlaufbahn beendet hat, widmet er sich der Erschließung der Hochgebirgsregionen für den aufkommenden Tourismus. Zusammen mit Trautwein und Senn, den Mitbegründern des DAV, erarbeitet er Richtlinien für das Bergführerwesen. Stüdl gilt auch als Pionier des alpinen Hütten- und Wegebaus, bis heute eine der Hauptaufgaben des DAV.

Am 29. Januar 1925 stirbt Johann Stüdl in Salzburg im Alter von 85 Jahren. Anlässlich des Wege- und Hüttensymposiums im Februar in Salzburg trafen sich Vertreter der DAV-Gremien am Grab von Johann Stüdl auf dem Kommunalfriedhof, um ein Gesteck mit Schleife niederzulegen.