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Hütten in Corona-Zeit: DAV-Präsident Klenner trifft sich mit Staatsminister Aiwanger

25.08.2020, 11:25 Uhr

Am Montag, den 24. August trafen sich DAV-Präsident Josef Klenner und der Bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger in München. Der Gesprächsanlass: Die Zukunft der 67 DAV-Hütten in Bayern in Zeiten von Corona. Dem Treffen war ein Brandbrief des DAV an das Bayerische Wirtschaftsministerium vorausgegangen.


Holzfassade außen, eine „urige Stube“ innen – der „Kriechbaumhof”, die Geschäftsstelle der JDAV Bayern im Münchner Stadtteil Haidhausen, ist ein guter Ort, um über das Hüttenwesen im DAV zu sprechen. Dieses Thema treibt den Deutschen Alpenverein im Corona-Jahr 2020 besonders um. 

 

„Aktuell werden unsere bayerischen Hütten von den Gesetzgebern mit der Hotellerie im Tal gleichgesetzt“, so DAV-Präsident Josef Klenner. „Die DAV-Hütten sind aber sehr viel mehr als bloße Übernachtungsbetriebe, sie sind Schutzhütten, also wichtige Stützpunkte im Gebirge, und erfüllen eine Lenkungsfunktion, die gerade für den Naturschutz von großer Bedeutung ist.“ Derzeit könnten, so der Präsident, allerdings nur 25 bis 40 Prozent der Übernachtungsplätze vergeben werden. „Wir sind daher sehr froh, dass wir den ohnehin engen Austausch, den wir pflegen, nun durch ein persönliches Gespräch noch verbessern können“, so der Präsident. 

 

Gespräche nehmen Fahrt auf

Man könne die Hütten auf Dauer nicht unrentabel betreiben, sagte er und bekräftigte: „Wir sind sehr froh, dass wir den Deutschen Alpenverein und seine Sektionen haben, die Schutzhütten betreiben.“ Dass auch der Bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger die Dringlichkeit erkennt, zeigte sich bei dem Treffen deutlich.

 

Bereits Anfang Juni schickte der DAV einen Brandbrief an die Bayerische Staatskanzlei, in dem er die Probleme der Hütten thematisierte, um weitere Unterstützung bat und sich gleichzeitig als Gesprächspartner für mögliche, den besonderen Umständen angepasste Lösungen, ins Spiel brachte. Dieses Angebot wurde zunächst von der Staatskanzlei und jetzt auch vom Wirtschaftsministerium angenommen. 

 

Aus Sicht des DAV stehen vier Maßnahmen im Mittelpunkt, mit denen die Situation auf den Hütten verbessert werden könnte: 

 

  • Stockbettenlager und gegenüberliegende Lager können wieder stärker belegt werden 
  • Angleichung der Abstandsregelungen nach österreichischem Vorbild, jedoch mit drei Metern Abstand 
  • Hilfsfonds zur Existenzsicherung für den Hüttenbetrieb 
  • Finanzielle Unterstützung bei coronabedingten Umbaumaßnahmen 
 

Neben der finanziellen Unterstützung bei Betrieb und Umbaumaßnahmen wäre besonders die verantwortungsvolle Erhöhung der Bettenkapazität von besonderer Bedeutung: Durch Corona entdecken aktuell immer mehr Menschen die heimischen Berge für sich. Gleichzeitig können gerade die höher gelegenen Hütten nicht einmal im Ansatz die Nachfrage bedienen und ihrem Schutzhüttencharakter gerecht werden. Auch die Natur leidet am Ende darunter: Die Zahl der Wildcamper in den Bayerischen Alpen stieg im Corona-Jahr stark an, die Folge ist eine zunehmende Beeinträchtigung der besonders fragilen alpinen Flora und eine Störung der Tiere. 

 

Die starke Einschränkung der Übernachtungskapazitäten liegt in der Architektur der Hütten begründet, vor allem in den Schlaflagern: Das sind meist große Räume mit bis zu 40 Betten – über 2200 solcher Schlafplätze gibt es alleine auf bayerischen DAV-Hütten. Zwar wäre in den Lagern meist genug Platz, um die in Bayern geltenden Abstandsregelungen einzuhalten und es wäre in der Regel auch möglich, für eine gute Durchlüftung zu sorgen. Die aktuelle Verordnung sieht allerdings vor, dass bei Übernachtungen in einem Raum maximal zehn Personen zugelassen sind – egal wie groß der Raum ist. „Natürlich sind wir uns auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst“, so Präsident Josef Klenner, „die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen hat für uns oberste Priorität.“ 

 

Gesucht: Lösung

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger will gemeinsam mit dem DAV nach verantwortbaren Lösungen suchen: „Die Umsetzung der gesetzlichen Hygieneauflagen zwingt die Hüttenwirte, den Übernachtungsbetrieb stark einzuschränken, was zu großen wirtschaftlichen Einbußen führt. Wir werden die Situation noch einmal in einem Praxis-Check gemeinsam mit dem DAV genau unter die Lupe nehmen, um Wege für eine Verbesserung des wirtschaftlichen Betriebs der Hütten zu finden. Ziel ist es, die Belegung mit Blick auf die Herbstsaison zu optimieren, ohne Hygienerisiken einzugehen“, erklärte Aiwanger.

 

Ein Ansatz könne es sein, auf manchen Hütten große Übernachtungsräume in kleinere Einheiten zu unterteilen und die Belüftung zu verbessern. DAV-Präsident Josef Klenner zeigt sich nach dem Gespräch zufrieden: „Es war ein sehr offenes und konstruktives Treffen. Ich freue mich, dass Staatsminister Aiwanger für unsere Sorgen und Nöte ein offenes Ohr hat und bin gespannt, welche weiteren Entwicklungen sich aus diesem Termin ergeben. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es passende Lösungen geben wird.“