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Rückschau: Halls & Walls 2017

Neuer Name, längere Dauer, andere Location: Am 17. und 18. November fand das DAV-Kletterhallentreffen zum ersten Mal als „Halls & Walls“ im Messegelände Nürnberg statt. Der Schritt hat sich gelohnt: Die Mischung aus Messe, Expertenvorträgen und Branchentreff hat etwa 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt gelockt. Und alle waren sich nachher einig: Halls & Walls war ein großer Erfolg!

 

Doppelt so viele Aussteller und Teilnehmer

Der Winter ist schon fast wieder bei uns angekommen – und wer nicht mit Pickel und Steigeisen unterwegs sein will, den verschlägt es zum Klettern spätestens jetzt nach drinnen. Doch immer mehr Sportlerinnen und Sportler sind auch bei wärmeren Temperaturen in künstlichen Kletteranlagen anzutreffen: Die Indoor-Kletterszene wächst. Genauso wie das Kletterhallentreffen des Deutschen Alpenvereins „Halls & Walls“. Die letzten Jahre schon als Erfolg gefeiert, setzte der DAV als Veranstalter dieses Jahr noch einmal eine Schippe drauf: Doppelt so viele Teilnehmer, doppelt so viele Aussteller – und das Ganze auch doppelt so lang. Zwei Tage dauerte das Branchentreffen im Nürnberg Convention Center und gab Ausstellern, Hallenbetreibern und Experten – aus der Region und international, vom Allgäu bis Südkorea – reichlich Zeit und Raum für ausführliche Gespräche.

 

Produkte rund um’s Indoorklettern

Über 90 Unternehmen stellten neue Produkte rund ums Indoor-Klettern vor – von Griffen, Wänden und Böden über Sicherungssysteme und Bekleidung bis hin zu Reinigungsgeräten und spezieller Verwaltungssoftware. Das Interesse der Besucher an den Ständen der Aussteller war sehr groß.: „Wir hatten zwei Tage lang einen Gesprächstermin nach dem anderen“, sagte zum Beispiel Tom Brenzinger von der Firma Boulders Kletterhallenservice.

 

Vorträge auf deutsch und englisch

Neben Produktpräsentationen zogen vor allem die Expertenvorträge die Besucher an. Im Anschluss an die Eröffnung durch den DAV-Vizepräsidenten Roland Stierle machte Peter Zeidelhack den Anfang der Vortragsreihe bei der Halls & Walls. Er gewährte vor allem Einblick in das Sicherheitsmanagement beim Routenbau. Passend zum Vortrag gab er zudem einen Workshop - auf deutsch und englisch, damit auch die internationalen Gäste vom Wissen des erfahrenen Routenbauers profitieren konnten. Bei allen anderen großen Vorträgen gab es Simultanübersetzungen.

 

Krisenmanagement & Kletterkultur

Was tun, wenn in der Halle ein schwerer Kletterunfall passiert? Wie kann man das Hallenpersonal auf solche Fälle gut vorbereiten? Kann man das überhaupt? „Ja“, lautete die klare und deutliche Antwort von Bergwachtleiter, Mediator und Kriseninterventionsteamer Heiner Brunner. In seinem Vortrag stellte er ein Konzept zur Schulung von Bediensteten in Kletterhallen vor. Anschließend lud Ralph Stöhr (Magazin „klettern“) zu einem äußerst sehenswerten und launigen Blick auf die Entwicklung der Kletterkultur ein. Zum Abschluss des ersten Messetages bot die Halls & Walls Party Gelegenheit zu einem lockeren Ausklang des Abends. Um 22.30 Uhr war immer noch viel los und der Sicherheitsdienst hatte alle Mühe, die Besucherinnen und Besucher hinaus zu komplimentieren.

 

Sicherheit in Kletterhallen

Den Startschuss für die Expertenvorträge am Samstag gab Jens Leonhäuser von der Agentur Steilpass. Sein Vortrag drehte sich um Chancen und Potenziale, die sich durch den Kletterboom und durch Olympia für die Kletterhallen ergeben. Ein Besuchermagnet war – wie bereits in den Jahren zuvor beim Kletterhallentreffen in Darmstadt – der Vortrag der DAV Sicherheitsforschung, der in Nürnberg aus zwei Teilen bestand. Florian Hellberg stellte die neuen Konzepte zur Handhabung von Persönlicher Schutzausrüstung in Kletterhallen vor. Und Julia Janotte beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit der Frage, wie die Kommunikationskultur in Kletterhallen zur Unfallprävention beitragen kann.

 

Bouldern im E4

Halls & Walls fand erstmals nicht in einer Kletterhalle statt – wenn man vom Schlusspunkt absieht. Der fand nämlich in der nahe gelegene Boulderhalle E4 statt. Dort konnten jene Besucherinnen und Besucher, die nach zwei Messetagen noch etwas Bewegungsdrang hatten, das eine oder andere Boulderproblem ausprobieren. Wer nur zuschauen wollte, hatte dazu ebenfalls Gelegenheit: bei einem prominent besetzten „Mini-Boulderweltcup“.

 

Halls & Walls: Hintergründe zum Indoorklettern

Kletterhallen sind längst weit mehr als nur Trainingsmöglichkeiten für Alpinkletterer – und mit über einer halben Million Kletterinnen und Kletterern in Deutschland kann man kaum noch von einer Randsportart sprechen. Im Gegenteil: Indoor-Klettern hat sich zum Breitensport gemausert. Das belegen die Zahlen über aktive Sportler genauso wie Statistiken zu Kletterhallen. Das erste DAV-Kletterzentrum – 1992 in Berchtesgaden eröffnet – hat im Laufe der Jahre einige Konkurrenten bekommen. Inzwischen bieten Deutschlands Kletterhallen über 300.000m² Kletter- und fast 150.000m² Boulderfläche. Die Fläche verteilt sich auf etwa 450 künstliche Kletteranlagen, gut 200 davon werden von DAV-Sektionen betrieben. In die größten Hallen strömen an manchen Tagen bis zu 1000 Kletterinnen und Kletterer.

 

Klettern für die Gesundheit

Doch nicht nur im Breitensport macht sich der Kletter-Trend bemerkbar. Durch die ausgewogene Kombination von körperlicher und geistig-mentaler Forderung ist Klettern zu einem Bestandteil in Schulen, Rehasport und Sozialarbeit geworden. Einige Sektionen bieten beispielsweise auch Klettergruppen für Menschen mit Handicap an. Das bewusste Erfahren des eigenen Körpers, das Ausblenden anderer Gedanken durch volle Konzentration auf die Kletterroute – so können Menschen mit verschiedenen Krankheitsbildern vom Klettersport profitieren.

 

Fotogalerie von Halls & Walls

Einige Impressionen der halls & walls 2017 sind im Video von Horst Fürsattel festgehalten (oben), Fotos gibt es in der Bilddatenbank.