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Ehrenamtliche im Interview - DAV-Sektionsvorsitzende

06.03.2020, 16:36 Uhr

Annatina Müller (l.), Marianne Fischer (M.) und Rita Endres-Grimm (r.) sind Erste Vorsitzende einer DAV-Sektion - drei von insgesamt 36 weiblichen Ersten Vorsitzenden in den 358 DAV-Sektionen. Ihr Weg dorthin, was sie antreibt und wie sie das Thema Frauen im DAV sehen: ein Gespräch zum Internationalen Frauentag am 8. März.

 

 

 

Wie bist du / sind Sie zum Amt der Ersten Vorsitzenden gekommen?

Annatina Müller (Sektion Kulmbach):
Ich habe schon als Jugendleiterin den Verein früh als etwas erlebt, wo man sehr gute Bindungen zu verschiedenen Leuten aufbaut. Später habe ich dann den Posten des zweiten Vorstandes übernommen, seit 2018 bin ich Erste Vorsitzende. Warum ich dieses Amt konkret ausübe? Ehrlich gesagt weiß ich das auch nicht genau, mir hat sich nie die Frage danach gestellt, es hat irgendwie schon immer dazu gehört sich einzubringen, ich bin damit aufgewachsen.

 

Marianne Fischer (Sektion Schwabmünchen): 
Als mein Mann Zweiter Vorsitzender wurde und eine Schriftführerin gebraucht wurde, übernahm ich dieses Amt. Mein Mann ist dann - als Erster Vorsitzender im Amt - plötzlich verstorben und sagte noch: "Kümmere du dich um den Verein".

 

Rita Endres-Grimm (Sektion Pirmasens):
Für mich war es selbstverständlich, mich im Ehrenamt zu engagieren. Lange bevor die Sektion mich 1999 zur Ersten Vorsitzenden wählte. Seit Ende 2019 habe ich außerdem das Amt der Rechnungsprüferin im DAV inne. Durch die verschiedenen Ämter im DAV, auch im Bundesverband (früherer Bundesausschuss Medien und Kommunikation, Kommission Ehrenamt, Verbandsrat) habe ich großen Einblick in die Strukturen des DAV erhalten. Seit 20 Jahren war ich auf fast jeder Hauptversammlung, habe mich mit den Zahlen des Bundesverbandes beschäftigt. Im Bundesverband Druck und Medien war ich 16 Jahre Rechnungsprüferin und in der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland 5 Jahre. Dazu führte ich beruflich über 40 Jahre eine mittelständische Druckerei. So war dies für mich die logische Folge für das Amt der Rechnungsprüferin beim DAV zu kandidieren, besonders als erste Frau für dieses doch „Männeramt“.

 

 

Und zum DAV?

Annatina Müller:
Über meine Eltern. Sie haben unsere Jugendgruppe angestoßen, die aus der Familiengruppe heraus gewachsen ist. Diese habe ich dann ab 14 mit organisiert und mit 16 als Jugendleiterin die Gruppe dann auch übernommen.

Marianne Fischer: 
Ich bin schon als Jugendliche gerne in die Berge gegangen und hab dort auch meinen Mann kennengelernt. DAV-Mitglied bin ich seit 1977.

 

 

Rita Endres-Grimm: 
Durch den Vater, er war schon als Jugendlicher in Passau Mitglied, ab 1949 in Pirmasens.  Die Familie, 2 Schwestern und meine Mutter und ich traten dann 1964 in die Sektion Pirmasens ein.

 

Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen, um ein so verantwortungsvolles Ehrenamt gut auszufüllen?

Annatina Müller:
Gelassenheit, einen gewissen Grad an Organisiertheit, eine Portion Selbstbewusstsein und einen Partner,  der in den heißen Phasen für einen kocht und einem sagt, wenn es genug ist und man lieber in die Fränkische fahren sollte.

Marianne Fischer: 
Man muss die Menschen mögen, denn nicht immer kommt ein Dank zurück, auch unberechtigte Kritik muss man einstecken können.

 

 

Rita Endres-Grimm:
Speziell als Rechungsprüferin muss man betriebswirtschaftliche Vorgänge beurteilen und Ein- und Überblick über die Strukturen des Bundesverbandes haben, um die Zahlen und Vorgänge zu beurteilen.

 

Frauen im DAV: Was fällt dir/Ihnen ganz spontan dazu ein:

Annatina Müller:
Alle Frauen, die ich im DAV erlebt habe, waren taff und zielorientiert. Das bringt wohl auch der Sport mit sich.

Trotzdem bekomme ich, wenn wir mal als reine Frauenseilschaft unterwegs sind, oft gesagt, dass das noch immer speziell ist.

 

 

 

 

Rita-Endres-Grimm: 
Kompetente, verantwortungsvolle Fachfrauen in ihren jeweiligen Ämtern mit Durchsetzungskraft. Starke, schlagfertige Persönlichkeiten.

 

 

Sind Themen wie Gleichberechtigung im Beruf, Lohngerechtigkeit, Frauenquote für dich/ Sie persönlich ein Thema?

Annatina Müller:
Ich arbeite in einem sehr männerdominierten Beruf, da ist das natürlich ein Thema, allerdings kann ich mich nicht unbedingt beschweren. Dafür, dass die Männer in meinem Jobumfeld bisher kaum Frauen in dieser Berufsrolle erlebt haben, sind sie meist schon recht fortschrittlich und umgänglich. 

 

Marianne Fischer:
Ich habe das jahrelang im Beruf hautnah erlebt und mich oft gewundert: Wenn ein Posten von einem Mann besetzt wurde, dann brauchte man noch eine Frau, die die Arbeit macht.

 

 

Und wie steht es mit der Vereinbarkeit von Job/Familie/Ehrenamt?

Annatina Müller: 
Es gibt Zeiten im Jahr, da ist es wirklich sehr eng. Vor allem, wenn einige Wochenenden hintereinander im Jahr für den Verein drauf gehen. Zusätzlich ist mein Freund Bereitschaftsleiter bei der Bergwacht, wir können uns also auch nicht immer gegenseitig den Rücken freihalten. Gerade am Jahresende wird es dann manchmal echt dicke, und es gibt eine Woche nur Nudeln mit Pesto oder so. Wie das mal aussehen soll, wenn Kinder da sein sollten? Ich denke nicht darüber nach. Hilft ja auch nichts, das wird sich irgendwie fügen.

 

Marianne Fischer: 
Ich nehme mir ganz einfach die Zeit, weil es sein muss, da bleiben private Interessen oft auf der Strecke. 1. Vorstand, Schriftführerin und Mitgliederbetreuung auf einmal ist etwas zuviel des Guten. Bei unserer kommenden Jahreshauptversammlung hat sich eine Kameradin für den Posten "Mitgliederbetreuung" gemeldet, dann wird es schon leichter.

Rita Endres-Grimm: 
Da ich keine Familie, sprich Kinder, hatte und sich mein verstorbener Mann im Alpenverein als Ausbildungsreferent und FÜL Bergsteigen in unserer Sektion engagiert hatte, war es möglich, die Ehrenämter so zu bekleiden. Derzeit alleinstehend und nicht mehr voll im Beruf, bringe ich gerne die Zeit auf, noch mal was Neues zu beginnen.

 

Deine/Ihre „Botschaft“ an die Frauen im DAV?

Annatina Müller: 
Wenn meine Finger zu sehr zamgefroren sind, lass ich mir meine Ski auch mal von einem Kerl abfellen. Das heißt aber nicht, dass man sich hinter ihnen verstecken muss. Beim Klettern betreiben wir Gleichberechtigung doch schon länger, das nennt sich Wechselführung. Also ab in den Vorstieg!

 

Marianne Fischer:
Man muss sich ganz einfach trauen, ehrenamtlich aktiv zu werden, die Mitglieder warten darauf. Als Frau kann man oft besser schlichten und zum Vereins-Klima beitragen.

Rita Endres-Grimm:
Traut Euch ein Amt zu, ihr könnt es, nehmt Euch ein Beispiel an den Frauen, die sich schon ehrenamtlich im DAV engagieren. Wir Frauen im DAV geben gerne Unterstützung.

 

1. Was darf nie im Rucksack fehlen? 2. Was sind Aufreger am Berg? 3. Und welches die schönsten Momente?

Annatina Müller:

  1. Wohl oder übel die Trinkflasche.
  2. Lautsprecherboxen am Fels, Plastiktütengeknister im Lager.
  3. Das Hängen am Stand beim Nachsichern. Wenn man ganz für sich ist, den Blick über die Landschaft schweifen lassen und den Routenverlauf studieren kann.

Marianne Fischer:

  1. Wasser, Notproviant, Verbandszeug, Handy, Rettungsfolie.
  2. Falsches Schuhwerk, Müll und Geschrei am Berg.
  3. Auch allein lässt sich ein Gipfel genießen, man merkt plötzlich, dass die Alltagssorgen im Tal bleiben und ganz klein sind.

 

Rita Endres-Grimm:

  1. Erste-Hilfe-Set mit Biwaksack.
  2. Laut telefonierende Bergsteiger am Gipfel, Selfies am Gipfel, die sofort die Runde machen.
  3. Das Gipfelglück, das sich aber erst einstellt, wenn ich eine Gruppe wieder gesund ins Tal gebracht habe.