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Parlamentarischer Abend des DAV

13.06.2019, 18:00 Uhr

"150 Jahre Deutscher Alpenverein" - ein gegebener Anlass die Themen des DAV im politischen Berlin zu präsentieren!

Es war der zweite Auftritt dieser Art in Berlin: Nach der Premiere 2016 in der bayerischen Landesvertretung präsentierte der DAV seine Themen am Abend des 5. Juni 2019 in der Landesvertretung Baden Württembergs. Es kamen rund hundert Gäste aus dem parlamentarischen Betrieb, aus den deutschen Sportverbänden und aus den Gremien des DAV.

 

Nach einer 90-minütigen Show quer durch die großen und aktuellen Themen des DAV hatten die Gäste die Gelegenheit, sich an verschiedenen Ständen eingehender zu informieren. Gelegenheit zum Gespräch gab es schließlich auch beim Abendessen im Garten der Landesvertretung Baden-Wüttembergs. "Der Abend hat deutlich gezeigt, dass wir mit relevanten Themen und Positionen an die Öffentlichkeit gehen und dort durchaus Gehör finden," bilanzierte DAV-Präsident Josef Klenner die Veranstaltung.

 

Einstimmung zum 150. Geburtstag

Zur Einstimmung in den Abend lief zunächst der Jubiläumsclip – und selbstverständlich war es auch der 150. Geburtstag des DAV, der den inhaltlichen Ton der ersten zehn Minuten vorgab.

Allerdings nicht durch einen DAV-Vertreter, sondern durch Andreas Schulze, den Chef der Landesvertretung Baden-Württembergs. Er ließ die 150-jährige Geschichte des DAV in seinem Grußwort kurz und knapp Revue passieren. Anschließend wäre eine Vertiefung dieser 150-jährigen Geschichte im Gespräch mit Josef Klenner an der Reihe gewesen – eigentlich.

 

Gletscher-Liveschaltung im Sturm

Wegen eines nahenden Gewitters musste jedoch ein anderer Programmpunkt vorgezogen werden. Dieses Gewitter nahte allerdings nicht in Berlin, sondern am Mittelbergferner in den Ötztaler Alpen. Dort standen nämlich zwei Mitarbeiter der DAV-Bundesgeschäftsstelle, um in einer Liveschaltung nach Berlin über Gletscher im Allgemeinen und die Skigebiets-Erschließungspläne vor Ort im Besonderen Auskunft zu geben. Von deren windumtosten Beschreibungen waren die Gäste in Berlin nachhaltig beeindruckt, wenn auch oder vielleicht gerade weil die Liveschaltung wetterbedingt bereits nach zwei Minuten abgebrochen werden musste.

 

Der DAV als gesellschaftlicher und politischer Akteur

Nach dem Exkurs in (nicht mehr ganz so) ewige Eis kehrte das Programm zu 150 Jahren Deutscher Alpenverein zurück. Josef Klenner beließ es in seinen Ausführungen allerdings nicht bei einer Beschreibung der verschiedenen Phasen des DAV. Insbesondere mit Blick auf antisemitische und demokratiefeindliche Tendenzen im DAV zwischen 1900 und 1945 entwickelte er eine Begründung für das starke gesellschaftspolitische Engagement des heutigen DAV: "Die Ereignisse damals sind uns heute Mahnung und Aufforderung, uns für Vielfalt, Toleranz und Offenheit einzusetzen."

 

Wie groß der Einfluss des DAV in der deutschen Gesellschaft ist, zeigte Klenner anhand der Mitgliederzahlen. "Wir haben 1,3 Millionen Mitglieder. Wir haben seit vielen Jahren ein Wachstum von vier bis fünf Prozent. Wir werden immer weiblicher und jünger. Diese positive Entwicklung ist nahezu einzigartig in der deutschen Sportverbändelandschaft." Mit dem Hinweis auf eine andere Einzigartigkeit schloss der DAV-Präsident seine Ausführungen: "Wir sind sowohl dem Bergsport als auch dem Naturschutz verpflichtet. Diese Doppelrolle macht uns als Ansprechpartner für die Politik besonders wertvoll."

 

Leistungssport im DAV: Olympia muss weitergehen

Im zweiten großen Themenblock erläuterte DAV-Hauptgeschäftsführer Dr. Olaf Tabor mit dem Expeditionsbergsteigen, dem Skimountaineering und dem Wettkampfklettern zunächst die drei Säulen des Leistungsbergsports im DAV. Anschließend konzentrierte sich das Gespräch auf das Wettkampfklettern. Dazu sahen die Gäste zunächst ein Video, in dem zehn Jahre Boulderweltcups im Münchner Olympiastadion gefeiert wurden. Danach bat das Moderationsteam Chris Hanke auf die Bühne. Er und Dr. Tabor schilderten aus ihren jeweiligen Perspektiven, welche Veränderungen Olympia in den Klettersport gebracht haben.

 

Der Appell, der am Schluss des Gesprächs übrig blieb, war eindeutig: Der Klettersport braucht verstetigte Fördermittel, wenn er sich über Tokio 2020 hinaus gut weiterentwickeln soll. Denn vermutlich wird Sportklettern auch in Paris 2024 olympisch sein, die Fördermittel des Bundes sind aber nur bis 2020 begrenzt.

 

Ganz am Schluss des Themenblockes stand dann noch eine sportliche Einlage: Chris Hanke hangelte mehrmals und mit unterschiedlichen Techniken an einem so genannten Campusboard ohne Füße rauf und runter. Am meisten Eindruck machte Hanke beim Publikum mit "Doppeldynos".

 

 

#unserealpen

In eine ganz andere Richtung ging der Beitrag von DAV-Vizepräsident Rudi Erlacher. Mit seiner einleitenden Bemerkung baute er allerdings eine gute Brücke. Im Anschluss an die sehr dynamische Einlage von Chris Hanke sagte er: "Zu meiner Kletterzeit bedeutete die Dreipunktregel noch, dass immer drei Körperteile an der Wand bleiben, während sich eines bewegt. Das scheint ja jetzt genau umgekehrt zu sein!"

 

Eigentlich hätte Erlachers Beitrag direkt an die Gletscher-Liveschalte anschließen und damit die Themen Klimawandel, Erschließungen, Nutzungsdruck und Naturschutz aufgreifen sollen. Aber auch ohne diese Liveschalten-Einführung gelang es Rudi Erlacher, dem Publikum deutlich zu machen, dass die Alpen massiv bedroht sind und es darauf ankommt, jetzt aktiv zu werden. Dazu formulierte er einige klare Forderungen und stellte die internationale Naturschutzkampagne #unserealpen vor.

 

Die GäMSen

Von der Vielfalt des Bergsports konnte sich das Publikum beim nächsten Themenblock überzeugen. Begleitet von ihrem Mann Peter rollte Petra Weigel mit ihrem Rollstuhl auf die Bühne und stellte sich als Kletterin vor. "Ich habe Multiple Sklerose. Peter und ich haben vor sieben Jahren die Klettergruppe GäMSen ins Leben gerufen." Eindrücklich erzählte sie davon, wie die Gruppe und das Klettern mit Multipler Sklerose (MS) funktioniert und welchen positiven Effekt das auf die Krankheit hat. Von der beeindruckenden Arbeit der GäMSen war übrigens auch die Jury des größten Sportpreises in Deutschland überzeugt. Und so hat der DOSB die GäMSen vor zwei Jahren mit den Sternen des Sports in Gold ausgezeichnet. Die Vorführung des damals entstandenen kurzen Films über die GäMSen war der Schlusspunkt dieses Themenblocks.

 

100 Jahre Jugendarbeit im DAV

Wenn in diesem Jahr von Jubiläum gesprochen wird, sind damit meistens 150 Jahre Deutscher Alpenverein gemeint. Dass aber auch die Jugend des Deutschen Alpenvereins einen sehr runden Geburtstag feiert, hat DAV-Vizepräsidentin und Bundesjugendleiterin Sunnyi Mews in ihrem Beitrag deutlich gemacht. 100 Jahre ist die Jugendarbeit im DAV nämlich in diesem Jahr alt. Wie Josef Klenner versteht sie die antisemitischen und demokratiefeindlichen Tendenzen im Verband bis 1945 als Verpflichtung für heutiges gesellschaftspolitisches Engagement: "Bergsport ist mehr als Sport, er kann viel bewirken. Vor diesem Hintergrund setzen wir uns ein für eine offene und tolerante Gesellschaft."

 

Hochsommerlicher Abschluss

Den Schlusspunkt der Themenschau setzte Josef Klenner mit einem abschließenden Statement: "Zusammen mit unseren alpinen Partnerverbänden können wir viel bewirken. Aber auch die Unterstützung der Landes-, Bundes- und europäischen Politik ist für uns unverzichtbar. Mit unseren Mitgliedern im Rücken, unserer Dualität als Bergsport- und Naturschutzverband und unserer langen Geschichte bin ich zuversichtlich, dass wir auch die kommenden 50, 100 oder 150 Jahre unseren Beitrag zur Gesellschaft leisten können."

 

Während die einen Gäste sich danach noch am Campusboard probierten, gingen die anderen an die Stände. Dort präsentierten Experten die Themen Leistungssport, Natur & Umwelt, Hütten & Wege und JDAV. Hochsommerlich ging schließlich der parlamentarische Abend des DAV zu Ende: Im Garten saßen die Gäste bis weit über Mitternacht, und selbst dann hielten sich die Temperaturen oberhalb der 25-Grad-Marke.

 

Bilder der Veranstaltung

Eindrücke des Parlamentarischen Abends gibt es hier.

 

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