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Alpenvereinsjahrbuch BERG 2023

Bergsteigen als Luxusproblem?

15.09.2022, 16:07 Uhr

Ein Premiumkreuz auf der Wildspitze, Mountainbikes zu Kleinwagenpreisen, die Sauna auf der Berghütte, Natur als Kapital – wie der Mensch selbst am Berg den Luxus sucht, und was das mit ihm und seiner Umwelt macht, beleuchtet das Alpenvereinsjahrbuch BERG 2023 in sechs Kapiteln.

Kurz zusammengefasst

Das Kapitel BergWelten mit dem Gebietsthema Wildspitze betrachtet die Auswirkungen der Erschließung der Alpen – die Menschen am Fuß des zweithöchsten Gipfel Österreichs trauern den armen alten Zeiten jedenfalls nicht nach. Auch der Mountainbike-Hype trägt natürlich auf eine gewisse Art zur Erschließung bei – und so liegt der BergFokus auf diesem Thema. BergSteigen ist immer schon ein Spiegel seiner Zeit und so fragt sich die gleichnamige Rubrik im Buch, welche Geschichten es eigentlich wirklich wert sind, festgehalten zu werden. Für die porträtierten BergMenschen ist gerade das Festhalten essenziell, lassen sie sich im Gegenzug für ihre Geschichten doch Ausrüstung oder sogar die komplette Lebensführung sponsern. Im BergWissen gibt es Erkenntnisse rund um Gletscher, künstliche Beschneiung und jahrtausendealte Tradition. Auch Tourismus als alte Tradition passt unter den Begriff BergKultur, aber wie findet man am Berg noch Klasse statt Masse? Das Alpenvereinsjahrbuch ist ab sofort im DAV-Shop sowie im Buchhandel erhältlich.

 

BergWelten: Annäherung an die Wildspitze auf die "sanfte" und "harte" Tour

Alpine Schönheiten und zivilisatorische Kontraste – davon hat die Gegend rund um die Wildspitze (3768 m), das diesjährige Gebietsthema von BergWelten, genug zu bieten. Susanne Gurschler nähert sich über Gegensätze wie das „sanfte“ Bergsteigerdorf Vent und die „harten“ Wintersportdestinationen Gurgl und Sölden an den zweithöchsten Berg Österreichs an. Fotograf Bernd Ritschel dagegen arbeitet seine 45-jährige Geschichte mit dem Berg auf einer zeitlichen Achse ab – und schafft es, in seinem 13-jährigen Neffen die gleiche Begeisterung zu wecken, die er damals verspürt hat. Aktuell wird allerdings aufgrund eines Felssturzes am Mitterkarjoch und der drohenden Gefahr weiterer von der meistbegangenen Route zur Wildspitze dringend abgeraten. App zum Gipfel machen sich auch Georg Rothwangl und Wolfgang Warmuth: klassische Alpenvereinsführer sind größtenteils ins Archiv gewandert, die Tour auf die Wildspitze planen sie digital mit Apps wie alpenvereinaktiv.

 

BergFokus: Verkehrswende in den Alpen?

Dass immer mehr Menschen die Alpen nicht mehr zu Fuß, sondern auf zwei Rädern durchstreifen, ist nicht neu. Dass der Mensch generell eher bequem ist, auch nicht. Die Masse an E-Mountainbikes allerdings schon. Das ist allerdings nur ein Aspekt des BergFokus Mountainbike – das Kapitel blickt auch zurück auf die Geschichte der Transalp und des Mountainbikens an sich. Und wenn es ums Mountainbiken geht, „muss“ es natürlich auch um die Konflikte gehen – die zwischen all jenen auf zwei Füßen und jenen auf zwei Rädern, genährt vor allem durch sich hartnäckig haltende Vorurteile. Aber auch um Generationenkonflikte, wie Tom Dauer auf Radreise mit seinem 13-jährigen Sohn feststellen darf.

 

BergMenschen: Über dem Kopf der Weltraum

Wenn der nepalesische Profibergsteiger auf dem Gipfel des Mount Everest steht, überragt er den Berg um etwa 175 Zentimeter und über seinem Kopf ist nur noch der Weltraum. Für BergMenschen porträtiert Stephanie Geiger Nirmal Purja, der die Grenzen des Möglichen am Berg auslotet. Auch Barbara Zangerl geht Schritt für Schritt ans Limit, sie gehört zu den stärksten österreichischen Kletterinnen und erzählt, was den Reiz des Sports für sie ausmacht.

 

BergSteigen: Traditioneller Alpinismus ist ausgesprochen gefährlich

Im Kapitel BergSteigen versucht der „Kurator der Alpingeschichte“ Andi Dick sich an einer Chronik des internationalen Alpinismus und reflektiert, was zu erzählen wirklich zählt. Zum Luxusproblem des Bergsteigens passt Georg Bayerles Beschäftigung mit den Tölzer Richtlinien, die bereits vor hundert Jahren dem Trend zu mehr Komfort auf den Hütten eine klare Absage erteilten. Außerhalb seiner Komfortzone war Simon Messner in 15 Jahren alpiner Kletterei und Bergbesteigungen oft genug. Er stellt fest, dass der traditionelle Alpinismus schlicht ausgesprochen gefährlich ist – und plädiert für mehr Eigenverantwortung.

 

BergWissen: Schmelzende Forschungsgegenstände

Jede Generation bringt ihre eigene Kulturlandschaft hervor – von Almwirtschaft zu Almlandschaft zu Industrielandschaft. Werner Bätzing vermittelt BergWissen rund um die Alm- und Alpwirtschaft und zieht Zwischenbilanz: Wie ist es um die Zukunft der jahrtausendealten Tradition bestellt? Noch älter ist der Forschungsgegenstand, der der Wissenschaft gerade unter den Instrumenten wegschmilzt – Andrea Fischer fragt, welche Methoden nun noch genutzt werden können, um das Verschwinden zu erfassen. Leidtragender und Verursacher zugleich ist der Wintertourismus – dank ihm verwandelt sich die hochalpine Bergwelt allmählich in eine künstliche Seenlandschaft.

 

BergKultur: Ski oder Schi?

„Die Welt könnte so schön sein, wenn sie nicht überall von Touristen verschandelt würde.“ In der Rubrik BergKultur macht Selma Mahlknecht sich Gedanken über die Geschichte des (Berg-)Tourismus, seine Vorzüge und seine Übel. Und um noch ein letztes Mal zum Luxus zurückzukehren: Fahren wir eigentlich Ski oder Schi? Wer sich über solche Fragen und deren kulturelle Auswirkungen Gedanken machen darf, der hat tatsächlich Luxusprobleme.

 

Infos & Bestellung

Alpenvereinsjahrbuch „BERG 2023“

  • Herausgeber: Deutscher Alpenverein (DAV), Österreichischer Alpenverein (ÖAV) und Alpenverein Südtirol (AVS)
  • Redaktion: Axel Klemmer, Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien
  • 256 Seiten, mit 330 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, 21 x 26 cm, gebunden
  • ISBN 978-3-7022-4057-8
  • Preis: € 20,90
  • DAV-Mitglieder erhalten zum Jahrbuch kostenlos die neu aufgelegte Alpenvereinskarte 30/6 „Ötztaler Alpen Wildspitze“ im Maßstab 1:25.000

 

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