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Wettkampfklettern: Die Saison beginnt!

06.07.2020, 14:23 Uhr

Corona hat auch der Saison der Wettkampfkletterinnen und -kletterer einen Strich durch die Rechnung gemacht: Nicht nur, dass nationale wie internationale Wettbewerbe – und sogar die Olympischen Spiele – verschoben oder abgesagt werden mussten, auch die Trainingsstätten für die Athletinnen und Athleten wurden vorerst geschlossen. Mit der Entspannung der Lage kann nun der Wettkampfzirkus wieder anlaufen – hier finden Sie die wichtigsten Infos zur Saison.

Die Corona-Pause

Nationale wie internationale Wettkämpfe abgesagt, Olympia verschoben, die Trainingsstätten geschlossen: Noch bevor die Wettkampfsaison für die Kletterinnen und Kletterer richtig starten konnte, wurde sie Anfang des Jahres bereits für beendet erklärt – oder zumindest für verschoben.

 

Für die Olympioniken Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main) und Alexander Megos (DAV Erlangen) war dies gar keine so schlechte Nachricht, fand zumindest einer der Bundestrainer, Urs Stöcker: „Als junge Sportart bei Olympia hat man sowieso sehr wenig Zeit für die Vorbereitung auf dieses Mega-Ereignis. Ein Jahr mehr Training schadet da nicht.“ Und auch für Alma Bestvater (DAV Weimar) hatte die Verschiebung ihr Gutes: Die Athletin hätte sich bei der Europameisterschaft in Moskau im Frühling noch für Olympia qualifizieren können – erlitt kurz zuvor aber eine Ellenbogenverletzung. Doch auch die EM wurde verschoben und so besteht doch noch etwas Hoffnung für die Sportlerin.

 

Um die Athletinnen und Athleten sowie den Betreuerstab bestmöglich zu schützen, wurden vonseiten des Deutschen Alpenvereins als Fachverband für das Sportklettern frühzeitig Maßnahmen ergriffen und der Trainings- und Wettkampfbetrieb eingestellt. Die Verantwortlichen einigten sich darauf, einen Tag zu benennen, ab dem der Trainingsbetrieb in allen Bundesländern wieder starten konnte. Acht Wochen danach würde die nationale Wettkampfsaison beginnen. Dieser Tag ist nun gekommen: Am 1. Juli fiel der Startschuss für die Saison.

 

Weltcups starten Ende August

Etwas früher als die nationalen Veranstaltungen beginnt die Weltcup-Saison. Nach dem Willen des Weltverbandes IFSC findet in diesem Jahr aber ein etwas kleineres Programm statt:

 

  • 21./22.08.: Briançon, Frankreich, Lead
  • 11.-13.09.: Salt Lake City, USA, Bouldern und Speed
  • 07.-11.10.: Seoul, Südkorea, Bouldern, Lead und Speed (eine abschließende Entscheidung steht noch aus)
  • 23.-25.10.: Chongqing, China, Bouldern und Speed
  • 30.10.-01.11.: Wujiang, China, Bouldern und Speed
  • 04.-06.12.: Xiamen, China, Lead und Speed
 

In einer normalen Wettkampfsaison werden sechs Weltcups pro Disziplin ausgetragen, in der Regel ist die Saison im Herbst vorbei. Nun verschieben sich die Cups nach hinten und von 18 Veranstaltungen bleiben immerhin 12.

 

Inwiefern die Saison tatsächlich wie geplant durchgeführt werden kann und wie aussagekräftig diese sein wird, steht noch nicht fest: Jedes Land geht mit dem Virus anders um, hat andere Regeln aufgestellt und befindet sich bei der Bekämpfung der Pandemie in unterschiedlichen Stadien: Während in Mitteleuropa die Krise vorerst abgewendet scheint, sieht es in den USA und in weiten Teilen Südamerikas noch anders aus. Was das für die Veranstalter und für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bedeutet, ist noch nicht abzusehen. Die IFSC hat hier ihre Richtlinien zum Umgang mit dem Virus zusammengefasst.

 

Einen ganz besonders wichtigen Austragungsort findet man indes nicht im Kalender der IFSC: Der Boulderweltcup München musste in dieser Saison leider ersatzlos entfallen. Die Auflagen der Behörden erlauben derzeit kein solches Event.

 

„Dass wir unseren Heimweltcup absagen mussten, schmerzt natürlich sehr. Der Weltcup in München hat ja inzwischen schon fast Tradition und wurde von allen Boulderbegeisterten auf der ganzen Welt als ein Highlight des Jahres geschätzt. Gerne hätten wir unserem treuen und fantastischen Publikum in München wieder ein solches Spektakel geboten. Aber zum Schutze Aller war das leider in diesem Jahr nicht möglich. Nun müssen sich alle bis nächstes Jahr gedulden, da werden wir die Party dann hoffentlich nachholen“, erklärt DAV-Sportdirektor Martin Veith.

 

Neu: Austria Climbing Summer Series

Ein Gutes hatte Corona trotzdem: Die DACH-Region, also Österreich, Deutschland und Schweiz, rückt sportlich etwas näher zusammen – bei den Austria Climbing Summer Series: In Österreich finden je zwei Boulder-, Lead- und Speed-Events statt, bei denen neben dem österreichischen Team auch Mannschaften aus der Schweiz und Deutschland startberechtigt sind.

 

„Wir hatten uns auch in Deutschland schon früh über die Möglichkeit von kleinen Wettkämpfen beschäftigt, in denen wir zumindest den Athletinnen und Athleten aus den Alpenländern wieder Wettkampfreize ermöglichen könnten", erklärt Martin Veith, und weiter: "wir sind unseren österreichischen Freunden dankbar, dass sie ihre ‚Summer Series‘ nun auch den Schweizern und uns zugänglich machen. Für Wettkampfsportler ist es enorm wichtig, Wettkämpfe zu haben. Zwar können Sportkletterer im Gegensatz zu vielen anderen olympischen Sportarten noch die sportliche Herausforderung am Fels suchen, aber vor allem für die Psyche sind solche Ziele und Reize wichtig.“

 

Infos:

 

Die Boulder-Termine finden von 07. bis 10. Juli und 14. bis 17. Juli statt.
 

Für den DAV starten bei den Damen:

  • Roxana Wienand (DAV Aschaffenburg)
  • Mona Kellner (DAV Freising)
  • Lucia Dörffel (Sächsischer Bergsteigerbund)
  • Elisa Van der Wel (DAV Zweibrücken; nur 7.-10. Juli)
  • Helene Wolf (DAV Hamburg und Niederelbe; nur 14.-17. Juli)

Herren:

  • Yannick Flohé (DAV Aachen)
  • Christoph Schweiger (DAV Ingolstadt)
  • Philipp Martin (DAV Allgäu-Kempten; nur 7.-10. Juli)
  • Max Kleesattel (DAV Schwäbisch Gmünd; nur 7.-10. Juli)
  • Kim Marschner (DAV Schwäbisch Gmünd; nur 14.-17. Juli)
  • Stefan Schmieg (DAV Heilbronn; nur 14.-17. Juli)

 

Die Speed-Wettbewerbe gehen am 09./10. Juli und 16.-18. Juli über die Bühne. Hier startet der DAV mit seinen Newcomern:
 

Herren:

  • Sebastian Lucke (DAV Konstanz)
  • Linus Bader (DAV Neu-Ulm)
  • Ludwig Breu (DAV Landshut)
  • Thorben Perry Bloem (DAV Braunschweig)

Damen:

  • Franziska Ritter (DAV Barmen)
  • Nuria Brockfeld (DAV Osnabrück)

 

Zu den Lead-Wettkämpfen geht es am 3. und 6. August nach Imst in Tirol. Wer für den DAV startet, steht noch nicht fest.

 

Wettkämpfe in Deutschland

Auch national beginnt die Wettkampfsaison wieder. Bei den Wettkämpfen spielt das Bundesland, in dem sie stattfinden, eine maßgebliche Rolle bei der Planung der Veranstaltung. Im Moment ist sehr wahrscheinlich, dass die Events ohne Publikum stattfinden. Trotzdem verpassen Interessierte keine Sekunde des Wettbewerbs: Alle Deutschen Meisterschaften werden im Livestream übertragen.

 

Der Deutsche Alpenverein plant derzeit mit drei Deutschen Meisterschaften, sowie einem internationalen Jugendwettbewerb (EYC)

 

  • EYC Lead, Augsburg, 17. und 18. September
  • DM Bouldern, Augsburg, 19. und 20. September
  • DM Lead, Ort wird noch bekannt gegeben, voraussichtlich am 10. Oktober
  • DM Speed, Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben

 

Sportdirektor Martin Veith: „Wir freuen uns, dass wir wieder eine Perspektive auf nationale Wettkämpfe haben. Es war uns wichtig, in allen drei Disziplinen Deutsche Meisterschaften anbieten zu können. Natürlich steht der Schutz aller Beteiligter nach wie vor an erster Stelle. Daher haben wir ein umfangreiches Konzept zum Umgang mit Wettkämpfen zu Coroanzeiten aufgestellt. Unter diesen Rahmenbedingungen sind wir überzeugt, hochwertige, spannende und sportlich faire Wettkämpfe anbieten zu können.“

 

Stimmen aus dem Kader

Linus Bader, Platz 3 bei der DM Olympic Combined 2019 und im Speed nominiert für die Austria Climbing Summer Series: „Ich freue mich riesig, dass die Saison langsam wieder losgehen kann! Weil man dann wieder viele von den anderen Athleten sehen kann, die nicht nur Konkurrenten sondern auch gute Freunde sind. Und es natürlich gut tut, nach langer Wettkampfpause sich mit anderen messen zu können, das gibt einem wieder viel Kraft und Motivation, im Training Gas zu geben.“

 

Lucia Dörffel, letztjährige Deutsche Meisterin im Lead und Bouldern: „Ich freue mich schon wieder mega auf die Wettkämpfe, aber fand es auch mega cool viel Zeit am Fels zu verbringen. Wettkämpfe machen einfach Spaß. Vor allem, wenn man so lange keine hatte. Es ist einfach cool, mal wieder zu sehen wo man so steht und das ganze Training an die Wand zu bringen.“

 

Lexikon des Wettkampfkletterns

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Klettern ist eine Welt für sich. Von A wie Affenindex bis Z wie Zone ergibt sich ein ganzes Lexikon aus Equipment, Positionen und Schrittfolgen, die im Klettersport ganz bestimmte Bezeichnungen haben. Wir führen euch einmal durch's ABC des Kletterns und erklären euch, was die Begriffe bedeuten.  Schnellnavigation: A - B - C - D - E - F - G - H - I - K - L - M - N - O - P - Q - R - S - T - U - V - W - Z 

Was ist Speed-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

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Wie es der Name sagt: beim Speed geht es um Schnelligkeit. Also darum, eine weltweit genormte Route, bei der die Länge und Neigung der Wand sowie die Größe, Form und Position der Griffe und Tritte immer identisch sind, schnellstmöglich nach oben zu klettern. Gesichert wird beim Speed mit Seilsicherung von oben, also im Toprope. Die Athletinnen und Athleten müssen am Ende der Route auf einen Buzzer schlagen, dann wird die Zeit gestoppt. Die Speedtour ist bei Wettkämpfen 15 Meter hoch, hängt fünf Grad über und hat einen Schwierigkeitsgrad von UIIA 7+. Da es sich immer um die gleiche Griffabfolge handelt, können sich die Kletterinnen und Kletterer optimal vorbereiten. Sie prägen sich bei unzähligen Gos den Bewegungsablauf so ein, dass sie ihn verinnerlicht haben und genau wissen, welchen Griff sie wie nehmen beziehungsweise wohin sie ihren Fuß setzen müssen. Beim Speedklettern ist neben einer hohen Schnell- und Maximalkraft deshalb auch eine große Greif- und Trittpräzision notwendig. Außerdem sind im Wettkampf, der über mehrere Runden geht, bei höchster Geschwindigkeit Schnellkraftausdauer und Nervenstärke erforderlich. 

Was ist Olympic Combined?

Das neue Wettkampfformat

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Im Sommer 2016 beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Aufnahme von Sportklettern in das Olympische Programm. Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2020 wird die Premiere stattfinden. Der Wettkampfmodus für Tokio ist ein neu geschaffenes Kombinationsformat, das Olympic Combined, das sich aus den drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed zusammensetzt. Der Wettkampf bei Olympic Combined läuft über zwei Runden: Qualifikation und Finale, die an unterschiedlichen Tagen stattfinden. Jede Athletin und jeder Athlet muss in allen drei Disziplinen starten. Die Abfolge ist festgelegt: Begonnen wird mit Speed, danach kommt Bouldern und als letzte Disziplin Lead.   Die Ergebnisse aus der Qualifikationsrunde werden multipliziert und daraus ein Ranking erstellt. Kletterer A hat beispielsweise in den drei Disziplinen die Platzierungen 2, 5 und 10, die multipliziert eine Punktezahl von 100 ergeben. Kletterer B landet in allen drei Disziplinen auf Platz 6 und erhält 216 Punkte. Kletterer A hat weniger Punkte, landet in der Gesamtwertung also vor Kletterer B und hat bessere Chancen, ins Finale einzuziehen. Die acht Athleten mit der niedrigsten Punktezahl werden dort starten. Im Finale werden die drei Disziplinen mit kurzer Pause direkt hintereinander geklettert. 

Was ist Lead-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

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Lead, also das Klettern mit Seil, wird auch als Vorstiegs- oder Schwierigkeitsklettern bezeichnet. Es ist die traditionellste Disziplin des Kletterns. Hier geht es darum, eine definierte Route in einer vorgegeben Zeit möglichst sturzfrei zu durchklettern – beziehungsweise höher als die anderen Starterinnen und Starter zu kommen. Seit mittlerweile über 30 Jahren hat sich das Leadklettern als Wettkampfsportart etabliert – 1989 ging der erste Weltcup über die Bühne. Zu Beginn fanden die Wettkämpfe noch am Fels statt, beim „Rockmaster“ im italienischen Arco beispielsweise, einem der ältesten Sportkletterwettkämpfe überhaupt. Inzwischen aber werden Wettkämpfe in Hallen an bis zu 20 Meter hohen Kunstwänden durchgeführt. Für diese Disziplin ist vor allem Ausdauer und Kraft nötig. Daneben sind eine ausgefeilte Technik und eine gute Taktik gefragt, um an der Weltspitze mitklettern zu können. Zunehmend sieht man bei den Leadwettkämpfen aber auch spektakuläre Sprünge oder Bewegungen, wie die „Figure Four“, bei dem mangels Tritt das Bein über den Unterarm gehängt und aus dieser Position weitergezogen wird.   Das Niveau beim Leadklettern ist mittlerweile sehr hoch, bei den Deutschen Jugendmeisterschaften beispielsweise sollte die männliche Jugend A den 9. UIAA-Grad beherrschen. Bei der Deutschen Meisterschaft der Senioren liegen die Schwierigkeiten bereits bei UIAA 10/10+, international sogar noch höher: Bei den Weltcups werden Touren bis zum UIAA-Grad 11-/11 geklettert. 

Was ist Bouldern?

Die Sportart als Wettkampf

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Bouldern bedeutet Klettern ohne Seil in Absprunghöhe – also einer Höhe, aus der noch ohne Verletzungsgefahr abgesprungen werden kann. Weichbodenmatten sollen bei einem eventuellen Sturz vor Verletzungen schützen. Das Bouldern ist eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Bei dieser Kletterdisziplin geht es darum, Probleme zu lösen, also Boulder richtig zu lesen. Im Wettkampf müssen komplexe Einzelzüge und komplizierte Bewegungsabläufe in einer vorgegeben Zeit bewältigt werden: Ziel ist es, den Topgriff, also den obersten Griff, mindestens drei Sekunden lang stabil zu halten. Beim Bouldern ist vor allem Maximalkraft gefragt. Diejenigen Kletterinnen und Kletterer, die an der Weltspitze dabei sein wollen, brauchen darüber hinaus ein hohes Maß an Athletik, eine sehr gute Beweglichkeit und ein ausgeprägtes Koordinationsvermögen. Akrobatische Bewegungsabläufe, Sprünge oder ungewöhnliche Körperpositionen gehören mittlerweile zum abgefragten Repertoire bei den Wettkämpfen. Durch seine spektakulären Bewegungen, viel Action in kurzer Zeit sowie dem zuschauerfreundlichen Modus hat das Wettkampfbouldern in den vergangenen Jahren zunehmend an Anziehungskraft gewonnen. Zu dem diesjährigen Boulderweltcup in München, bei dem der deutsche Starter Jan Hojer Bronze gewann, kamen mehr als 5000 Besucherinnen und Besucher.