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Kletter-EM: Hannah Meul holt Silber im Bouldern

14.08.2022, 20:17 Uhr

Vom 11. bis 18. August findet das Sportklettern bei den European Championships Munich 22 statt. Das DAV-Team hat nach Tag vier der Europameisterschaften beachtliche Erfolge vorzuweisen. Hannah Meul konnte holte die Silbermedaille im Bouldern und landete im Lead auf Platz 7. Bei den Herren kletterten Alexander Megos und Yannick Flohé bis ins Finale. Alle Infos zu den vergangenen Wettkämpfen und einen Ausblick lesen Sie hier.

Hannah Meul ist Vize-Europameisterin

Es ist die beste Saison ihrer Karriere: Hannah Meul vom DAV Rheinland-Köln hat in diesem Jahr schon einige Male bewiesen, dass sie zur absoluten Weltspitze gehört: Im Bouldern durfte die 21-Jährige in der laufenden Weltcup-Serie schon zwei Silbermedaillen feiern. Jetzt hat sie es in München wieder geschafft. Vor etwa 5000 Zuschauer*innen – der Wettkampf am Königsplatz war restlos ausverkauft – belegte sie den zweiten Platz bei den Europameisterschaften. Es ist unglaublicher Erfolg, denn die letzte deutsche Athletin, die auf dem Podium einer EM landete, war Juliane Wurm 2015 in Innsbruck.

 

Nachdem Meul schon im Halbfinale überzeugen konnte, startete sie als Dritte der Vorrunde in den ersten Damenboulder. Diesen kletterte sie im zweiten Versuch – beachtlich, schließlich erreichte neben ihr nur Oriane Bertone (FRA) den obersten Griff. Nicht einmal die Top-Favoritin Janja Garnbret (SLO) konnte dieses Kunststück vollbringen. Obwohl die Rheinländerin mit dieser komfortablen Ausgangssituation sogar noch weiter nachlegte, blieb es bis zum Ende spannend: Nach der vorletzen Tour war ihr dann das Podium fast nicht mehr zu entreißen. Lediglich die Zone musste sie im letzten Boulder-Problem erreichen. Diese erreichte sie mit Leichtigkeit und landete am Ende auf Platz 2. Direkt hinter der unschlagbaren Slovenin Garnbret. Bronze ging an die gerade einmal 17-jährige Französin Oriane Berton. 

 

Die Ergebnisse im Bouldern der Frauen: 

  1. Janja Garnbret
  2. Hannah Meul
  3. Oriane Bertone

 

16. Alma Bestvater (DAV Weimar)
25. Afra Hönig (DAV Landshut)
40. für Leonie Lochner (DAV München-Oberland)

 

Alle Ergebnisse gibt es hier.

 

Megos und Flohé klettern im Lead-Finale

Nach einem eher traditionell geschraubten Halbfinale überlegten sich die Routesetter für die Runde der besten Acht eine eher boulderlastige Route, mit Sprüngen, Kompressionszügen und Kopfüber-Passagen. Yannick Flohé (DAV Aachen) kam als Dritter aus der Call-Zone und legte mit 29+ gut vor, zwischenzeitlich Platz 1. Sein Teamkollege Alexander Megos (DAV Erlangen) hinter ihm erhöhte auf 30+. Megos 1, Flohé 2. Doch leider hielt die Bestmarke der beiden Kletterstars nicht lange genug.

 

Eng wurde es für Adam Ondra (CZE): Er kletterte bis Zug 37+, genausoweit wie Luka Potocar (SLO). Normalerweise würde nun die Platzierung im Halbfinale entscheiden. Doch auch dort hatten beide die gleiche Wertung. Aufgrund der geringeren Zeit, die Ondra in der Route bis zu seinem Sturz benötigte, schob er sich im Ranking vor den Slowenen. Als letzter kam Weltmeister Jakob Schubert (AUT) heraus. Was würde der Österreicher in dieser Boulderroute ausrichten können? Nicht genug, wie sich herausstellte: Er fiel bei Zug 34+.

 

Die Platzierungen:

  1. Adam Ondra (CZE)
  2. Luka Potocar (SLO)
  3. Alberto Ginés López (ESP)


5. Alexander Megos
6. Yannick Flohé
30. Philipp Martin (DAV Allgäu-Kempten)
38. Sebastian Halenke (DAV Schwäbisch Gmünd)

 

Alle Ergebnisse gibt es hier.

 

Platz 7 im Lead der Frauen für Hannah Meul

Die Ausnahmeathletin aus Frechen glänzte nicht nur heute im Bouldern, sondern bereits am Vortag im Lead: Dort erreichte sie ebenfalls die Endrunde: Auf Platz 5 zog sie nach dem Halbfinale in das Finale ein, zusammen mit anderen Größen dieser Sportart, wie Janja Garnbret (SLO), Jessica Pilz (AUT) oder Mia Krampl (SLO). Am Ende sollte sie den Tag als 7. beenden: "Die Stimmung war einfach toll, ich hatte richtig Gänsehaut. Das Publikum hat gepusht und hat mir Flügel gegeben. Ich habs einfach richtig genossen - und mein Ziel war, es ins Finale zu schaffen." - so Meul nach dem Wettkampf.

 

"Über das Lead-Finale bin ich super happy. Ich weiß natürlich, dass Bouldern meine Hauptdisziplin ist, aber auch, dass ich im Lead mega viel herausgeholt habe in dieser Saison. Ich war am Ende platt und habe alles aus mir herausgeholt. Ich weiß jetzt auch, woran ich arbeiten muss und das spornt mich einfach nur an." - so Meul nach dem Lead-Finale.

 

Die Ergebnisse im Lead der Frauen: 

  1. Janja Garnbret
  2. Jessica Pilz (AUT)
  3. Hily Manon (FRA)

7. Hannah Meul 

29. Käthe Atkins (Sektion Frankfurt/Main)

 

Alle Ergebnisse gibt es hier.

 

Stimmen aus dem DAV

Hannah Meul nach dem Finale: "Das Finale war unglaublich und atemberaubend, ich habe jede Sekunde auf der Matte und an der Wand einfach nur genossen! Dass es eine Möglichkeit gibt, aufs Treppchen zu kommen, habe ich bereits nach dem ersten Boulder gespürt, das hat mich total gepushed und das habe ich verucht durch den ganzen Wettkampf mit mir mitzutragen, ohne mich unter Druck zu setzen und einfach nur zu sehen 'ok, es ist möglich, du hast es drauf, gib dein Bestes, dann läufts'! Die Stimmung hat mir mega geholfen, es war eine riesen Party und ich glaube, ich hab es noch nie so genossen generell zu Klettern. Es war mega."

 

Hannah Meul über ihre Chancen bei den Combined-Wettkämpfen: "Für Combined habe ich mir vorgenommen, es wieder zu genießen. Es war mein geheimer Wunsch, bei der EM in alle Finals zu klettern und ich bin mega froh, dass ich das erreicht habe - ich habe mich nichtmal getraut, das für mich selbst auszusprechen. Aber jetzt kann ich es sagen! Und ich gebe einfach nochmal alles!"

 

Das sagt der DAV-Bundestrainer Ingo Filzwieser zu Hannah Meuls Erfolg: "Es ist einfach nur gewaltig. Bei der Heim-Europameisterschaft Silber zu holen ist unglaublich, das muss gefeiert werden. Herzlichen Glückwunsch an Hannah! Jetzt kann sie sich die nächsten zwei Tage erholen und dann drücken wir die Daumen für Combined."

 

Nächste Wettkämpfe: Speed und Finale in "Boulder & Lead"

Am Montag, den 15. August gehen Europas beste Speed-Athletinnen an die Griffe.

 

Zwei Tage später, am Mittwoch, den 17. August, findet dann das Finale der Kombinationswertung "Boulder & Lead" der Damen statt. Für dieses spezielle Format, das auch so bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris ausgetragen wird, qualifizieren sich nur die 8 Besten aus den Einzeldisziplinen im Lead und Bouldern. Hannah Meul hat sich bereits sicher dafür qualifiziert. 

 

Das Herrenfinale findet dann am Donnerstag, den 18. August statt. Hier empfehlen sich Alexander Megos und Yannick Flohé. Die finale Entscheidung steht allerdings noch nicht fest, da die Startlisten noch nicht veröffentlicht wurden.

 

Livestreams der Finalentscheidungen: 

 

Auch der Deutsche Alpenverein informiert auf Instagram unter @dav.wettkampfklettern sowie auf alpenverein.de zeitnah über die Disziplinen und Ergebnisse.

 

Service für die Presse

 

 

Liveticker Kletter-EM

Finale "Boulder & Lead" mit Hannah Meul

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Es war der 6. Wettkampftag der Europameisterschaften am Mittwoch und es ging nochmal um Alles: Erstmals fand ein Wettbewerb im brandneuen Kombinationsformat "Boulder und Lead" statt - heute durften die Athletinnen an die Griffe, die sich über die entsprechenden Einzeldisziplinen in den vorigen Tagen qualifiziert hatten. Für das DAV-Team ging Hoffnungsträgerin Hannah Meul an den Start. Einen Rückblick auf die vergangenen Wettkämpfe gibt es hier.   Bisherige Highlights der Europameisterschaften: Hannah Meul (DAV Rheinland-Köln) Vize-Europameisterin im Bouldern Hannah Meul, 7. Platz im Lead-Finale Alex Megos, 5. Platz im Lead-Finale Yannick Flohé, 6. Platz im Lead-Finale Hannah Meul qualifiziert für das Finale im Kombinationsformat "Boulder & Lead" und erreicht den vierten Platz.  

Lexikon des Wettkampfkletterns

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Klettern ist eine Welt für sich. Von A wie Affenindex bis Z wie Zone ergibt sich ein ganzes Lexikon aus Equipment, Positionen und Schrittfolgen, die im Klettersport ganz bestimmte Bezeichnungen haben. Wir führen euch einmal durch's ABC des Kletterns und erklären euch, was die Begriffe bedeuten.  Schnellnavigation: A - B - C - D - E - F - G - H - I - K - L - M - N - O - P - Q - R - S - T - U - V - W - Z 

Was ist Lead-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

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Lead, also das Klettern mit Seil, wird auch als Vorstiegs- oder Schwierigkeitsklettern bezeichnet. Es ist die traditionellste Disziplin des Kletterns. Hier geht es darum, eine definierte Route in einer vorgegeben Zeit möglichst sturzfrei zu durchklettern – beziehungsweise höher als die anderen Starterinnen und Starter zu kommen. Seit mittlerweile über 30 Jahren hat sich das Leadklettern als Wettkampfsportart etabliert – 1989 ging der erste Weltcup über die Bühne. Zu Beginn fanden die Wettkämpfe noch am Fels statt, beim „Rockmaster“ im italienischen Arco beispielsweise, einem der ältesten Sportkletterwettkämpfe überhaupt. Inzwischen aber werden Wettkämpfe in Hallen an bis zu 20 Meter hohen Kunstwänden durchgeführt. Für diese Disziplin ist vor allem Ausdauer und Kraft nötig. Daneben sind eine ausgefeilte Technik und eine gute Taktik gefragt, um an der Weltspitze mitklettern zu können. Zunehmend sieht man bei den Leadwettkämpfen aber auch spektakuläre Sprünge oder Bewegungen, wie die „Figure Four“, bei dem mangels Tritt das Bein über den Unterarm gehängt und aus dieser Position weitergezogen wird.   Das Niveau beim Leadklettern ist mittlerweile sehr hoch, bei den Deutschen Jugendmeisterschaften beispielsweise sollte die männliche Jugend A den 9. UIAA-Grad beherrschen. Bei der Deutschen Meisterschaft der Senioren liegen die Schwierigkeiten bereits bei UIAA 10/10+, international sogar noch höher: Bei den Weltcups werden Touren bis zum UIAA-Grad 11-/11 geklettert. 

Was ist Bouldern?

Die Sportart als Wettkampf

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Bouldern bedeutet Klettern ohne Seil in Absprunghöhe – also einer Höhe, aus der noch ohne Verletzungsgefahr abgesprungen werden kann. Weichbodenmatten sollen bei einem eventuellen Sturz vor Verletzungen schützen. Das Bouldern ist eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Bei dieser Kletterdisziplin geht es darum, Probleme zu lösen, also Boulder richtig zu lesen. Im Wettkampf müssen komplexe Einzelzüge und komplizierte Bewegungsabläufe in einer vorgegeben Zeit bewältigt werden: Ziel ist es, den Topgriff, also den obersten Griff, mindestens drei Sekunden lang stabil zu halten. Beim Bouldern ist vor allem Maximalkraft gefragt. Diejenigen Kletterinnen und Kletterer, die an der Weltspitze dabei sein wollen, brauchen darüber hinaus ein hohes Maß an Athletik, eine sehr gute Beweglichkeit und ein ausgeprägtes Koordinationsvermögen. Akrobatische Bewegungsabläufe, Sprünge oder ungewöhnliche Körperpositionen gehören mittlerweile zum abgefragten Repertoire bei den Wettkämpfen. Durch seine spektakulären Bewegungen, viel Action in kurzer Zeit sowie dem zuschauerfreundlichen Modus hat das Wettkampfbouldern in den vergangenen Jahren zunehmend an Anziehungskraft gewonnen. Zu dem diesjährigen Boulderweltcup in München, bei dem der deutsche Starter Jan Hojer Bronze gewann, kamen mehr als 5000 Besucherinnen und Besucher.