Logo-DAV-116x55px

Heiß und trocken: Das war der Berg- und Hüttensommer 2022

26.09.2022, 10:00 Uhr

Die Sommersaison in den Bergen ist zu Ende. Eigentlich hatten die Hüttenwirtsleute nach dem Ende der pandemiebedingten Auflagen auf eine gute Saison nach zwei schwierigen Jahren gehofft. Und dann kam ein Sommer mit Hitze, Trockenheit, steigenden Preisen, Berg- und Gletscherstürzen. Wie sieht die Bilanz aus?

Neue Herausforderungen für Hüttenwirtsleute und Sektionen

Ein sonniger, trockener Sommer und keine Pandemie-Regeln mehr: Das Leben der Hüttenwirtsleute hätte in diesem Jahr sorgloser sein können als in den vergangenen Sommern. "Leider mussten wir dafür mit vielen anderen Problemen kämpfen", sagt Robert Kolbitsch, Ressortleiter Hütten und Wege beim Deutschen Alpenverein: "Während der Pandemie sind viele Menschen aus der Gastronomie abgewandert und haben sich andere Jobs gesucht. Das macht sich auf den Hütten bemerkbar, wo nun mehr Servicekräfte denn je fehlen." Manche Hütten mussten aus diesem Grund ihr Angebot einschränken und zum Beispiel auf Selbstbedienung umstellen. Zudem machen steigende Lebensmittel- und Energiekosten dem Hüttenbetrieb zu schaffen: "Zwar laufen viele Hütten autark, aber die Herdplatten werden zum Beispiel mit Gas erhitzt. Zudem haben die Hütten auch ein Aggregat oder Blockheizkraftwerk, das mit Brennstoffen betrieben wird, die man aus dem Tal heraufbringen muss. Viele Hütten müssen auch mit teuren Hubschrauberflügen versorgt werden."

 

Fehlende Produkte und explodierende Preise machten auch den Sektionen zu schaffen, die Hütten renovieren wollten. "Aufgrund fehlender Firmenangebote und unsicherer Baukostenplanung kommt es zu Verzögerungen bei Hüttenbaumaßnahmen", erklärt Kolbitsch. Umbaumaßnahmen wird es künftig verstärkt geben müssen, der Klimawandel hat in diesem Jahr gezeigt, dass die Wasserversorgung mancher Hütten auf fragilen Beinen steht. So musste die Neue Prager Hütte am Großvenediger bereits im Sommer für die restliche Saison schließen, da es kein Trinkwasser mehr gab. Diese Probleme treten aber nicht nur im Hochgebirge auf, sondern auch in Bayern: Die Hochlandhütte bei Mittenwald entging ebenfalls nur knapp der temporären Schließung: "Ein paar regnerische Tage im September waren unsere Rettung", erklärt Thomas Geberl, Hüttenreferent der Sektion Hochland. "Auf baulicher Seite können wir der Wasserknappheit mit der Erschließung neuer Quellen, der Nutzung von Dachwasser und größeren Speichertanks begegnen", so Robert Kolbitsch, "und natürlich beim Verbrauch: Statt Spültoiletten setzen wir künftig bei manchen Hütten auf Trockentrenntoiletten, die kein Wasser verbrauchen. Auch Duschen wird es in naher Zukunft auf immer weniger Alpenvereinshütten geben können." Hier seien auch die Gäste gefragt: Zum einen mit Verständnis, zum anderen mit aktiver Hilfe beim Wassersparen.

 

 

Das sagen die Hüttenwirtsleute

Die hohen Temperaturen, der geringe Niederschlag, die gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel: In den allermeisten Fällen nannten die Hüttenwirtsleute diese Themen beim Blick auf die zurückliegende Saison. Je nach Standort, Publikum und Betriebskonzept fielen die Konsequenzen aber sehr unterschiedlich aus. Hier sind einige O-Töne.

 

 

Gletschersturz, Bergsturz & Co: Klimawandel in den Bergen

Ein Gletschersturz an der Marmolata mit mehreren Toten, Wegsperrungen am Mont Blanc und am Matterhorn sowie wegen Wassermangels geschlossene Hütten: Das Bergjahr 2022 stand deutlich im Zeichen des menschengemachten Klimawandels. 

 

"Die Situation, wie wir sie in diesem Sommer in den Alpen hatten, gibt uns einen ersten bitteren Vorgeschmack, worauf wir uns mit fortschreitendem Klimawandel einstellen müssen", erklärt Dr. Tobias Hipp, DAV-Experte für Gletscher und Permafrost. Auf einen relativ niederschlagsarmen Winter folgte ein trockener, heißer Sommer. Insbesondere im Hochgebirge haben sich diese Bedingungen bemerkbar gemacht: Die Gletscher waren bereits früh im Sommer ausgeapert, einige Hochtourenrouten mussten gesperrt werden. "Das heißt noch nicht, dass wir diese extremen Bedingungen von jetzt an jeden Sommer in dieser Form haben werden. Aber klar ist: Der Klimawandel, der Gletscherrückgang und der tauende Permafrost werden das Bergsteigen und Hochtourengehen mittelfristig verändern – und risikoreicher machen", so Hipp weiter.

 

 

Service für die Presse