logo-dav-116x55px

DM Speed und Bouldern: Vier nationale Titel und ein neuer deutscher Rekord

06.06.2021, 21:00 Uhr

Es war ein spannendes Wochenende: Am 5. und 6. Juni gingen die Deutschen Meisterschaften Speed und Bouldern über die Bühne. Im Speed dominierte erwartungsgemäß die Jugend: Die 18-jährige Franziska Ritter (DAV Wuppertal) holte sich zum dritten Mal in Folge den Meisterschaftstitel und stellte auch einen neuen deutschen Rekord auf. Bei 8,162 Sekunden liegt nun die Bestmarke. Bei den Herren gewann Linus Bader (DAV Augsburg). Im Bouldern der Herren entschied Yannick Flohé (DAV Aachen) das Finale für sich. Bei den Damen holte Afra Hönig (DAV Landshut) den Titel.

Speed: Ritter und Bader gewinnen

In diesem Jahr waren nicht nur die Paarungen in den KO-Runden spannend, sondern auch das Wettergeschehen. Der Blick zum Himmel gehörte für die Verantwortlichen vom Deutschen Alpenverein zum Standard: Immer wieder zogen dunkle Wolken auf und auch ein kurzer Nieselregen sorgte für Unbehagen. Die Speedwand war im Vonovia Ruhrstadion in Bochum aufgebaut – unter freiem Himmel und dort wo normalerweise der VfL Bochum spielt. Eine ganz besondere Location für so einen Wettbewerb, der als Teil der diesjährigen Ruhr Games in Bochum gastieren durfte. Gleichzeitig wurde die Deutsche Meisterschaft im Zuge des Multisport-Events "Die Finals 2021" von ARD und ZDF übertragen.

 

Die große mediale Öffentlichkeit wusste eine Dame besonders gut zu nutzen: Die 18-jährige Franziska Ritter behielt bis zum Schluss die Nerven und unterbot sogar zwei Mal den bisherigen deutschen Rekord. Bei 8,162 Sekunden liegt nun die neue Bestmarke. Wie auch in den letzten beiden Jahren war ihre Kontrahentin im Finale Sandra Hopfensitz vom DAV Augsburg. Doch auch dieses Mal schlug Ritter als Erste oben an. Bronze ging an Julia Koch (DAV Rheinland-Köln).

 

Bei den Herren gab es eine Wachablösung: Titelverteidiger Sebastian Lucke (DAV Konstanz) kam im Halbfinale nicht an Linus Bader vorbei und landete schließlich auf Platz drei. Silber ging an Thorben Perry Bloem vom DAV Braunschweig.

 

Podium Damen:

  1. Franziska Ritter (DAV Wuppertal)
  2. Sandra Hopfensitz (DAV Augsburg)
  3. Julia Koch (DAV Rheinland-Köln)

 

Podium Herren:

  1. Linus Bader (DAV Augsburg)
  2. Thorben Perry Bloem (DAV Braunschweig)
  3. Sebastian Lucke (DAV Konstanz)

 

 

Bouldern: Platz eins für Hönig und Flohé

Es versprach eine unglaublich spannende Deutsche Meisterschaft Bouldern zu werden: Insgesamt waren 84 Starterinnen und Starter für den Wettkampf in Bochum gemeldet. Vielleicht lag das große Interesse an der vorangegangen langen Wettkampfpause oder auch an der angekündigten Medienpräsenz: Das Halbfinale wurde in Ausschnitten in der ARD und das Finale im Livestream des ZDF übertragen. Klar war: Die Athlet*innen waren in Top-Form und das machte die Sache spannend.

 

Im Finale der Damen blieb alles offen und das bis ganz zuletzt – genauer gesagt entschied sich alles erst im letzten Boulder. Die bis dato amtierende Deutsche Meisterin Hannah Meul (DAV Rheinland-Köln) setzte sich zwar in den ersten beiden Bouldern mit zwei Flashs früh in Führung, dabei sollte es allerdings nicht lange bleiben. Am Ende war es Afra Hönig (DAV Landshut), die der Führenden keine Zeit zum Durchatmen ließ: Mit dem dritten Boulder machte sie kurzen Prozess und legte im letzten Boulder mit der Nummer vier dann vor. Meul trennte nur noch die Zone vom Sieg – diese ließ sie allerdings liegen, was sie zu guter Letzt auf Platz zwei beförderte. Auch Roxana Wienand (DAV Aschaffenburg) hätte das Rennen noch für sich entscheiden können, dafür hätte sie das Top des letzten Boulders in unter zwei Versuchen klettern müssen. Das gelang der jungen Athletin aber nicht und sie landete damit hinter einer überraschend starken Anna Lechner (DAV München Oberland) auf Platz 4. Die neue Deutsche Meisterin: Afra Hönig. 

 

Beim Herren-Finale gestaltete sich die Lage etwas anders: Yannick Flohé (DAV Aachen) legte einen unglaublich souveränen Lauf vor und flashte die ersten beiden Touren, die außer ihm niemand klettern konnte. Schon nach Boulder Nummer drei stand er als Gewinner fest. Besonders ärgerlich war das natürlich für den Zweitplatzierten und Olympia-Teilnehmer Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main). Der 29-Jährige überzeugte mit einer starken Form bereits im Halbfinale, die ersten beiden Final-Boulder waren ihm aber nicht auf den Leib geschneidert. Mit seinem Flash in der letzten Route setzte er sich dennoch von Max Kleesattel (DAV Schwäbisch Gmünd) ab - der dasselbe Top nicht erreichte und damit mit der Bronze-Medaille nach Hause ging. 

 

Podium Damen

  1. Afra Hönig (DAV Landshut)
  2. Hanna Meul (DAV Rheinland-Köln)
  3. Anna Lechner (DAV München-Oberland)

 

Podium Herren

  1. Yannick Flohé (DAV Aachen)
  2. Jan Hojer (Frankfurt/Main)
  3. Max Kleesattel (DAV Schwäbisch Gmünd)

 

 

Statements

Afra Hönig, Siegerin Deutsche Meisterschaft Bouldern

"Es war eine Top-Veranstaltung im Rahmen der Finals und der Ruhr Games. Schade, dass nur wenig Publikum bei der Veranstaltung zugelassen war, trotzdem hat alles super geklappt. Es war wirklich bis zum Schluss spannend. Ich freue mich natürlich riesig, dass ich heute deutsche Meisterin geworden bin, gerade bei so einem starken Feld and Startenden."

 

Yannick Flohé, Gewinner Deutsche Meisterschaft Bouldern

"Heute haben mir die Boulder richtig gut gelegen, weil es endlich mal steil war und auf Bizeps geschraubt. Ich hatte Glück, dass ich im Finale einen guten Start hatte, ich hab den ersten Boulder direkt als Einziger gemacht und mit etwas Vorsprung kann eigentlich nichts schiefgehen. Der Wettkampf fand in einer geilen Location statt, leider haben die Zuschauer gefehlt, aber wenn man das nochmal mit Publikum wiederholen könnte, wäre es ziemlich rtoll. Durch den Sieg nehme ich mir natürlich auch Motivation für die nächsten Weltcups mit."

 

Dr. Urs Stöcker, leitender Bundestrainer

"Die Boulder waren gut geschraubt, die Favoriten haben sich grundsätzlich durchgesetzt. Auf dem Treppchen sind dann die gelandet, die sich über die Runden durchgängig bestätigt haben. Hannah Meul hat im allerletzten Boulder den Sieg aus der Hand gegeben, das hätte ich eigentlich nicht gedacht. Aber auch Afra Hönig war über die Runden hinweg konstant und gut unterwegs und hat sich deshalb natürlich auch den Titel verdient. Yannick Flohé hat alle drei Runden gewonnen; mit zwei Bouldern Vorsprung zu siegen ist schon eine deutliche Ansage. Das zeigt, wo er gerade steht und was er kann. Jetzt gilt es, das in die Weltcups mitzunehmen.

Im Speed sind die Zeiten schon recht gut. Die ganze Speed-Gruppe verdichtet sich, es gibt nicht mehr nur einen Favoriten, sondern mehrere. Bei den Herren kratzen mittlerweile viele an der 6-Sekunden-Marke und bei den Damen liegen einige im tiefen 8-Sekunden-Bereich. Es macht richtig Spaß, dass wir neben Bouldern und Lead noch eine dritte Disziplin entwickelt haben, in der wir auch international mitspielen können."

 

Burgi Beste, Vizepräsidentin DAV

"Wir haben ein spannendes Wochende hinter uns – nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus organisatorischer Perspektive. Eingebettet in die beiden großen Multisportevents Die Finals2021 und Ruhr Games, konnten wir uns als Sport-Kletterernde mit den Disziplinen Speed und Bouldern hervorragend in Szene setzen. Highlight war dabei natürlich der neue deutsche Rekord im Speed der Frauen von Franziska Ritter. Mein besonderer Dank gilt im Namen des Verbandes den Veranstaltern und allen Helferinnen und Helfern vor Ort."

 

Die Finals 2021 und die Ruhr Games

Nachdem die Finals 2020 pandemiebedingt ausfallen mussten, gingen Die Finals 2021 aufgrund der gewachsenen Sporartenvielfalt größer über die Bühne, als dies noch 2019 der Fall war: Damals kämpften die Spitzenathlet*innen zwei Tage um die Titel, diesmal waren es vier volle Tage. Und das mit unglaublicher Medienpräsenz: Über 160 Kameras in 12 Standorten lieferten mehr als 25 Stunden Videomaterial für das Hauptprogramm von ARD und ZDF.

 

Gleichzeitig zu den Finals boten die Ruhr Games als Europas größtes internationales Sport- und Kulturfestival vom 3. bis 6. Juni bereits zum vierten Mal eine moderne Plattform für etwa 5.600 Spitzensporttreibende. Auf dem Programm standen über 240 Wettkämpfe in 16 olympischen Disziplinen – und das auf nationaler und internationaler Ebene. Als Austragungsort für die Kletterwettkämpfe diente das Vonovia Ruhrstadion in Bochum. Publikum war wegen den strengen Corona-Auflagen nur begrenzt erlaubt. 

 

Infos für die Presse

 

Deutsche Meisterschaft Bouldern 2021: Flohé und Hönig gewinnen in Bochum

Mehr erfahren
Die Deutsche Meisterschaft im Bouldern ist soeben zu Ende gegangen: Die neuen Champions heißen Afra Hönig (DAV Landshut) und Yannick Flohé (DAV Aachen). Hier geht es zu den Live-Ergebnissen Ergebnisse der DM Speed 2021  

Deutsche Meisterschaft Speed 2021: Ritter und Bader gewinnen

Mehr erfahren
Erstmals wurde eine Deutsche Meisterschaft Speed im Fernsehen übertragen. Die Athlet*innen zeigten sich in Bestform und lieferten packende Duelle. Am Ende stand Franziska Ritter (DAV Wuppertal) zum dritten Mal in Folge auf dem obersten Podiumsplatz – mit einem neuen Speed-Rekord in der Tasche. Bei den Herren setzte sich Linus Bader (DAV Augsburg) durch. Die komplette Meisterschaft gibt es hier als Liveticker zum Nachlesen.   Hier geht es zur Ergebnisliste  

Lexikon des Wettkampfkletterns

Mehr erfahren
Klettern ist eine Welt für sich. Von A wie Affenindex bis Z wie Zone ergibt sich ein ganzes Lexikon aus Equipment, Positionen und Schrittfolgen, die im Klettersport ganz bestimmte Bezeichnungen haben. Wir führen euch einmal durch's ABC des Kletterns und erklären euch, was die Begriffe bedeuten.  Schnellnavigation: A - B - C - D - E - F - G - H - I - K - L - M - N - O - P - Q - R - S - T - U - V - W - Z 

Was ist Speed-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

Mehr erfahren
Wie es der Name sagt: beim Speed geht es um Schnelligkeit. Also darum, eine weltweit genormte Route, bei der die Länge und Neigung der Wand sowie die Größe, Form und Position der Griffe und Tritte immer identisch sind, schnellstmöglich nach oben zu klettern. Gesichert wird beim Speed mit Seilsicherung von oben, also im Toprope. Die Athletinnen und Athleten müssen am Ende der Route auf einen Buzzer schlagen, dann wird die Zeit gestoppt. Die Speedtour ist bei Wettkämpfen 15 Meter hoch, hängt fünf Grad über und befindet sich im siebten UIAA Schwierigkeitsgrad. Da es sich immer um die gleiche Griffabfolge handelt, können sich die Kletterinnen und Kletterer optimal vorbereiten. Sie prägen sich bei unzähligen Gos den Bewegungsablauf so ein, dass sie ihn verinnerlicht haben und genau wissen, welchen Griff sie wie nehmen beziehungsweise wohin sie ihren Fuß setzen müssen. Beim Speedklettern ist neben einer hohen Schnell- und Maximalkraft deshalb auch eine große Greif- und Trittpräzision notwendig. Außerdem sind im Wettkampf, der über mehrere Runden geht, bei höchster Geschwindigkeit Schnellkraftausdauer und Nervenstärke erforderlich. 

Was ist Bouldern?

Die Sportart als Wettkampf

Mehr erfahren
Bouldern bedeutet Klettern ohne Seil in Absprunghöhe – also einer Höhe, aus der noch ohne Verletzungsgefahr abgesprungen werden kann. Weichbodenmatten sollen bei einem eventuellen Sturz vor Verletzungen schützen. Das Bouldern ist eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Bei dieser Kletterdisziplin geht es darum, Probleme zu lösen, also Boulder richtig zu lesen. Im Wettkampf müssen komplexe Einzelzüge und komplizierte Bewegungsabläufe in einer vorgegeben Zeit bewältigt werden: Ziel ist es, den Topgriff, also den obersten Griff, mindestens drei Sekunden lang stabil zu halten. Beim Bouldern ist vor allem Maximalkraft gefragt. Diejenigen Kletterinnen und Kletterer, die an der Weltspitze dabei sein wollen, brauchen darüber hinaus ein hohes Maß an Athletik, eine sehr gute Beweglichkeit und ein ausgeprägtes Koordinationsvermögen. Akrobatische Bewegungsabläufe, Sprünge oder ungewöhnliche Körperpositionen gehören mittlerweile zum abgefragten Repertoire bei den Wettkämpfen. Durch seine spektakulären Bewegungen, viel Action in kurzer Zeit sowie dem zuschauerfreundlichen Modus hat das Wettkampfbouldern in den vergangenen Jahren zunehmend an Anziehungskraft gewonnen. Zu dem diesjährigen Boulderweltcup in München, bei dem der deutsche Starter Jan Hojer Bronze gewann, kamen mehr als 5000 Besucherinnen und Besucher.