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Deutscher Alpenverein kritisiert Ausbaupläne am Grünten

19.10.2021, 09:11 Uhr

Für den Grünten, einen Berg am Allgäuer Alpenrand, liegen neue Ausbaupläne auf dem Tisch. Der Deutsche Alpenverein kritisiert unter anderem Neubauten im Landschaftsschutzgebiet, ein mangelhaftes Mobilitätskonzept sowie die geplante Beschneiungsanlage. Dennoch lehnt der DAV das Projekt am Grünten nicht grundsätzlich ab, einige Anpassungen sind aber dringend erforderlich.

Von 2017 bis 2019 standen die Skilifte am Grünten still, der Betrieb in dem niedrig gelegenen Skigebiet hatte sich nicht mehr gelohnt. Nach Übernahme durch die BergWelt GmbH & Co. KG wurde der Liftbetrieb an den teils veralteten Anlagen 2019 wieder aufgenommen, nun soll das Skigebiet umfassend modernisiert und auch für den Sommertourismus ausgebaut werden. „Grundsätzlich ist gegen eine Förderung des Tourismus nichts einzuwenden“, betont Steffen Reich, Leiter des Ressorts Naturschutz und Kartografie beim DAV, „aber mit den vorliegenden Ausbauplänen der Unternehmerfamilie Hagenauer sind noch zu große Eingriffe in Natur und Landschaft verbunden“.

Die Pläne sehen eine 10er Gondel im ganzjährigen Betrieb inklusive neuer Talstation und Parkhaus vor, zusätzlich Gastronomie an zwei Standorten im Bereich der Bergstation sowie einen neu gebauten Weg mit Beschneiungsanlage, der im Winter als Rodelbahn genutzt werden soll.

 

Eingriffe im Landschaftsschutzgebiet

Einer der zentralen Kritikpunkte des DAV ist die Versiegelung neuer Flächen im Landschaftsschutzgebiet. „Für uns ist schwer nachvollziehbar, warum die Planungen nicht die bereits bebauten Flächen nutzen. Für die Gondel soll eine neue Trasse angelegt werden, der Parkplatz, ein Parkhaus und die Talstation der Bahn sind an einem neuen Standort geplant. Das bedeutet unnötige Rodungen und Flächenversiegelungen – und das in einem Landschaftsschutzgebiet“, erklärt Steffen Reich.

 

Besucherströme brauchen ein Lenkungs- und Mobilitätskonzept

Die Ausbaupläne am Grünten konzentrieren sich in der vorliegenden Form auf den Ski- und Rodelsport sowie in den Sommermonaten auf Gäste, die die neue Gondel für einen Bergausflug nutzen. Aus Sicht des DAV fehlt bislang ein umfassendes Konzept zur Besucherlenkung, zumal mit einem Seilbahn-Sommerbetrieb noch mehr Menschen auch in der Gipfelregion des Grüntens unterwegs sein werden. Schon heute besteht großer Handlungsbedarf, die Wanderwege zu sanieren und Erholungsuchende naturverträglich zu lenken. Zudem sollte das Konzept auf ein möglichst konfliktfreies Miteinander unterschiedlicher Freizeitnutzungen wie Mountainbiken, Wandern, Klettern, Skitouren- und Schneeschuhgehen etc. abzielen.

 

„Wir sind außerdem überzeugt, dass immer mehr Parkplätze nicht die Lösung sind. In Zeiten des Klimawandels brauchen wir Optionen für eine klimafreundliche Anreise!“, unterstreicht Steffen Reich. Eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr – beispielsweise durch Shuttle-Dienste vom Bahnhof Immenstadt - sowie eine Förderung von Sharing-Angeboten vor Ort wäre aus Sicht des Deutschen Alpenvereins eine wünschenswerte Mobilitätsplanung. So könnte auch die erwartete Verkehrsbelastung in den umliegenden Orten reduziert werden.

 

Technische Beschneiung in niedrigen Lagen nicht zukunftsfähig

Der Grünten als „Wächter des Allgäus“ ist einer der am weitesten nördlich gelegenen Gipfel der Allgäuer Alpen. Durch diese Lage ist er milden Westwinden besonders ausgesetzt, Wärmeeinbrüche im Winter sind schon jetzt keine Seltenheit mehr. Der voranschreitende Klimawandel wird dieses Phänomen weiter verstärken. Hinzu kommt die vergleichsweise niedrige Lage des Skigebiets am 1738 Meter hohen Grünten. „Künstliche Beschneiung ist dort weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar“, schlussfolgert Steffen Reich.

 

Naturnahe Erholungsmöglichkeiten erhalten – keine Eventisierung der Berge

Vor rund zwei Jahren legte die Familie Hagenauer das erste Modernisierungskonzept für den Grünten vor. In diesen Plänen war noch eine „Walderlebnisbahn“ enthalten. Obwohl dieses Vorhaben aus den aktuellen Plänen gestrichen wurde, sorgt sich der DAV um mögliche zukünftige Planungen. „Wir fürchten, dass solche Erlebnisinstallationen in folgenden Ausbauschritten wieder in Erwägung gezogen werden. Deshalb sprechen wir uns klar gegen eine Eventisierung der Berge aus und fordern, dass solche Angebote vertraglich ausgeschlossen werden“, so Steffen Reich.

 

Service für die Presse