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Deutsche Meisterschaften Speed und Bouldern – Kräftemessen auf großer Bühne

27.05.2021, 08:15 Uhr


In diesem Jahr betritt das Wettkampfklettern in Deutschland die ganz große Bühne: Die Deutschen Meisterschaften im Speed und Bouldern am 5. und 6. Juni sind Teil der "Finals 2021" und werden bei ARD und ZDF übertragen. Die Zuschauer*innen vor den TV-Bildschirmen dürfen sich im Speed auf packende Duelle freuen und im Bouldern auf artistische Bewegungen sowie harte Fights – gegen die Schwerkraft, gegen die Uhr und gegen die Konkurrenz. Lesen Sie hier, wer die größten Chancen auf die Meisterschafts-Titel hat – und warum:

 

Speed, die (neue) Spielwiese der Jugend

Die jungen Klettertalente in Deutschland entdecken immer mehr das Speed-Klettern für sich – und das mit Erfolg! Beispiel Speed-Rekord der Herren: Vor zwei Jahren lag dieser noch bei über 7 Sekunden. Vor kurzem konnte ihn Leander Carmanns (DAV Rheinland-Köln) bei der Jugend-EM im russischen Perm erstmals auf unter 6 Sekunden drücken, genau: 5,97. Zum Vergleich: der Weltrekord des Iraners Reza Alipourshenazandifar liegt derzeit bei 5,48 Sekunden. Und Leander Carmanns ist erst 16 Jahre alt. Auch beim Damen-Nachwuchs entwickelt sich diese Disziplin immer weiter: Nuria Brockfeld (DAV Osnabrück) sicherte sich bereits 2019 den Titel der Jugend-Europameisterin. Das Speed-Klettern in Deutschland bewegt sich somit immer mehr in Richtung der internationalen Spitze, die bisher den Nationen aus dem Osten vorbehalten war.

 

Damen: Franziska Ritter und das mögliche Triple

Die Favoritin im Speed heißt auch in diesem Jahr Franziska Ritter (DAV Barmen): Sie holte sich 2020 und 2021 den Meistertitel und korrigierte den deutschen Rekord insgesamt stolze fünf Mal nach unten. Läuft sie auch in diesem Jahr auf das oberste Podest? Ihre Konkurrentinnen werden das verhinden wollen: Nuria Brockfeld verpasste zwar 2020 das Finale, lief aber insgesamt die schnellste Zeit – und neuen deutschen Rekord: Bei 8,18 Sekunden liegt seitdem die Bestmarke. Auch Alma Bestvater (DAV Weimar) hielt bereits vier Mal den Rekord und konnte zudem durch ihre Teilnahme an der Olympia-Qualifikation ihre Speed-Fähigkeiten diverse Male auf internationaler Bühne unter Beweis stellen. Aus Bayern gehen ebenfalls zwei starke Starterinnen an die weltweit genormten Griffe: Sandra Hopfensitz (DAV Augsburg) und Anna Maria Apel (DAV München-Oberland). Sie alle haben nicht nur die Chance, ganz oben auf dem Podium zu landen, sondern auch einen neuen Rekord aufzustellen – vielleicht erstmals unter acht Sekunden?

 

 

Herren: Leander Carmanns gegen Sebastian Lucke?

Die Bilanz von Leander Carmanns kann sich bereits in der ersten Jahreshälfte sehen lassen: Den deutschen Rekord unter sechs Sekunden gedrückt und Gold im Speed bei der Jugend-EM abgeräumt. Holt er sich nun auch den nationalen Meister-Titel? Ein Selbstläufer wird der Wettkampf nicht. Eine kleine Unkonzentriertheit, ein Rutscher, ein Timing-Fehler bei den dynamischen Zügen und Sprüngen – all das kann den Sieg kosten. Und die Konkurrenz lauert: Sebastian Lucke (DAV Konstanz) gewann im letzten Jahr das Finale gegen Carmanns und wird seinen Titel verteidigen wollen. Thorben Perry Bloem (DAV Braunschweig) sowie Linus Bader (DAV Neu-Ulm) gehören zu den schnellsten Deutschen und können jederzeit Bestzeiten laufen. Und dann ist da noch ein Athlet, der Speed zwar sicherlich nicht als Lieblingsdisziplin angeben würde, der aber bereits neun Mal den deutschen Rekord hielt und in wenigen Wochen beim größten Kletterwettbewerb der Geschichte im Speed zeigen muss, was er kann: Olympiateilnehmer Jan Hojer (DAV Frankfurt/Main) wird diesen Wettkampf nutzen, um sich für die Spiele in Tokio weiter vorzubereiten – und dabei sicherlich jeden Fehler seiner Konkurrenten bestrafen.

 

 

Bouldern – Spannung garantiert

Auch wenn sich die Speed-Disziplin bei den jungen Talenten immer weiter durchsetzt, die Paradedisziplin in der deutschen Kletterlandschaft ist immer noch das Bouldern. Das sieht man auch an den Anmeldungen: 84 Athlet*innen starten in der wohl spektakulärsten Kletter-Disziplin.

 

Herren: Kann Philipp Martin den Titel verteidigen?

Es wird ein harter Wettbewerb für Philipp Martin (DAV Allgäu-Kempten): Der Deutsche Meister von 2020 bekommt es in diesem Jahr wieder mit international erfahrenen und erfolgreichen Athleten zu tun: Der WM-Bronze-Gewinner von 2019, Yannick Flohé (DAV Aachen), geht in Bochum an die Griffe, und auch der erfolgreichste Deutsche Boulderer aller Zeiten, Jan Hojer, steht auf der Startliste. Daneben hat auch Vizemeister Christoph Schweiger (DAV Ringsee) sein Kommen angekündigt. Der 19-Jährige startet seit diesem Jahr auch bei Weltcups und erreichte beim letzten Wettbewerb in Salt Lake City (USA) das Halbfinale – eine starke Leistung des Bayern. Für den Titelverteidiger aus Kaufbeuren wird es also ein schwieriger Wettbewerb, verstecken muss sich der 26-jährige Philipp Martin indes nicht: Er klettert aktuell eine sehr starke Saison, boulderte jüngst zum ersten Mal bei einem Weltcup ins Halbfinale – und landete dort vor Jan Hojer und Christoph Schweiger.

 

 

Damen: Wer schnappt sich den Titel?

Auch bei den Damen geht die Titelverteidigerin an die Boulderwand: Die 20-jährige Hannah Meul (DAV Rheinland-Köln) ist international erfahren und erfolgreich: Sie war bei den Youth Olympic Games, kämpfte bei Welt- und Europameisterschaften um die Olympia-Qualifikation und boulderte kürzlich bei einem Weltcup ins Halbfinale – beste Voraussetzungen also, um sich erneut den Titel zu schnappen.

 

Wären da nicht noch die anderen Teilnehmerinnen, allen voran Alma Bestvater (DAV Weimar) und Afra Hönig (DAV Landshut). Beide zählen zu den international erfolgreichsten Boulderinnen im DAV-Nationalkader. Auch Roxana Wienand (DAV Aschaffenburg) gehört zu den Top-Favoritinnen: Letztes Jahr kletterte sie ins Finale und holte sich einige Wochen später den Meistertitel im Lead. Auch in diesem Jahr kann sie bereits auf einen großen Erfolg im Bouldern blicken: Beim ersten Weltcup in Meirigen (CH) schaffte sie es ins Halbfinale. 

 

 

Klettern auf großer Bühne

Das Publikum in diesem Jahr dürfte so groß werden wie noch nie bei Deutschen Meisterschaften im Klettersport – zwar nicht in Präsenz, aber doch zumindest vor den Bildschirmen: Denn die Wettkämpfe im Vonovia Ruhrstadion in Bochum werden bei ARD und ZDF übertragen, teils im linearen Programm, teils in den begleitenden Livestreams. Der Grund für diese mediale Präsenz: Die Titelkämpfe in den Disziplinen Bouldern und Speed sind Teil der "Finals 2021" und finden im Rahmen der Ruhr Games statt. Die Finals vereinen 18 Sportarten und 140 Deutsche Meistertitel verteilt auf zehn Locations in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Die Ruhr Games firmieren als das größte internationale Sport- und Kulturfestival in Europa. 

 

Statement des DAV-Sportdirektors Martin Veith:

"Nachdem uns im letzten Jahr dieses Großereignis leider verwehrt geblieben ist, freuen wir uns, dass wir in diesem Jahr gleich zwei Deutsche Meisterschaften bei den Finals durchführen können. Für das Sportklettern ist die mediale Wirksamkeit ein wichtiger Aspekt, da durch die Olympischen Spiele viel mehr Aufmerksamkeit auf der Sportart liegt. Die DM Bouldern ist seit Jahren ein wichtiger Bestandteil der nationalen Leistungssportentwicklung. Die DM Speed erhält immer mehr Bedeutung, da wir hier in den vergangenen Jahren eine tolle Entwicklung vollziehen konnten. Mit der Entscheidung, dass Speed als Einzeldisziplin bei den Olympischen Spielen in Paris vertreten sein wird, bekommt die Entwicklung natürlich noch einmal Rückenwind. Mit Sportler*innen wie Nuria Brockfeld, Franzi Ritter, Linus Bader, Sebastian Lucke und dem neuen deutschen Rekordhalter Leander Carmanns sind es hier vor allem die jungen Nachwuchssportler*innen, die das Geschehen bestimmen. Das wird ein hochklassiger und spannender Wettkampf. Zudem freuen wir uns natürlich wieder, dass beim EYC internationale Freund*innen zu Gast sind."

 

European Youth Cup Speed am 4. Juni

Bereits einen Tag vor der Deutschen Meisterschaft Speed findet im Vonovia Ruhrstadion in Bochum ein internationales Kräftemessen des Speed-Nachwuchses statt: Beim European Youth Cup (EYC) gehen bei den Herren unter anderem Leander Carmanns, Linus Bader sowie Sebastian Lucke und bei den Damen Franziska Ritter, Nuria Brockfeld und Anna Maria Apel an die 15 Meter hohe Wand. Sie treffen auf hochkarätige Konkurrent*innen. Auf der Startliste stehen zum Beispiel: die Vizeeuropameisterin bei den Juniorinnen, Giulia Randi (ITA), der Vizeeuropameister der Jugend A, Hryhroii Ilchyshyn (UKR), sowie der Olympia-Teilnehmer Alberto Ginés López (ESP). Der komplette Wettkampf wird als Livestream übertragen.

 

 

Zeit- und Sendeplan

Als Teil der Finals werden beide Events im Fernsehen übertragen. Hier der vorläufige Sendeplan (Stand. 26. Mai)

 

  • Samstag, 5. Juni: 12.27 bis 12.48 Uhr DM Speed ab Halbfinale live im ZDF
  • Sonntag, 6. Juni: 12.40 bis 12.50 Uhr Halbfinale DM Bouldern in Ausschnitten live in der ARD
  • Sonntag, 6. Juni: 17.15 bis 18.45 Uhr DM Bouldern Finale live im Livestream (Link folgt)

 

Zeitplan Wettkämpfe:

Samstag, 5. Juni: Speed und Bouldern

  • Speed: Qualifikation Damen ab 10.45 Uhr
  • Speed: Qualifikation Herren im Anschluss
  • Speed: Achtelfinale ab 11.45 Uhr
  • Speed: Halbfinale ab 12.20 Uhr
  • Speed: Finale im Anschluss
  • Bouldern: Qualifikation Damen und Herren ab 17.00 Uhr

 

Sonntag, 6. Juni: Bouldern

  • Halbfinale: 11.00 Uhr
  • Finale: ab 17.15 Uhr
 

Infos für die Presse

 

Deutsche Meisterschaft Speed: Ritter und Lucke gewinnen!

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Zwei Rekorde, eine Titelverteidigung und zwei glückliche Gewinner: Die Deutsche Meisterschaft Speed ließ an Spannung kaum zu wünschen übrig. Am Ende stand Franziska Ritter (DAV Barmen) erneut auf dem obersten Podiumsplatz. Bei den Herren gewann Sebastian Lucke (DAV Konstanz). Sandra Hopfensitz (DAV Augsburg) und Nuria Brockfeld (DAV Osnabrück) stellten neue Rekorde auf.   Jetzt neu: Den Highlightfilm der DM Speed findet ihr links Am Ende des Artikels gibt es die Replays der Livestreams. Diese sind bis 1. Februar 2021 online.  

Hannah Meul und Philipp Martin sind Deutsche Bouldermeister

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Am 19. und 20. September ging im DAV-Landesleistungszentrum Augsburg die Deutsche Meisterschaft Bouldern über die Bühne. Zuschauer waren coronabedingt nicht zugelassen. Bei bestem Wetter fand dennoch ein hochkarätiger und spannender Wettkampf statt: Erst am letzten Boulder fiel die Entscheidung. Hannah Meul vom DAV Rheinland-Köln und Philipp Martin vom DAV Allgäu-Kempten holten die Titel. Florence Grünewald (DAV Frankfurt/Main) und Lucia Dörffel (DAV Chemnitz) holten die Plätze zwei und drei bei den Damen. Bei den Herren gingen diese Plätze an Christoph Schweiger (DAV Ringsee) und Max Kleesattel (DAV Schwäbisch Gmünd). Die gesamten Ergebnisse des Wettkampfes gibt es ganz unten im Artikel "Livestream und Ergebnisse".

Lexikon des Wettkampfkletterns

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Klettern ist eine Welt für sich. Von A wie Affenindex bis Z wie Zone ergibt sich ein ganzes Lexikon aus Equipment, Positionen und Schrittfolgen, die im Klettersport ganz bestimmte Bezeichnungen haben. Wir führen euch einmal durch's ABC des Kletterns und erklären euch, was die Begriffe bedeuten.  Schnellnavigation: A - B - C - D - E - F - G - H - I - K - L - M - N - O - P - Q - R - S - T - U - V - W - Z 

Was ist Speed-Klettern?

Die Sportart als Wettkampf

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Wie es der Name sagt: beim Speed geht es um Schnelligkeit. Also darum, eine weltweit genormte Route, bei der die Länge und Neigung der Wand sowie die Größe, Form und Position der Griffe und Tritte immer identisch sind, schnellstmöglich nach oben zu klettern. Gesichert wird beim Speed mit Seilsicherung von oben, also im Toprope. Die Athletinnen und Athleten müssen am Ende der Route auf einen Buzzer schlagen, dann wird die Zeit gestoppt. Die Speedtour ist bei Wettkämpfen 15 Meter hoch, hängt fünf Grad über und befindet sich im siebten UIAA Schwierigkeitsgrad. Da es sich immer um die gleiche Griffabfolge handelt, können sich die Kletterinnen und Kletterer optimal vorbereiten. Sie prägen sich bei unzähligen Gos den Bewegungsablauf so ein, dass sie ihn verinnerlicht haben und genau wissen, welchen Griff sie wie nehmen beziehungsweise wohin sie ihren Fuß setzen müssen. Beim Speedklettern ist neben einer hohen Schnell- und Maximalkraft deshalb auch eine große Greif- und Trittpräzision notwendig. Außerdem sind im Wettkampf, der über mehrere Runden geht, bei höchster Geschwindigkeit Schnellkraftausdauer und Nervenstärke erforderlich. 

Was ist Bouldern?

Die Sportart als Wettkampf

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Bouldern bedeutet Klettern ohne Seil in Absprunghöhe – also einer Höhe, aus der noch ohne Verletzungsgefahr abgesprungen werden kann. Weichbodenmatten sollen bei einem eventuellen Sturz vor Verletzungen schützen. Das Bouldern ist eine eigene Disziplin des Sportkletterns und hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen. Bei dieser Kletterdisziplin geht es darum, Probleme zu lösen, also Boulder richtig zu lesen. Im Wettkampf müssen komplexe Einzelzüge und komplizierte Bewegungsabläufe in einer vorgegeben Zeit bewältigt werden: Ziel ist es, den Topgriff, also den obersten Griff, mindestens drei Sekunden lang stabil zu halten. Beim Bouldern ist vor allem Maximalkraft gefragt. Diejenigen Kletterinnen und Kletterer, die an der Weltspitze dabei sein wollen, brauchen darüber hinaus ein hohes Maß an Athletik, eine sehr gute Beweglichkeit und ein ausgeprägtes Koordinationsvermögen. Akrobatische Bewegungsabläufe, Sprünge oder ungewöhnliche Körperpositionen gehören mittlerweile zum abgefragten Repertoire bei den Wettkämpfen. Durch seine spektakulären Bewegungen, viel Action in kurzer Zeit sowie dem zuschauerfreundlichen Modus hat das Wettkampfbouldern in den vergangenen Jahren zunehmend an Anziehungskraft gewonnen. Zu dem diesjährigen Boulderweltcup in München, bei dem der deutsche Starter Jan Hojer Bronze gewann, kamen mehr als 5000 Besucherinnen und Besucher.