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„Als Fachverband vollkommen außen vor gelassen“: DAV-Präsident kritisiert ganzjähriges Kletterverbot am Battert

24.11.2022, 14:26 Uhr

Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat entschieden, für die beliebte und traditionsreiche „Badener Wand“ im Nordwesten des Schwarzwalds ein ganzjähriges Kletterverbot zu verhängen. „Wir sind in die Entscheidung nicht einbezogen worden“, kritisiert DAV-Präsident Roland Stierle. Er wird auf der Demonstration gegen diese Sperrung am kommenden Wochenende in Baden-Baden für naturverträgliches Klettern eintreten.


Seit Anfang der 1990er Jahre setzt der Deutsche Alpenverein erfolgreich Konzepte um, die Klettern und Naturschutz in Einklang bringen: An über 5000 Felsen in Deutschland kann geklettert werden, während sich die Population von Uhu und Wanderfalke stetig positiv entwickelt. Diese über viele Jahre aufgebaute Rolle als vermittelnde Instanz sieht der DAV durch den Alleingang des Regierungspräsidiums Karlsruhe bedroht.

 

„Wir sind in die Entscheidung zur Sperrung der Badener Wand nicht einbezogen worden“, sagt DAV-Präsident Roland Stierle. „Da wird von Seiten der Politik immer von Partizipation gesprochen, und dann sind wir als zuständiger Fachverband für Bergsport und Naturschutz bei diesem Verfahren vollkommen außen vor.“ Von einer „intensiven Prüfung“ der Vorschläge des Alpenvereins, wie in mehreren Medien berichtet, könne keine Rede sein.

 

Gutachten des Regierungspräsidiums nicht umfassend genug

Grund für die ganzjährige Sperrung ist der unterdurchschnittliche Bruterfolg des Wanderfalkenpärchens an der Badener Wand. „Für uns als Naturschutzverband hat der Schutz des Wanderfalken höchste Priorität“, betont Stierle. Am Battert sei aber nicht fachlich fundiert geklärt, ob die ganzjährige Sperrung für Kletternde zum Schutz der Tiere beitrage. Die Verhältnismäßigkeit des vollständigen Kletterverbots wird im Gutachten des Regierungspräsidiums abschließend nicht diskutiert.

 

Temporäre Sperrungen während der Brutzeit erwiesen sich in anderen Klettergebieten bereits als ausreichend. Dieses Vorgehen hat der DAV auch für die Badener Wand vorgeschlagen, auch an Kontrollmaßnahmen wollten sich Ehrenamtliche beteiligen. Diese Möglichkeiten wurden vom Regierungspräsidium nicht in Betracht gezogen. Ebenso wenig wird im Gutachten das Vorkommen natürlicher Feinde wie Marder, Fuchs oder Waschbär als möglicher Grund für den geringen Bruterfolg untersucht.

 

Demonstration gegen das ganzjährige Kletterverbot

„Für verhältnismäßigen und zeitgemäßen Naturschutz“ lautet das Motto der Demonstration, zu der der Arbeitskreis „Klettern und Naturschutz am Battert“ und der DAV-Landesverband Baden-Württemberg aufrufen. Am 27. November wollen sie mit einer Seilkette durch die Baden-Badener Innenstadt gegen die geplante Vollsperrung protestieren. Auch DAV-Präsident Roland Stierle wird als Teilnehmer und Redner vor Ort sein.

 

Service für die Presse