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Wir brauchen neue, langfristige Konzepte für den Alpentourismus

22.09.2014, 14:59 Uhr

Naturschutztagung Plenum ©DAV/Steffen Reich
Naturschutztagung Plenum ©DAV/Steffen Reich

 

 

Unter dem Motto „Berge als Ressource – wie lange reichen die Vorräte?“ ging am 21. September 2014 in Freiburg die diesjährige Naturschutztagung des Deutschen Alpenvereins zu Ende. An drei Tagen beschäftigten sich rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von DAV-Sektionen aus ganz Deutschland sowie aus anderen Naturschutz- und Sportorganisationen mit aktuellen Fragen des Natur- und Umweltschutzes in den Alpen und Mittelgebirgen. Wo der Fokus des DAV derzeit liegt, machte Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig in seiner Eröffnungsrede deutlich: „Im Alpentourismus müssen endlich langfristige Konzepte im Sinne der Nachhaltigkeit umgesetzt werden!“ Zuletzt war der DAV im Skigebiet Sudelfeld in den bayerischen Alpen mit einer Klage gegen den massiven Ausbau einer Beschneiungsanlage gescheitert.

 

Ganzheitlicher Ansatz: Bergsport ist überall

Dass der Alpenraum nicht nur bereits unter hohem, sondern unter weiter steigendem Druck steht, kam in den Plenumsdiskussionen und Arbeitsgruppen wiederholt und eindringlich zur Sprache. Die Tagungsteilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich mit Blick auf die Energiewende und die Tourismusentwicklung einig, dass die Nachhaltigkeit bei der Nutzung der natürlichen Ressourcen in Zukunft noch mehr in den Mittelpunkt rücken muss – und eine ganzheitliche Sicht: Denn Bergsport findet nicht nur in den Alpen, sondern zunehmend auch in den Mittelgebirgen statt. Wie vielfältig die Möglichkeiten sind, zeigte sich bei Exkursionen am Sonntag rund um Freiburg. Es zeigte sich allerdings auch, dass der Bergsport jenseits der Alpen ebenso bewusst und differenziert gestaltet werden muss wie in den Alpen. Das sich derzeit sehr dynamisch entwickelnde Mountainbiken war deshalb ein Schwerpunktthema bei der Tagung.

 

Minister Alexander Bonde bietet intensive Kooperation an

Ob Mountainbiken, Klettern oder eine andere Bergsportart: Alexander Bonde, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, bot dem DAV an, die Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Naturschutz und sportlicher Nutzung weiter zu intensivieren: „Sport in der Natur bietet Fitness, Erholung und Herausforderung – und ist nur in einer lebenswerten Natur eine runde Sache. Ich freue mich, dass Sportverbände wie der Deutsche Alpenverein mit Sachverstand und Begeisterung ihre Ideen einbringen und dabei auch den Naturschutz im Blick haben. Langjährig in den Bergen Aktive wissen aus eigener Erfahrung, dass sie sorgsam mit der Natur umgehen müssen, damit sie für alle ein attraktiver Lebens- und Erholungsraum bleibt“.

 

Von Weizsäcker: Mut zum Handeln ist gefordert!

In Anknüpfung an die Eröffnungsrede von DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig unterstrich auch Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker in seinem Festvortrag am Freitagabend die Wichtigkeit des Weitblickes. Es müsse endlich das systematische Ausklammern der Folgen des heutigen Konsum- und Wirtschaftsverhaltens für das Morgen und Übermorgen beendet werden.

Naturschutztagung Exkursion ©DAV/Steffen Reich

Weizsäcker machte mit Nachdruck deutlich, dass der Weg in eine nachhaltige Gesellschaft keine Utopie ist. Notwendig sei allerdings der Mut zum Handeln und mit gutem Beispiel voranzugehen. Mit Blick auf die Debatte um den Ausbau erneuerbarer Energien müsse vor allem der überbordende Energieverbrauch drastisch reduziert werden, die technischen Möglichkeiten dazu existierten, die Anreize seien allerdings zu gering. In dieselbe Richtung wies die Rede von Reiner Ehret, dem Vorsitzenden des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg, der es als zentrale Herausforderung beschrieb, die Energiewende so umzusetzen, dass der Weg in die Nachhaltigkeit nicht auf Kosten der Natur geht.

 

Naturschutztagung im zweijährigen Rhythmus

Die diesjährige Naturschutztagung des Deutschen Alpenvereins fand vom 19.-21. September im Kollegiengebäude 1 der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg statt. Möglich geworden ist diese große Veranstaltung nur dank der tatkräftigen organisatorischen und inhaltlichen Unterstützung durch die DAV-Sektion Freiburg. Die Naturschutztagung findet im zweijährigen Rhythmus an wechselnden Orten in Deutschland statt. Neben der Diskussion aktueller Themen ist die Vernetzung im DAV und mit anderen Verbänden ein Hauptanliegen der Tagung.

 

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