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Lawinengefahr, was tun? Die wichtigsten Fragen & Antworten

04.02.2019, 09:06 Uhr

In der ersten Januarhälfte fiel in den Nordalpen ungewöhnlich viel Schnee in kurzer Zeit. In einigen Landkreisen wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Entsprechend viel öffentliche Aufmerksamkeit richtete sich auf die Situation in den Bergen. Im Anschluss an einige Lawinenunfälle rückte das Thema Lawinengefahr in den Mittelpunkt. Die öffentliche Debatte wurde sehr breit und teils sehr emotional geführt und gipfelte in Forderungen von der Art, man müsse den freien Skiraum abseits gesicherter Pisten bei großer Lawinengefahr grundsätzlich sperren. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema sind hier kompakt zusammengefasst. 

 

Darf man gesperrte Pisten befahren?

Nein – gesperrte Pisten dürfen nicht befahren werden, und die Mißachtung einer solchen Sperre stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld belegt werden kann. Hintergrund: Die Betreiber der Skigebiete müssen im Rahmen ihrer Verkehrssicherungspflicht für sichere Pisten sorgen. Dazu gehört insbesondere der Schutz vor Lawinen. Örtliche Lawinenkommissionen beraten deshalb die Skigebietsbetreiber, die gegebenenfalls und in Abstimmung mit den Gemeinden Pisten sperren. Das gilt übrigens auch für sogenannte "Skirouten", also markierte und oftmals nicht präpartierte Abfahrten. Sperrungen von Pisten und Skirouten sind in der Regel am links abgebildeten Schild erkennbar.  

 

Was bedeutet das Schild "Stop – Lawinengefahr"?

Im Unterschied zum Sperrschild handelt es sich hier um ein Warnschild. Es weist darauf hin, dass dahinter das ungesicherte alpine Gelände beginnt und der Skigebietsbetreiber dort nicht mehr für die Sicherheit verantwortlich ist. Wer in das ungesicherte Gelände einfährt, tut dies auf eigene Verantwortung. Insofern markiert das Lawinengefahr-Warnschild die Grenze zwischen dem organisierten Skiraum mit seinen Pisten und Skirouten einerseits und dem freien Skiraum andererseits. Der pistennahe freie Skiraum ist das klassische Freeride-Gelände, in dem alpine Risiken wie Lawinenverschüttung, Absturz oder Orientierungsverlust vorhanden sind. Entsprechende Erfahrung und Notfall-Ausrüstung sind deshalb von allen Wintersportverbänden dringend empfohlen. Die Warnschilder sind übrigens auch in der Hinsicht ernst zu nehmen, als dass sie eine klare Grenze markieren: Bereits wenige Meter neben den Pisten ereignen sich immer wieder Lawinenunfälle! 

 

Abseits der Pisten bei großer Lawinengefahr?

Grundsätzlich gilt: Je größer die Lawinengefahr, desto kleiner der Personenkreis, der abseits der Pisten unterwegs sein sollte, und desto kleiner die Tourenauswahl. Ab Lawinenwarnstufe vier sollten nur Personen mit sehr großer Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr und mit sehr guter Ortskenntnis im freien Skiraum unterwegs sein. Diese Experten wissen, dass man unter solchen Bedingungen sehr defensiv agieren muss. Unerfahrene sollten bei großer Lawinengefahr unbedingt auf gesicherten Pisten und Wegen bleiben. Übrigens sollte man auch bei erheblicher Lawinengefahr, also bei Warnstufe drei, mit großer Vorsicht im freien Skiraum unterwegs sein. Bei dieser Warnstufe passieren die meisten Lawinenunfälle. 

 

Sollte man Touren abseits der Pisten bei großer Lawinengefahr verbieten?

Aus dem vorigen Absatz geht bereits hervor, dass ein generelles Betretungsverbot alleine schon aus bergsportlicher Sicht nicht gerechtfertigt ist. Darüber hinaus sprechen rechtliche Gründe gegen pauschale Verbote, denn abseits gesicherter Pisten und Wege liegt die freie Natur. Der Zugang zu ihr hat zum Beispiel in Bayern Verfassungsstatus. In Artikel 141 heißt es: "Der Genuß der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere das Betreten von Wald und Bergweide [...] ist jedermann gestattet." Man muss aber gar nicht das Gesetz bemühen, um den Zugang zur freien Natur in den Alpen für sehr sinnvoll zu halten. Der Reiz der Berge besteht für die Menschen genau darin, eine Art von Wildnis zu sein. Es ist eine wertvolle und wichtige menschliche Erfahrung, sich dieser Wildnis auszusetzen. Dass dies verantwortungsvoll und risikobewusst geschehen muss, versteht sich von selbst. Regelungen, Verbote und Erschließungen aller Art schmälern die Natur und ihre authentische Erfahrung durch den Menschen.