logo-dav-116x55px

München 2022: Der DAV stellt sich seiner Verantwortung

09.11.2013, 18:15 Uhr

Die Hauptversammlung des Deutschen Alpenvereins (DAV) ist vorbei. Insgesamt rund 600 Delegierte aus 265 Sektionen haben sich in Neu-Ulm eingefunden, um zwei Tage lang über wichtige Themen für den Verband zu debattieren und Entscheidungen zu treffen. Das wichtigste Thema: München 2022. Die Delegierten haben sich mit klarer Mehrheit gegen Olympische Spiele in den Bayerischen Alpen ausgesprochen. Das Hauptargument war die Belastung der alpinen Umwelt. Gleichzeitig fordert der DAV eine Einbindung in den Bewerbungsprozess, falls die morgigen Bürgerentscheide positiv ausgehen. Damit stellt sich der DAV seiner gesellschaftlichen Verantwortung als Naturschutz- und Bergsportverband.

 

Zwei Stunden engagierte Debatte

Die Delegierten haben es sich nicht leicht gemacht mit ihrer Entscheidung. Zwei Stunden lang tauschten Befürworter und Gegner der möglichen Olympiabewerbung ihre Argumente aus. Die kritischen Stimmen setzten sich letztlich durch: 70 Prozent sprachen sich gegen eine Bewerbung aus. "Das Votum der Delegierten fassen wir als einen klaren Auftrag auf", sagte DAV-Präsident Josef Klenner. "Falls sich die Bürgerinnen und Bürger für eine Bewerbung aussprechen, setzen wir uns für möglichst ökologische und nachhaltige Spiele ein." Mitarbeiten sei dann besser als nur zuzuschauen.

 

Die DAV-Struktur wird angepasst

Neben Olympia gab es weitere Entscheidungen, die für den DAV sehr wichtig sind. An erster Stelle stand eine Anpassung der DAV-Struktur. Hintergrund: Seit vielen Jahren hält das Mitgliederwachstum des DAV an, in diesem Jahr hat er die Millionenmarke geknackt. Dadurch und mit den Veränderungen im gesellschaftlichen Umfeld haben sich auch die Herausforderungen für den DAV geändert. Entsprechend hat der DAV auf der letztjährigen Hauptversammlung ein neues Leitbild verabschiedet. In diesem Jahr haben die Delegierten mit großer Mehrheit Anpassungen der Verbandsstruktur beschlossen. Dies sind die wesentlichen Inhalte:

  • Das Präsidium wächst von fünf auf sieben Mitglieder. Dadurch wird das immer größer werdende Themenfeld auf mehrere Schultern verteilt.
  • Der Verbandsrat schrumpft von 21 auf 19 Mitglieder. Sein Aufgabenbereich verschiebt sich weg von operativen Aufgaben hin zu mehr strategischer und beratender Funktion.
  • Die fachliche Beratung findet vor allem in Präsidialausschüssen, Kommissionen und Projektgruppen statt.
  • Zur Meinungsbildung in grundsätzlichen Fragen gibt es zukünftig das zusätzliche Instrument der "DAV-Werkstatt". An den tagungsähnlich strukturierten Veranstaltungen können alle Aktiven im DAV teilnehmen. DAV-Werkstätten finden in unregelmäßigen Abständen statt. Als Richtwert ist ein zweijähriger Turnus angedacht.

Ein 14-köpfige Projektgruppe hatte das Konzept erarbeitet. Bis zu nächsten Hauptversammlung 2014 in Hildesheim muss nun die Satzung angepasst und verabschiedet werden. Die bisherige Struktur wurde im Jahr 2002 in Friedrichshafen beschlossen.

 

Online-Mitgliederaufnahme

Mit dem stetigen Wachstum des DAV hat auch die Entscheidung für eine zentrale Mitgliederaufnahme zu tun. Die 355 DAV-Sektionen verfügen je nach Größe über unterschiedliche organisatorische und technische Möglichkeiten. Dies betrifft natürlich auch die Mitgliederaufnahme: Bislang ist es nicht bei allen Sektionen möglich, online Mitglied zu werden. Dies wird ab 1. Mai 2014 anders sein: Die Delegierten haben mit großer Mehrheit eine zentrale Online-Mitgliederaufnahme beschlossen.

 

Präsidium mit großer Mehrheit erneut gewählt

Das Präsidium wurde mit großer Mehrheit für eine weitere Amtszeit gewählt. Auf Präsident Josef Klenner fielen 97,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. In ähnlich überzeugender Manier sprachen die Delegierten den Vizepräsidenten ihr Vertrauen aus. Ludwig Wucherpfennig erhielt 96,85 Prozent, Dr. Guido Köstermeyer 99,16 Prozent und Franz-Josef van de Loo 98,5 Prozent. Vizepräsident Michael Knoll stellte sich aus beruflichen Gründen nicht erneut zur Wahl. Für ihn wurde Philipp Sausmikat mit 98,94 Prozent neu in Präsidium gewählt. Philipp Sausmikat löste Michael Knoll auch als Bundesjugendleiter ab. Der 26-jährige Münchner von der DAV-Sektion Oberland war beim JDAV-Bundesjugendleitertag vor zwei Wochen gewählt worden. Die DAV-Satzung sieht vor, dass der Bundesjugendleiter in der Hauptversammlung als DAV-Vizepräsident gewählt wird.

 

DAV, OeAV und AVS haben gemeinsames Grundsatzprogramm

Einstimmig verabschiedete die Hauptversammlung eine Novellierung des "Grundsatzprogramms zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung des Alpenraums sowie zum umweltgerechten Bergsport". Wichtigstes Ergebnis der Novellierung ist die Vereinheitlichung von Präambel und Leitlinien des Grundsatzprogramms mit den Alpenvereinen in Österreich und Südtirol. In den zentralen Fragen des Natur- und Umweltschutzes im Alpenraum handeln DAV, OeAV und AVS damit nach den gleichen Grundsätzen. Darüber hinaus wurde im Zuge der Novellierung das Thema Energiepolitik stärker gewichtet und auf einen aktuellen Stand gebracht.

 

Zwei Hütten bekommen das Umweltgütesiegel

Am ersten Tag der Hauptversammlung wurden traditionell die Ehrungen vorgenommen. Ein wichtiger Punkt war dabei die Auszeichnung von besonders ökologisch geführten Hütten mit dem Umweltgütesiegel. In diesem Jahr wurden die Hagener Hütte und die Siegerlandhütte ausgewählt. DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig überreichte die Auszeichnung an Delegierte der DAV-Sektionen Hagen und Siegerland. Die Hagener Hütte (2446 m) befindet sich in der Goldberggrupe in Kärnten und wurde in den Jahren 2010 bis 2012 generalsaniert. Sie verfügt jetzt über ein neues Blockheizkraftwerk und eine neue Solaranlage. Die denkmalgeschützte Siegerlandhütte (2710 m) in den Stubaier Alpen wird von einem Wasserkraftwerk mit Energie versorgt. Mit den neu hinzu gekommenen Hütten haben jetzt 96 Alpenvereinshütten das Umweltgütesiegel. Vergeben wird das Siegel vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein sowie vom Alpenverein Südtirol.

 

Kinderarzt wird mit Grünem Kreuz geehrt

Johannes Schiffer von der Bergwacht Rosenheim wurde mit dem Grünen Kreuz für besondere Leistungen in der Bergrettung ausgezeichnet. Der niedergelassene Kinderarzt ist seit über 20 Jahren für die Bergwacht tätig. Er ist als Notarzt dabei nicht nur in seinem Einsatzleitbereich Priental im Chiemgau unterwegs, sondern auch bei vielen überregionalen Einsätzen. In der Laudatio von Norbert Heiland, dem Vorsitzenden der Bergwacht Bayern, heißt es: "Jeder, der einmal beobachtet hat mit welcher Geduld und Genauigkeit Johannes Schiffer gestürzten Bergradlern oder Wanderern die Kieselsteine aus den Wunden holt und die Verletzungen anschließend fachkundig versorgt, weiß, dass bei ihm jeder einzelne Mensch im Mittelpunkt steht." Seit 1922 verleiht der Deutsche Alpenverein das „Grüne Kreuz“.

 

600 Delegierte starten mit Schwung in die Debatten

8.11.13 Hauptversammlung in Neu-Ulm hat begonnen

Mehr erfahren
Die DAV-Hauptversammlung in Neu-Ulm hat begonnen. Rund 600 Delegierte haben sich eingefunden.