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DAV wandert mit Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber

06.09.2019, 09:59 Uhr

Die Bayerischen Alpen sind ein kostbarer Naturraum, aber auch ein wichtiges Gebiet für Bergsportlerinnen und Bergsportler. Um die Kombination von Naturschutz und Bergsport ging es bei einer gemeinsamen Wanderung von Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber mit dem Deutschen Alpenverein (DAV) am 5. September 2019. Auf dem Weg zur Tegernseer Hütte wurden viele Themen angesprochen, die gerade heute – 150 Jahre nach Gründung des DAV – einen Kompromiss aus Naturschutz und Bergsport in sich vereinen müssen: Hütten- und Wegebau, Tourismus und Mobilität.

Umweltminister Glauber betonte: "Der DAV ist ein herausragender Partner beim Schutz unserer Alpen. Die Alpen sind ein einzigartiger Naturraum mit großer Strahlkraft. Weil sich das Freizeitverhalten ändert, werden die Alpen zu einem wahren Tourismusmagnet. Immer mehr Wanderer, E-Bikes und Mountainbiker erobern die Alpen. Wir brauchen Lösungen für ein konfliktfreies Miteinander in den Bergen. Nicht jedes Eck der Alpen kann touristisch erschlossen werden. Ein Ausgleich der Interessen soll durch eine bestmögliche Lenkung der Besucherströme gelingen. Besonders sensible Gebiete müssen geschützt bleiben. Dazu werden wir in einem gemeinsamen Pilotprojekt mit dem DAV Lösungen entwickeln.

 

Mobilität: eine große Herausforderung in den Alpen

Bereits zu Beginn des Thementages erfuhren die Anwesenden, was es heißt, öffentlich in die Berge zu reisen: Vom Münchner Hauptbahnhof ging es mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) zunächst nach Tegernsee und dann mit dem DAV-Bergsteigerbus weiter zum Wanderparkplatz bei Bayerwald. „Die Region südlich von München ist dank BOB und Bergsteigerbus recht gut angebunden“, erklärte DAV-Vizepräsident Roland Stierle den Gästen. Gerade in den Ostalpen sei das Angebot aber immer noch recht begrenzt. Es fehle häufig an der Verbindung vom Talort zu den Ausgangspunkten der Touren. „Und wenn es eine öffentliche Verbindung gibt, dann fährt sie oft zu spät los oder zu selten.“ Hier sei für den DAV bei den potenziellen Anbietern noch recht viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

 

Dabei kann der Klimaschutz nur mit einer Reduktion des CO2-Ausstoßes und damit einer Reduktion der Kilometer-Leistung gelingen. „Rund 83 Prozent der Emissionen bei einem Wandertag stammen durch die Anreise mit dem Auto“, so Stierle. Das zeige, wie dringlich der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes in den Alpen sei.

 

Neben Bahn und Bus gibt es weitere Möglichkeiten, in die Berge zu kommen. Dazu gehören Wandertaxen oder Mitfahrgelegenheiten. „Gerade das Internet bietet hier noch sehr viel ungenutzte Möglichkeiten, sich zu gemeinsamen Fahrten zu verabreden“, erklärte der DAV-Vizepräsident.

 

 

Bergsteigerdörfer fördern den nachhaltigen Tourismus

Im Anschluss an die Zugfahrt konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Wanderung bei der Fahrt durch das Bergsteigerdorf Kreuth das Tourismuskonzept der Alpinen Vereine erleben: Alte Bauernhäuser mit bemalten Fassaden, eine Fülle an gelebter Tradition und ruhige Orte in intakter Natur laden in Kreuth zum Bleiben ein. „Klasse statt Masse“ lautet das Motto der mittlerweile 29 Bergsteigerdörfer, die sich über vier Alpenländer (Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien) verteilen. Die Orte haben sich dem naturnahen und ressourcenschonenden Tourismus verschrieben – Bettenburgen und riesige Liftanlagen sucht man hier vergeblich. „Durch die klare Ausrichtung auf Naturtourismus und den Erhalt von Tradition und Brauchtum setzt Kreuth ein wichtiges Zeichen in einer ansonsten durch schnelllebigen Tagestourismus geprägten Region“, erklärte Josef Bierschneider, Bürgermeister von Kreuth.

 

 

Das DAV-Wegenetz: die Adern des Bergsports

Ohne Wege wären selbst einfache Gipfel in den Bayerischen Alpen nur mit sehr großer Anstrengung zu erreichen. Doch kaum einer weiß, wer eigentlich für die Wege zuständig ist und wie viel Arbeit es bereitet, das Netz intakt zu halten. „Die DAV-Sektionen kümmern sich um ein Netz aus Bergwegen und alpinen Steigen von etwa 30.000 Kilometern Länge“, erzählte Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung im DAV. Diese Arbeiten werden auch heute noch zum großen Teil von ehrenamtlichen Wegewartinnen und Wegewarten der Sektionen erledigt. Gemeinsam investieren sie mehr als 50.000 Arbeitsstunden im Jahr. Darüber hinaus werden umfangreichere Wegebaumaßnahmen auch von Fachfirmen ausgeführt. Jedes Jahr fließt in das DAV Wegenetz rund eine Million Euro.

 

Die Summen kommen schnell zusammen: „Im Jahr 2019 hat die Sektion Tegernsee für die Sanierung des Südanstiegs auf die Tegernseer Hütte 60.000 Euro veranschlagt. Diese Maßnahme wird von der Regierung von Oberbayern und dem DAV mit insgesamt 80 Prozent gefördert“, so Rainer Toepel, der erste Vorsitzende der Sektion.

 

Für Wanderwege im bayerischen Alpenraum erhält der DAV finanzielle Unterstützung vom Freistaat Bayern. Bislang wurden jährlich 150.000 Euro mit einer Förderquote von 50 Prozent für Generalsanierungen zur Verfügung gestellt. Nun wird die Fördermaßnahme um 50.000 Euro auf jährlich 200.000 Euro aufgestockt. Dass diese Summe dringend nötig und in jedem Fall gut angelegt ist, konnte man auf dem Zustieg zur Tegernseer Hütte deutlich sehen: Der Weg war mit den Jahren stark erodiert. Stufen mussten erneuert, Wasserableiter gesetzt und auch zahlreiche Abschneider zurückgebaut werden.

 

In den Bayerischen Alpen ist der Nutzungsdruck auf Wanderwege besonders hoch: Wandern liegt im Trend – und die vielen Wanderer hinterlassen ihre Spuren an den Wegen und Steigen. Damit nicht genug: Auch die Veränderung des Klimas setzt dem Wegenetz zu: „Durch den Klimawandel erhöht sich die Zahl der Unwetterereignisse in den Alpen – Muren im Sommer und starke Schneefälle im Winter sind die Folge“, so Mair. Dies konnte man eindrucksvoll am letzten Winter sehen: In vielen alpinen Gebieten hatten ungewöhnliche Schneefälle den Wald und mit ihm die Wanderwege zerstört.

 

 

DAV-Hütten: Herausforderungen jetzt und in der Zukunft

Die Sektionen des DAV unterhalten 321 öffentlich zugängliche Berg- und Schutzhütten in den Alpen und Mittelgebirgen – 66 liegen in Bayern. „Die Hütten befinden sich in ökologisch sehr sensiblen Gebieten“, erklärte Hanspeter Mair. Aus diesem Grund sei es wichtig, dass sich gerade diese Gebäude durch einen besonders geringen ökologischen Fußabdruck auszeichneten. Stromerzeugung, die Gewinnung des Trinkwassers und natürlich die Verklärung der Abwässer – das alles stelle die Hüttenbetreiber vor besondere Herausforderungen. „Einen Kanal oder eine Stromleitung gibt es ja nur in den seltensten Fällen“, so Mair. Die Verantwortung beim Hüttenbau und bei der Instandhaltung der alpinen Bauwerke sei daher besonders hoch. Das sieht man am Beispiel der Tegernseer Hütte: „In den folgenden zwei bis drei Jahren benötigen wir erhebliche Finanzmittel und müssen auf ehrenamtlicher Basis viele Stunden investieren, um die Abwasserentsorgung zu sanieren“, sagte Toepel. Das neue System soll über eine Vorklärungsstufe und Tropfkörperanlage verfügen, und das Abwasser so lange in einem Kreislauf bewegen, bis es die nötige Reinigungsleistung für die Versickerung im Erdreich erreichen kann.